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25 Jahre Alleenstraße: Kulturgut in der Sackgasse?

Sellin 25 Jahre Alleenstraße: Kulturgut in der Sackgasse?

Richtlinie zur Nachpflanzung von Alleebäumen umstritten

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Die Deutsche Alleenstraße beginnt in Sellin. Auch der hier abgebildete Abschnitt zwischen Garz und Putbus gehört dazu.

Quelle: Foto: Stefan Sauer /dpa

Sellin. Theoretisch könnte alles so einfach sein. Dort, wo ein Alleebaum fällt, wird auch einer nachgepflanzt. Schließlich genießen die Alleen besonderen Schutz im Land und die „grünen Tunnel“ gelten als Kulturgut und touristisches Alleinstellungsmerkmal der Region. Dass diese Pflanzpraxis nur äußerst schwierig umzusetzen ist, wurde bei einer Diskussionsrunde zum Thema „25 Jahre Deutsche Alleenstraße“ in Sellin deutlich. Moderatorin Silvana Mundt empfing nicht nur Sellins Bürgermeister Reinhard Liedtke (Selliner Wählergemeinschaft), Landrat Ralf Drescher (CDU) und den Leiter des Landesamtes für Straßenbau, Manfred Rathert, zum Gespräch. Auch Erwin Pfeiffer (ADAC und Deutsche Alleenstraße) und Gundela Knäbe von Biosphärenreservat Südost-Rügen waren zur Diskussion gekommen.

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Richtlinie zur Nachpflanzung von Alleebäumen umstritten

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„Wir wünschen uns einfach nur, dass es eine Möglichkeit gibt, Pflanzlücken in den Alleen zu schließen“, sagte Knäbe mit Blick auf die zahlreichen Rügener Alleen, in denen Einzelbäume fehlen. „Das sind wir den kommenden Generationen schuldig.“ In der Praxis sei das schwer zu realisieren, bemerkte Manfred Rathert vom Straßenbauamt. Die Gesetzeslage aus dem Alleenerlass des Landes und einer ergänzenden Richtlinie fordere bei Neupflanzungen an Landesstraßen einen Mindestabstand von drei Metern und bei Bundesstraßen von vier Metern vom Fahrbahnrand. Straßengräben und Leitplanken führten häufig sogar noch zu größeren Abständen, die eingehalten werden müssten. „Wir haben die Anzahl der Verkehrstoten in Alleen auch dank der Leitplanken senken können“, so Rathert. „Die brauchen aber für die optimale Wirkung einen gewissen Raum, um sich im Ernstfall ausbeulen zu können.“ Auch an Stelle von bereits bestehenden, zwangsläufig nah an den Alleebäumen verlaufenden Leitplanken in Alleenreihen sei ein Nachpflanzen der Bäume „in Reihe“ nicht möglich.

Es mache außerdem keinen Sinn, junge Bäume in die gleiche Flucht zu pflanzen, meint er. „Die Bedingungen für Bäume unmittelbar an der Straße sind zu schlecht.“ Eine Lösung könne also nur das versetzte Pflanzen oder aber das Setzen einer völlig neuen Allee sein.

Weil durch die vorgeschriebenen Abstände zur Fahrbahn vielfach auch noch Landerwerb für die Baumpflanzungen nötig ist, hakt es an vielen Stellen bei den Nachpflanzungen. Auf Bundes- und Landestraßen wurden 2016 im Landkreis Vorpommern-Rügen 421 Alleebäume gefällt und 30 Bäume gepflanzt, teilt das Straßenbauamt Stralsund mit. Für die nicht nachgepflanzten Bäume wurden 400 Euro pro Baum in den Alleenfonds eingezahlt. Das Geld – derzeit handelt es sich um mehrere Millionen Euro – ist für die Nachpflanzung von Bäumen vorgesehen. „Im Gebiet des Biosphärenreservats ist die letzte Nachpflanzung im außerörtlichen Bereich im Jahr 2011 erfolgt“, beschreibt Cathrin Münster, Chefin des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen, die Situation. „Dabei wurden in unserem Gebiet in diesem Zeitraum über 250 Alleebäume gefällt.“

Auf den Kreis- und kommunalen Straßen des Landkreises ist die Situation besser. Hier wurden im Zeitraum von 2002 bis 2017 genau 2122 Alleebäume gefällt. 2470 Bäume wurden gepflanzt. Das Plus von 348 resultiert auch aus der Bereitschaft der Politik, die Bäume an Ort und Stelle nachzupflanzen.

„Für uns wird die Richtlinie empfohlen. Aber wir sind nicht daran gebunden und nutzen die Spielräume, die wir haben“, erklärte Landrat Ralf Drescher (CDU). Manfred Rathert sieht diese Praxis kritisch und befürchtet langfristige Probleme. „Mal sehen, wie die Situation aussieht, wenn die ersten Angehörigen von Verkehrsopfern gegen die Pflanzung eines Baumes klagen, die nicht nach der Empfehlung erfolgt ist“, merkte er an.

Das Thema Verkehr fordere einiges an Umdenken, betonte Erwin Pfeiffer. „Der Erhalt der Alleen ist ein Thema, was vor allem die nachfolgenden Generationen betrifft“, sagte er. „Wenn wir in die Zukunft schauen, wird der Verkehr mit großer Sicherheit ganz anders aussehen. Es ist durchaus vorstellbar, dass dann nur noch selbstfahrende Autos unterwegs sind und Straßenbäume keine Gefahr mehr für den Verkehr sind.“

Zum Ende der Veranstaltung meldete sich Herbert Trilk, Radsportler vom Verein Rügen-Rund zu Wort. Ein kurzer Slogan als Ergebnis der Diskussion wäre doch wünschenswert. „Könnte man sich nicht auf Rügens Alleen – Lückenfrei einigen?“, fragte Trilk. Manfred Rathert überlegte. „Rügens Alleen – sicher und möglichst lückenfrei“ sagte er. „Da könnte ich mitgehen.“

Deutsche Alleenstraße auf Rügen

1993 wurde die Deutsche Alleenstraße begründet, ihren Anfang hat sie in Sellin. Sie verläuft über mehrere Routen bis an den Bodensee. Damit handelt es sich bei der Deutschen Alleenstraße um die längste Kulturstraße Deutschlands. Auf Rügen führt sie von Sellin über Putbus und von dort über Kasnevitz hin zur ältesten Stadt Rügens, Garz. Ein anderer Zweig der Alleenstraße beginnt am Kap Arkona und stößt in Putbus auf die Alleenstraße.

800 Jahre kann eine Stieleiche maximal alt werden. Da hat die kleine Eiche noch einiges vor sich, die am Freitag von Kindern der Selliner Kita „Olga Benario Prestes“ am Kleinbahnhof gepflanzt wurde. Sie bildet den jüngsten Neuzugang an der Alleenstraße. Weil der Baum innerorts gepflanzt wurde, konnte hier auf den sonst erforderlichen Mindestabstand von drei Metern verzichtet werden.

4400 Kilometer Straße in MV sind von Alleen gesäumt. Das Verhältnis von Alt-Allee zu neuen Alleen liegt derzeit bei 60 Prozent zu 40 Prozent.

Anne Ziebarth

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