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Rügen 340 Stempel für Zuchttiere
Vorpommern Rügen 340 Stempel für Zuchttiere
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06:00 03.11.2018
Karsten Berlin (49) begutachtet ein zitron-porzellanfarbiges federfüssiges Zwerghuhn. Quelle: Christine Zillmer
Gingst

„25 000 Euro und mehr blättern Liebhaber manchmal für eine echte Brieftaube hin“, sagt Eric Freybier (33), zweiter Vorsitzender des Gingster Kleintierzuchtverein (KTzv). „In Leipzig sind bei Tierschauen in vier Messehallen bis zu 46 000 unterschiedliche Tiere ausgestellt, das ist unglaublich“, ergänzt er. Echte Brieftauben würden in Gingst nicht ausgestellt, aber dafür neben Kaninchen eine ganze Menge anderes Federvieh.

Am Wochenende ist wieder soweit. Der Gingster Verein lädt am Sonnabend von 9 bis 17 Uhr und Sonntag von 9 bis 15 Uhr zum Staunen und Begutachten von circa 340 Tierarten der insgesamt 38 Aussteller auf die diesjährige Rassegeflügel- und Kaninchenausstellung ein.

Nachdem die Eigner ihre Tiere schon Tage vor der Ausstellung eingeliefert haben, stehen diese in Käfigen dicht an dicht im Vereinshaus. Die Besitzer hoffen auf einen Orden für ihre Züchtungserfolge. Am frühen Morgen des Folgetages treffen vier Preisrichter ein, sitzen gemütlich am Tisch des Vereinsheims, schlürfen Kaffee und beginnen langsam mit der Arbeit. Jeder muss am Ende des Tages 50 bis 80 Tiere bewerten. Noch vor neun Uhr wird gestartet. Es dauert bis in die späten Nachmittagstunden.

Martina Heitmann (50) aus Friedland läuft in die Geflügelhalle und geht von Käfig zu Käfig. Immer dabei ist ein Bewertungsbogen mit der Punkteskala, eine Fibel zum Nachlesen der zu bewertenden Details und ein Kugelschreiber in der Tasche des weißen Kittel. „Wir Frauen haben es gar nicht so einfach in der Branche“, sagt sie. Als erste weibliche Preisrichterin in MV weiß sie, wovon sie redet. „Ich züchte selbst seltene Hühnerrassen und weiß, worauf es ankommt.“ Sie trinkt zusammen mit den Preisrichtern einen Schnaps auf die Gesundheit. Das gehöre dazu und wärme in der kalten Halle. Ihr Kollege Karsten Berlin (49) begutachtet im Obergeschoss derweil ein zitron – porzellanfarbiges federfüssiges Zwerghuhn. Die Käfigtür wird aufgesperrt, das Federvieh ist ruhig, im Gegensatz zu manch anderen Tieren. „Dieses Huhn ist wohl an Käfige gewöhnt. Für die Tiere ist das sonst Stress. Die meisten Züchter denken daran“, sagt Karsten Berlin. Er verteilt mit geschultem Auge Punkte für Körperform, Typ und Bau. Die Flügel werden aufgefächert, danach Federkleid, Farbe und Gewicht des Tieres beurteilt. Am Ende gibt es einen Stempel und die Bewertungskarte ist fertig.

„Im Laufe der Zeit weiß man, wie es geht. Es dauert knapp fünf Minuten pro Tier, dann ist es fertig.“ Der Preisrichter ist seit 17 Jahren im Amt. „Ich reise heute Abend wieder ab“, sagt er und bringt das Zwerghuhn wieder zurück in den Käfig. Für Preisrichter Günter Horn (80) ist es der letzte Einsatz in diesem Jahr. Seit 1974 bewertet er unter anderem in Gingst. „Hier war mein erster Einsatz nach bestandener Prüfung.“ Seine Frau half ihm viele Jahre beim Schreiben der Bewertungsergebnisse. Nach dem Mittagessen fährt Günter Horn zurück nach Grimmen und überlässt seine Bewertungen dem Vereinsteam. Die freuen sich auf viele Besucher am Wochenende.

Die Tierausstellung sei auf jeden Fall etwas für die ganze Familie. Allein 22 Kaninchenarten sind zu begutachten. Lange Ohren, kurze Ohren, stehende Ohren, hängende Ohren. Einen Orden gibt es für den Gesamteindruck. Der Ausstellungsleiter Detlef Andres (62) ist stolz auf die Arbeit des Vereins. Von der Artenvielfalt und der guten Pflege der Tiere könne sich jeder Besucher informieren. „Kaufen geht auch“, erzählt Detlef Andres. Es sind circa 150 Tiere dafür angemeldet.

„Den Verein gibt es bereits 59 Jahre, im nächsten Jahr feiern wir runden Geburtstag im Verein. Ich bin seit 30 Jahren dabei“, erzählt Andres. Eric Freybier weiß, dass Vereinsarbeit und Züchtung kein Nebenjob ist: „Ich bin zu Hause jeden Tag für meine Tiere da: füttern, sauber machen und so weiter.“ Am Ende wird die Arbeit belohnt. Interessierte Besucher, leuchtende Kinderaugen und sogar ein Preisgeld für die besten Züchter. „Ein tolles Hobby“ sagt Freybier.

Christine Zillmer

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