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Rügen Ein Vierteljahrhundert Ringen um die Schwimmhalle
Vorpommern Rügen Ein Vierteljahrhundert Ringen um die Schwimmhalle
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12:25 14.02.2019
Das mögliche Schwimmbad in Bergen soll – wie das Rostocker auf dem Foto – auch einen Drei-Meter-Turm bekommen. Quelle: Frank Söllner
Bergen

Es wirkt wie ein Kampf um die Meinungshoheit: Auf der einen Seite die Stadtverwaltung, die in Einwohnerversammlungen oder in öffentlichen Sitzungen beratender und beschließender Gremien versucht, die Stadtvertreter und Bürger von der Idee einer Sportschwimmhalle zu überzeugen. Auf der anderen die Skeptiker – vornehmlich aus den Reihen der CDU/FDP- und SPD-Fraktion – die eine Finanzierung auf lange Sicht für nicht machbar halten. In den sozialen Netzwerken wird der Schlagabtausch heftig, manchmal bis unter die Gürtellinie geführt, Flugblätter kursieren, und der Meinungen und Informationen gibt es reichlich. Dabei schält sich eine grundsätzliche Frage heraus: Kann die Bergener Wohnungsgesellschaft (BeWo) – ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Stadt – jedes Jahr 300 000 Euro aufbringen, um die Unterhaltung der Schwimmhalle mitzufinanzieren?

Siebenstellige Beträge

Bürgermeisterin Anja Ratzke (parteilos) sagt „Ja“. Aus ihrem Haus stammen sämtliche Zahlen wie die 9,1 Millionen Euro Baukosten, die 5 Millionen Fördergeld (wovon derzeit 4,75 Millionen zugesagt sind) und die 600 000 Euro Unterhaltungskosten, von denen jedes Jahr eine Hälfte die Stadt, die andere die BeWo Tragen soll. „Das ist nichts Ungewöhnliches“, sagt die Bürgermeisterin. „In Rostock wird das Schwimmbad ausschließlich von der kommunalen Wohnungsverwaltung betrieben. Und im Übrigen: Es ist üblich, dass kommunale Betriebe Überschüsse an die Stadt abführen. Bei größeren Wohnungsgesellschaften sind das nicht selten jährlich siebenstellige Beträge. Bei uns ist das hingegen umgekehrt. Hier hat die Stadt sogar Bürgschaften für die BeWo übernommen, die eigentlich sogar verzinst werden müssten.“ René Radtke, der seit der Entlassung von Gerd Zander im Oktober 2018 als Geschäftsführer der Gesellschaft eingesetzt ist, äußert sich zur Schwimmbadbetreibung zurückhaltend. „Wir haben Optimierungen in verschiedenen Bereichen im Auge. Das kann aber nicht von heute auf morgen umgesetzt werden“, sagt Radtke. Dabei spiele ihm und seinem Unternehmen in die Hände, dass es noch eine gehörige Zeit dauern werde, bevor das Projekt Sportschwimmbad – so es denn käme – umgesetzt werden könne. „Und diese Zeit benötigen wir, um die Freimachansätze zu realisieren.“ Ihm sei durchaus bewusst, dass die Mieter der BeWo lieber jeden Cent in die Modernisierung der Wohnungen fließen sehen würden. „Ich kann allerdings einen Euro nur einmal ausgeben“, sagt Radtke. „Und so müssen wir das Finanzierungsmodell so hinbekommen, dass die Aufgabe der Modernisierung der Wohnungen weiter erfüllt werden kann.“

Anja Ratzke spricht in diesem Zusammenhang unter anderem von BeWo-Krediten, die in den nächsten Jahren auslaufen würden oder die umgeschuldet werden könnten, um den hohen Zinssatz zu drücken. „Nach unseren Plänen bleibt die Leistungsfähigkeit der BeWo die gleiche, so dass die Mieter gar nicht mitbekommen, dass die Gesellschaft die Unterhaltung der Schwimmhalle mitfinanziert“, sagt sie. „Die investiven Maßnahmen werden sich nicht verändern.“ Dafür sei ein Weg mit Radtke bereits abgesprochen. Und der sagt, dass er für die Realisierung des finanziellen Vorhabens die Unterstützung der Stadtverwaltung benötige.

Nur ein echter Anlauf

Zweimal sei bereits ein Anlauf genommen worden, ein Sportschwimmbad in Bergen zu bauen, hieß es in den zurückliegenden Wochen auf öffentlichen Veranstaltungen immer wieder. Bergens Ex-Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) verneint das allerdings. „Da gab es den Versuch in den 90er Jahren, im Zuge des Baus von famila und real ein Schwimmbad mit zu errichten“, sagt Köster. Mehrere Gründe hätten am Ende dazu geführt, dass das Ganze im Sande verlief. Dazu gehörten der Tod eines der Projektentwickler ebenso dazu wie zu hohe Investitionskosten. Den scheinbar zweiten Versuch zur Errichtung eines Schwimmbades bringt Andrea Köster mit einer Unterschriftensammlung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zusammen, die in den frühen 2000ern initiiert worden war. Die Stadtvertreter befassten sich damit allerdings nicht. Vielmehr gab es im September 2000 einen Beschluss unter der Überschrift „Einstellung finanzieller Mittel im Nachtragshaushalt für die planerischen Vorarbeiten zur Errichtung einer/s Schwimmhalle/Bades in Bergen auf Rügen“. Laut Bergens Hauptamtsleiter Steffen Ulrich weisen die Unterlagen für 2001 darüber hinaus noch einen Sanierungsbeschluss für das Lehrschwimmbecken in der Altstadtgrundschule aus.

„Für mich kam das Schwimmbad noch einmal 2011/12 auf die Tagesordnung, als es im Raum stand, mit der Rügen Haustechnik (RHT) eine Art Stadtwerke zu gründen“, sagt Andrea Köster. „Die damals gerade geänderte Kommunalverfassung verpflichtete Kommunen allerdings, 51 Prozent der Anteile einer kommunalen Gesellschaft zu besitzen. Das war nicht im Sinne von RHT, weshalb das Projekt nicht realisiert werden konnte. Ich fand das schade.“ Vor allem auch, weil die damalige Bürgermeisterin in dem Stadtwerkekonstrukt eine Möglichkeit sah, die Unterhaltungskosten für ein Schwimmbad gering halten zu können.

Die Idee mit den Stadtwerken

Martin Ratzke, RHT-Geschäftsführer, erinnert sich gut an die Verhandlungen 2011. Zu jenem Zeitpunkt versorgte sein Unternehmen Bergen Süd und Teile des Bergener Kerngebietes mit Fernwärme. Das funktionierte über „eine Entkopplung vom Ölpreis, was dazu führte, dass die Nebenkosten relativ gering gehalten werden konnten“, sagt Ratzke. Damals rechnete er den Stadtvertretern allein für die Wohnungen in Bergen Süd einen jährlichen Geldvorteil von 223 893 Euro gegenüber üblicher Heizölnutzer vor. „Die Wohnungsanbieter der Stadt kamen auf uns zu, ob wir die Versorgung nicht auch für Rotensee realisieren könnten“, erinnert sich Ratzke. An dieser Stelle sei die Stadtwerke-Idee geboren worden. Er sieht sich immer noch in der Lage, zur Versorgung eines Sportschwimmbades einen Beitrag leisten zu können, damit „das Ganze am Ende eine positive Entwicklung nimmt“, sagt Martin Ratzke weiter. „Ob es aber überhaupt zu solch einer Schwimmhalle kommt, sollen die Bürger entscheiden.“

Das Thema Schwimmbad spielte bei Andrea Köster schließlich beim Bürgermeisterwahlkampf 2015 noch einmal eine Rolle. „Da ging es aber um ein Freibad“, betont sie. Ein Sportschwimmbad dieser Größenordnung habe in ihren Überlegungen keine Rolle gespielt. Nicht zuletzt auch, weil eine Betreiber-Idee nicht vorhanden gewesen sei. „Zu meiner Zeit war nie die Stadt als Betreiber im Spiel“, sagt sie. „Und auch heute steht für mich immer noch die Frage, ob die Stadt in der Lage ist, solch ein Projekt zu wuppen.“ Köster glaubt, dass Stadt und BeWo als Finanzierer der Schwimmbadunterhaltung nicht ausreichen. Schon weil in den Häusern der Wohnungsgesellschaft vieles zu modernisieren sei. „Hätte man ein Wärmeunternehmen oder den Zweckverband mit im Boot, ist das ein ganz anderes Thema“, sagt Andrea Köster. Sie will darüber hinaus wissen, dass eine Bergener Elektrofirma in der Stadtverwaltung schon einmal eine Schwimmbadprojekt vorgestellt habe, das sei aber nicht aufgegriffen worden. Die besagte Firma wollte sich dazu gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG aber nicht äußern.

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