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20-Jährige stürzt von Kreidefelsen in den Tod

Sassnitz 20-Jährige stürzt von Kreidefelsen in den Tod

Urlauberin hatte Uferweg auf Rügen verlassen / Backhaus beklagt Leichtsinn

Sassnitz. Der Spaziergang einer Urlauberin auf Rügen endete tödlich: Die 20-Jährige aus Hamburg stürzte am Sonnabend gegen 15 Uhr von einem Kreidefelsen im Nationalpark Jasmund rund 60 Meter in die Tiefe. Sie überlebte den Aufprall auf dem steinigen Strand nicht. Nur mit einem Polizeihubschrauber erreichten die Retter die Unglücksstelle. Der Notarzt konnte nur den Tod feststellen.

 

OZ-Bild

Die Polizei geht bislang von einem Unglücksfall aus. Die junge Frau sei mit ihrem Mann in Höhe der Ernst-Moritz-Arndt-Sicht spazieren gewesen, sie habe sich unmittelbar an der Uferkante aufgehalten.

Dabei geriet sie ins Straucheln und stürzte ab.

An der Steilküste im Nationalpark Jasmund erheben sich die Kreidefelsen bis zu 118 Meter hoch über die See. Immer wieder wird daher das Thema Sicherheit an der Steilküste auf Rügen diskutiert, zumal die Wege bei Wanderern sehr beliebt sind und sich in den vergangenen Jahren bereits mehrere schwere Unfälle ereignet haben. „Es trifft mich sehr, von dem Unglück zu hören“, sagte der für Küstenschutz zuständige Umweltminister Till Backhaus (SPD) gestern gegenüber der OZ. „Leider hat die Frau nach bisherigen Erkenntnissen aber auch den ausgeschilderten Wanderweg verlassen. Nur so konnte es zum Unfall kommen.“

Weitere Sicherungsmaßnahmen, etwa Absperrungen an der Steilküste, hält Backhaus für nicht umsetzbar. „Wir können ja keine Mauern bauen. Mit dem Nationalpark wollen wir die Natur erlebbar machen und nicht aussperren“, sagt er. „Außerdem lässt sich leider aus Erfahrung sagen, dass sich Spaziergänger von Geländern nicht abhalten lassen.“

Im Nationalpark Jasmund weisen an jedem Zuweg Schilder auf die Lebensgefahr an der Steilküste hin und warnen auch vor dem Verlassen der Wege. „Natürlich werde ich mir die Absturzstelle ansehen um mir ein Bild zu machen“, erklärte Backhaus.

Leider gehe der Trend in der Gesellschaft hin zu immer stärkerem Individualempfinden, was wohl auch dazu verleite, sich nicht an Regeln zu halten, meint Backhaus. „Man muss jedoch Respekt vor der Natur haben.“

Die Kreideküste auf Rügen ist ein dynamisches System. Küstenabbrüche gehören dazu. Zuletzt hatte ein solcher Kreideabrutsch am Kap Arkona 2011 ein Menschenleben gefordert. Die zehnjährige Katharina wurde von Geröllmassen verschüttet und konnte trotz eines Großeinsatzes von Feuerwehr und Rettungskräften nur noch tot geborgen werden.

Anne Ziebarth

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