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Rügen 107 Jahre Erinnerungen
Vorpommern Rügen 107 Jahre Erinnerungen
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01:26 18.04.2018
Schwelgen gemeinsam in Erinnerungen: Dora Höfs freut sich auch heute wieder auf den jährlichen Geburtstagsbesuch von Bürgermeisterin Karin Wodrich. Quelle: Foto: Wenke Büssow-Krämer
Samtens

Es gibt Daten im Leben eines Menschen, die vergisst man nicht. „Am 17. März 1944 sind wir um 23.30 Uhr auf Rügen angekommen. Drei Wochen lang waren wir da auf der Flucht“, sagt Dora Höfs. Was diese 74 Jahre alte Erinnerung so besonders macht, ist die Tatsache, dass sie die an ihrem heutigen 107. Geburtstag immer noch lebhaft vor Augen hat. Auch die Geburtsdaten ihrer Kinder – die sie längst überlebt hat – oder der Todestag ihres Mannes sind immer noch abrufbar.

Das pulsierende Leben um sie herum könnte mit dazu beigetragen haben, dass sie in diesem Alter geistig noch so fit ist. Während sie bis vor vier Jahren noch allein gewohnt hat, lebt sie jetzt bei ihrer Urenkelin Manuela Pesl und deren Familie. Drei Ururenkel im Alter von zwei bis zwölf Jahren hat die Seniorin damit täglich um sich herum. „Da wird dann auch gerne mal Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt“, erzählt Manuela Pesl. Noch mitten im Leben braucht die Uroma lediglich etwas Unterstützung beim Gehen und auch die Ohren wollen nicht mehr so.

Ein geregelter Tagesablauf sind der Oma – wie sie der Einfachheit halber vom halben Ort genannt wird – daher immer noch wichtig. Erst gegen neun Uhr lässt sie den Tag mit stets demselben Frühstück beginnen. Eine große Stulle, dezent mit Butter und Marmelade bestrichen, muss es dann sein. Dazu gerne einen Kamillen- oder auch mal Pfefferminztee. Eine wichtige Beschäftigung ist für Oma Dora wie eh und je ihr Tischkalender. Wie früher werden auch heute noch Begegnungen, Ereignisse oder auch einfach mal das Wetter darin vermerkt und Jahre später immer mal wieder nachgeschlagen. Auch auf die tägliche Zeitungsschau verzichtet sie nicht.

„Sie muss möglichst vieles allein machen, damit sie fit bleibt“, erklärt Manuela Pesl. So legt die Seniorin immer noch viel Wert auf ihr Haar, das sie selbst kämmt und dann zu einem Zopf geflochten trägt. Weibliche Eitelkeit ist auch mit 107 Jahren nicht vergessen. „Da ist es manchmal schwierig eine neue Bluse zu kaufen. Da sind zu viele Punkte drauf, hier der Stoff nicht gut“, weiß die Urenkelin.

Der Humor ist der Seniorin dabei bis heute nicht abhanden gekommen. „Guck dir mal die olle Schrulle an“, sagt Dora Höfs mit Blick auf sich selbst, als sie das Fotoalbum ihres 100. Geburtstages durchblättert. Sorgen doch auch die drei Ururenkel – die regelmäßig das Zimmer der Oma stürmen – dafür, dass das Lachen im Gesicht nicht nachlässt. Erkennbar werden 107 Jahre Lebenserfahrung dann, wenn es ums Sparen geht. „Nichts auf dem Teller lassen können, Licht und Wasser schnell wieder abdrehen – da merkt man die Vergangenheit“, meint Manuela Pesl.

Immerhin hat Dora Höfs, am 13. April 1911 geboren, noch einen Kaiser und zwei Weltkriege erlebt. In Kannenberg im pommerschen Kreis Saatzig wuchs sie gemeinsam mit einem Bruder auf einem Gut auf, auf dem der Vater für die Viehbetreuung zuständig war. „Dann war ja Krieg. Aber wir wussten nicht viel davon. Uns ging es ja gut. Die Eltern und Großeltern lebten noch“, sagt die 107-Jährige.

Später war sie selbst auf einem Gut in der Landwirtschaft tätig, wurde dann Stubenmädchen und ging beim Pfarrer in Stellung. „In Stargard war ich dann in einem Geschäft für Damen- und Herrenkonfektion in der Zeit, als Hitler an die Macht kam“, kann Dora Höfs noch alle Details ihres Werdeganges aufzählen. Sie erinnert sich auch daran, dass ihre Mutter von ihrem Freund, den sie dann vorstellte, anfangs nicht begeistert war.

August hieß der Sohn der Nachbarn. Am 30. März 1935 kam dann Sohn Heini zur Welt, am 9. November wurde geheiratet. Tochter Ilse folgte am 24. Juni 1936. Auch wenn beide Kinder längst nicht mehr leben, gehören immer noch sechs Enkel, 13 Urenkel und neun Ururenkel zur Familie.

Wenke Büssow-Krämer

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