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15 000 Liter flüssiges Gold

Rothenkirchen 15 000 Liter flüssiges Gold

Im Rothenkirchener Landhandel wird seit 20 Jahren das mehrfach ausgezeichnete Rügener Rapsöl hergestellt

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Produzieren Rapsöl vom Feinsten - Manfred Möller und Mitarbeiterin Katharina Hilpert. Fotos (5): Susanna Gilbert

Rothenkirchen. Ein Jahrtausende alter Menschheitstraum ist vor 20 Jahren auf Rügen wahr geworden: die Herstellung von Gold. Allerdings produzieren die Landwirtschaftsbetriebe in Rothenkirchen kein Edelmetall, und steinreich werden sie damit auch nicht. Vielmehr stellen sie flüssiges Gold - kalt gepresstes natives Rapsöl - her, das wegen seines Geschmacks und seiner Qualität schon vielfach ausgezeichnet wurde.

Auch wenn die Nachfrage nach dem „Rügener Rapsöl“ stetig steigt - „allein davon leben könnten wir nicht“, betont Manfred Möller als einer von zwei Geschäftsführern des 1990 gegründeten „Landhandels“, der als Rügener Getreide- und Dienstleistungs GmbH registriert ist. Die Pressung von Speiseöl sei immer noch eine „Nischenproduktion“, räumt der promovierte Agraringenieur ein, der mit Rico Remien auch den genossenschaftlichen Agrarbetrieb APV Samtens in Rothenkirchen leitet. Zwar werden jährlich 400 Tonnen Raps in der Rothenkirchener Ölmühle verpresst und dabei 15000 Liter Speiseöl gewonnen, doch dies ist bei weitem nicht alles, was in den beiden Landwirtschaftsbetrieben produziert wird: Ackerbau, Viehzucht und Vertrieb der Erzeugnisse sind die drei tragenden Säulen der Unternehmen.

Dort, wo früher rund 800 Menschen für die LPG Samtens gearbeitet haben, werden heute 1300 Rinder gehalten, 3000 Hektar Land beackert und jährlich 45000 Puten hochgezogen. Der Landhandel produziert nicht nur Speiseöl und Rapshonig, sondern auch Futter für Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde, Hunde, Nagetiere und Vögel. Darüber hinaus gehören Samen, Blumenerde, Dünger, Sägespäne, und selbst eine Lippenpflege mit Rapsöl zur Angebotspalette.

Möller ist überzeugt: Die Vielseitigkeit der Unternehmensbereiche und der Angebote sind heute das A und O eines Agrarbetriebes. Der ehemalige LPG-Chef, dessen Familie väterlicherseits bereits seit mindestens vier Generationen auf Rügen wohnt, hat die Vorteile der früheren Strukturen nicht vergessen: „Die LPG war ein geschlossenes Produktionssystem“, erklärt er. „Deshalb konnte sie auch in Krisen — etwa dem Katastrophenwinter 1978/79 — die Versorgung gewährleisten.“

Und so folgen die Rothenkirchener Betriebe dem Kreislauf der Natur. Was sie der Erde nehmen, geben sie in anderer Form an sie zurück. Das geerntete Getreide - vor allem Weizen, aber auch Mais, Roggen, Raps und Gerste — wird vielfältig verarbeitet. Das, was übrig bleibt, wird ins Futter für die Tiere gemischt oder als Dünger auf den Feldern ausgebracht.

Dabei setzt Möller auf Qualität: Für seinen „ausgezeichneten Geschmack“ ist das Rügener Rapsöl in diesem Jahr zum sechsten Mal in Folge mit der Medaille der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) ausgezeichnet worden. Der Landhandel darf sich also zu den besten Speiseölproduzenten in Deutschland zählen. Die Tatsache, dass immer mehr Verbraucher zum Rapsöl greifen, hat vielerlei Gründe. Seitdem es in den 1980er Jahren gelungen war, die Bitterstoffe heraus zu züchten, hat sich Raps zu der mit Abstand dominierenden Ölpflanze in Deutschland gemausert. Rapsöl schmeckt frisch-nussig und alles andere als bitter. Aber es wird nicht nur als Nahrungsmittel, sondern vor allem als Biokraftstoff, Schmieröl oder sogar im Asphalt verarbeitet. Auch mit Blick auf das wachsende Verbraucher-Bewusstsein für die regionale Herkunft ihrer Nahrung und auf etliche Skandale um die Olivenölproduktion gewinnt das heimische Öl an Bedeutung.

Dennoch: „Wir wollen regional bleiben“, betont Möller, der, fragt man ihn nach seinem Alter, „Einen Tag jünger als die Republik“ antwortet. Seit 44 Jahren ist er mit der Ärztin Gesine verheiratet.

Das Paar wohnt in Langendorf bei Stralsund und freut sich immer über den Besuch seiner in ganz Deutschland verstreuten drei Kinder und sechs Enkel.

Rapsöl aus Rothenkirchen

400 Tonnen Raps werden pro Jahr in der Rothenkirchener Ölmühle verpresst und dabei 15000 Liter Speiseöl gewonnen. Der Ölgehalt der Rapssaat beträgt etwa 40 bis 50 Prozent.

6 Jahre in Folge ist das Rapsöl aus Rothenkirchen mit der Medaille der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft (DGF) ausgezeichnet worden.

1306 wurde Rothenkirchen das erste Mal in einer Urkunde erwähnt. Wahrscheinlich ist Rothenkirchen aber älter, lag es doch an einer der bedeutendsten Landstraßen, die von Altefähr bis hoch ans Kap Arkona führte. Im 15. und 16. Jahrhundert gehörte der Ort den jeweiligen Landesherren und einzelnen Stralsunder Bürgern, 1621 ging es in den Besitz des Klosters Rambin über.



Susanna Gilbert

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