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Ribnitz-Damgarten Zingst bekommt eine neue Messstation
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Zingst bekommt eine neue Messstation
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00:00 27.03.2014
Dr. Axel Eggert überprüft an einer der Messstationen den Feinstaubgehalt der Luft. Fotos (2): Elisabeth Woldt

Die Baugrube ist schon ausgehoben. Viel mehr ist von der neuen Messstation des Umweltbundesamtes noch nicht zu sehen, die zurzeit etwa drei Kilometer östlich von Zingst im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft entsteht.

723 000 Euro investiert der Bund insgesamt in die Neugestaltung des Geländes. Die alte Station — ein grauer Flachbau aus der 1980er Jahren — wird danach abgerissen. „Sie entsprach einfach nicht mehr den Standards“, sagt Umweltbundesamtsmitarbeiter Axel Eggert. Vor allem was die Energievorgaben des Bundes betrifft.

Seit 1991 ist die halbautomatische Messstelle eine von deutschlandweit sieben Stationen im Luftmessnetz des Umweltbundesamts. Hier wird die Belastung der Luft untersucht — also der Gehalt von Klimagasen und Luftverunreinigungen, die teilweise über weite Räume die Luft verschmutzen und dabei Natur und Mensch schaden können. Es geht zum Beispiel um krebserregenden Feinstaub, Ozon, Kohlenwasserstoffe, Quecksilber und viele andere Gase. Dieses Belastungslevel liefert dann die Basis, um die Werte an anderen Orten in Deutschland und letztlich weltweit einzuschätzen. Die Daten aus diesen Langzeitbeobachtungen werden dann zum Beispiel für politische Entscheidungen zu Rate gezogen.

35 Mitarbeiter sind dabei für die Luftmessung des Umweltbundesamt tätig. In diesem Rahmen ist die Station in Zingst eine von den kleineren.

Die neue Messstation baut der Betrieb für Bau und Liegenschaften MV (BBL). Im Entwurf sieht der Neubau eher wie ein kleines Landhaus aus. Etwa 100 Quadratmeter Fläche, eingeschossig mit Satteldach und einer Plattform für die Messinstrumente auf dem Dach. Hauptverantwortliche Wibke Lunow bekommt leuchtende Augen, wenn sie von den Details spricht: Holzrahmenbauweise, Zellulosedämmung, Kautschuk-Bodenbeläge dazu eine Luftwärmepumpe für die Heizung und Solarzellen auf dem Dach zur Energiegewinnen. „Alles soll so nachhaltig wie möglich gestaltet werden“, sagt Lunow. Nachwachsende und hier beheimatete Rohstoffe seien besonders wichtig. Alles wird am sogenannten Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) für Bundesgebäude ausgerichtet.

Das sei angesichts des Labors und der Messgeräte, die teilweise durch die Decke stoßen müssen, gar nicht so einfach, wie Lunow erklärt. Und das treibe auch die Kosten in die Höhe.

Zudem muss alles genau dokumentiert werden. Nur so könne am Ende das angestrebte BNB-Gütesiegel der Stufe Silber verliehen werden. Im Oktober 2012 übernahm der BBL den Auftrag, sagt

Sprecher Christian Hoffmann. Das Richtfest ist für Mitte Mai geplant. Ende des Jahres soll der Neubau dann stehen — das vorläufige Ergebnis von insgesamt mehr als vier Jahren Vorbereitung.

Parallel wird in der Baracke nebenan weitergearbeitet. Rund um die Uhr werten die Maschinen Daten aus. Axel Eggert ist nur vorübergehend als Urlaubsvertretung im Einsatz an der Messstelle.

Normalerweise hat der Zingster Hans Udo Teuerkauf hier die Messungen im Blick. „Einst haben hier zehn Menschen gearbeitet“, berichtet Eggert. Vor der Wende befand sich an dem Standort eine Forschungsstation des Meteorologischen Dienstes der DDR.

Auf dem Gelände stehen heute Luft- und Niederschlagssammler. Sobald es regnet, öffnet sich die Luke automatisch. Die Filter im Feinstaubsammler müssen täglich gewechselt werden. „Alles wird mehrfach abgeglichen und kontrolliert“, erzählt Eggert. Um auf Nummer sicher zu gehen, werden manche Werte doppelt erhoben. In einem Maschinenraum — im „Herzstück der Anlage“ — laufen die Daten zusammen. Der Computer wertet sie sofort als Liniendiagramme aus und übermitteln sie weiter.

All die Geräte, die dafür notwendig sind, müssen zum Ende des Jahres umziehen. Zwei Wochen seien dafür eingeplant, sagt Eggert. Mehrere Unternehmen würden dann versuchen zeitgleich und so schnell wie möglich alles funktionstüchtig an Ort und Stelle zu bringen. In dieser Zeit könne dann ausnahmsweise mal nicht gemessen werden.

Das Luftmessnetz
7Messstationen gehören zum Luftmessnetz des Umweltbundesamtes. Sie stehen in sogenannten Reinluftgebieten. So sollen weiträumige und grenzüberschreitende Luftverunreinigungen und Klimagase erfasst werden. Die Überprüfung der Werte in stark belasteten Gebieten ist hingegen Ländersache.
Zum Messprogramm gehören zum Beispiel Feinstaub, Kohlenwasserstoffe, Quecksilber und Ammoniak.
• Internet:
www.umweltbundesamt.de/themen/luft



Elisabeth Woldt

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