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Rügen 350 gesunde Mahlzeiten jeden Tag
Vorpommern Rügen 350 gesunde Mahlzeiten jeden Tag
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06:57 02.09.2013
In das Gutshaus in Götemitz kommen täglich Menschen, um hier gemeinsam zu essen. Fotos (2): Iris Bleeck
Götemitz

Ich bin mit Elke Neugebauer verabredet. Götemitz liegt nicht weit entfernt von dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin. Wie mag es jetzt dort aussehen? Als ich den provisorischen Weg verlasse, biege ich in die Hofanlage. Es wirft mich zurück in die Vergangenheit, meine Kindheit holt mich ein. Zur Linken ein altes Stallgebäude, Backstein, noch sehr gut erhalten.

Vor mir das Gutshaus, nichts verändert, vielleicht seit sechzig Jahren? Betongrau, ein schöner, nachträglich angebrachter Giebel und davor ein Lieferwagen, aus dem säckeweise Kartoffeln und Lebensmittel geladen werden. Emsig geht es hier zu.

Ich steige die original erhaltene Treppe hoch, um in Elke Neugebauers Büro zu gehen. Sie kommt mir entgegen, wie vom Wind zerzaust. Hat, trotz unserer Verabredung, eigentlich keine Zeit für mich. Es ist Mittag und später erfahre ich, dass sie mit drei Angestellten täglich 350 Essen kocht, eine fleißige, sozial ausgerichtete Chaotin, die das tut, was notwendig ist, um die Menschen hier zu halten.

Die Gutsanlage nicht der Wüstung überlässt.

Im großen Saal des Gutshauses ist ein langer Tisch gedeckt. Nach und nach kommen Menschen in den Raum, um hier gemeinsam für drei Euro Mittag zu essen, Bio versteht sich. Dorfbewohner die nicht mehr mobil sind, finden hier Gesellschaft. Es kommen etwa dreißig Stammkunden, der Rest ist nicht berechenbar, aber jeder wird satt. Zwischendurch gibt Elke bereitwillig Auskunft über ihr Leben, küsst ihren Liebsten, eine Rügen-Liebe, die sie hier fand, oder sie gibt Anweisungen. Jeder hier am Tisch hilft, füllt die Teller, schenkt Kaffee ein, verteilt den Nachtisch. Großfamilie, wie in vergangenen Zeiten. Hier wird keiner allein gelassen, es wird sich gekümmert, respektiert, der Ton ist rau, aber herzlich.

Elke erzählt: „Im Losverfahren entschieden, studierte ich noch zu DDR Zeiten Wirtschaftsinformatik in Prag, was nicht der schlechteste Zufall war. Ein Stadt vollgepackt mit Geschichte und Kultur. Zu DDR Zeiten war ich in der Forschung tätig, nach der Wende Softwareentwicklung, Unternehmensberaterin für Optimierung von EDV-und Geschäftsabläufen vor allem in der Gastronomie.

2002 zog ich nach Rügen. Pachtete ein kleines Hotel in Götemitz und begann mich schnell heimisch zu fühlen. Als alles gut lief, die ersten Startschwierigkeiten überwunden waren, ging das Hotel an den Eigentümer zurück. Ich musste mich nach einem anderen Arbeitsplatz umsehen. Arbeitete einige Zeit in Kransdorf. Mit meiner jüngsten Tochter, ging ich oft zu dem verwaisten Gutshaus, das schon längere Zeit leer stand. Es war relativ gut erhalten, man konnte noch darin wohnen. Die Gefahr, dass einem das Dach auf den Kopf fallen würde, bestand nicht. Ich setzte mich mit dem Besitzer in Verbindung, der im Westen Deutschlands wohnt. Er hatte die Ländereien aufgekauft und dem Gebäudebestand wenig Beachtung geschenkt. Es dauerte einige Zeit, bis ich ihn von meinen Plänen überzeugen konnte. Meine Intention war, Schul-und Kindergartenkinder im Umkreis mit gesundem Essen zu versorgen. Es kam zu einem Pachtvertrag. Die Küche im Gutshaus wurde professionell ausgestattet. Bald darauf kam eine erste Anfrage von der Freien Schule in Dreschvitz. Die Schule befand sich ebenfalls im Aufbau, begann mit 22 Kindern. Mit der Zeit konnte ich expandieren, Kindergärten kamen hinzu. Die Schule hat heute 120 Schüler, die wir täglich beliefern. Im Winter, wenn der Schnee die schmalen Wege verweht, fahren wir schon mal mit dem Trecker das Essen ausliefern. Catering, das neue Zauberwort, brachte noch mehr Arbeit. Ohne die vielen Helfer, die einfach so anpacken, wäre es nicht zu schaffen.

Schau Dir das architektonisch wertvolle Stallgebäude an, was könnte man alles daraus machen? Natürlich habe ich eine Idee. Es sollte etwas für den Ort, die Region und die Menschen hier entstehen. Die Gutsanlage hat eine kostbare kulturelle Geschichte, die es wert ist, wiederbelebt zu werden.

Mir schwebt ein Mehrfamilien- Generationenhaus vor. Ich meine, man sollte ältere Menschen nicht in Heime abschieben, in denen sie keinen Bezug zu ihrem bisherigen Leben haben. Wenn sie es möchten, sollten sie in ihrer vertrauten Umgebung bleiben. Wenn es nach mir ginge, könnten wir morgen anfangen. Damit sich alle Mühe lohnt, brauchten wir einen fünfzig Jahre Vertrag, da hakt es noch. Vom Land würden wir Unterstützung bekommen. Ich denke, wir werden uns einig werden.“

Elke Neugebauer springt auf, sie hat zu tun, sie ruft mit noch zu: „Wir organisieren auch Lesungen, Musikabende, versuchen der Tradition des Hauses gerecht zu werden.“

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