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98 Gerettete auf Rügener Schiff

Sassnitz 98 Gerettete auf Rügener Schiff

Dramatischer Rettungseinsatz der „Aquarius“ am Wochenende vor libyscher Küste

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Flüchtlinge klammern sich während des Rettungseinsatzes am Sonnabend an einen Rettungsschlauch.

Quelle: Foto: Laurin Schmid/sos Mediterranee/dpa

Sassnitz. Für die europäische Seenotrettungsorganisation SOS Mediterranee war der vergangene Sonnabend einer der dramatischsten seit Beginn des Rettungseinsatzes im Mittelmeer vor knapp zwei Jahren. Nachdem die Teams von SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen, die gemeinsam das auf Rügen gecharterte Rettungsschiff „Aquarius“ betreiben, in den frühen Morgenstunden mit ansehen musste, wie die libysche Küstenwache in internationalen Gewässern ein Flüchtlingsboot abfing, wurde das Team zur Rettung eines bereits sinkenden Schlauchboots gerufen. 98 Menschen konnte das Team unter Mobilisierung aller Kräfte vor dem Ertrinken bewahren. Für zwei Frauen kam jede Hilfe zu spät.

„Der Einsatz war extrem schwierig. Das Schlauchboot hatte bereits an einer Seite Luft verloren, als wir uns mit den Beibooten näherten. Die Menschen trugen keine Rettungswesten und einige waren bereits im Wasser. Wir haben sofort alles zu Wasser gelassen, woran sich die Menschen festhalten konnten, aber viele waren bereits bewusstlos, als wir sie aus dem Wasser zogen, und mussten wiederbelebt werden“, sagte Klaus Merkle, Einsatzleiter von SOS Mediterranee an Bord der „Aquarius“. Edouard Courcelle, freiwilliger Retter an Bord der „Aquarius“, war als einer der ersten beim sinkenden Schlauchboot: „Ich habe zwei Babys aus dem Wasser gezogen, die buchstäblich unter der Oberfläche schwammen. Noch auf dem Beiboot habe ich ihnen eine Herzmassage gegeben. Es ist ein Wunder, dass sie überlebt haben.“

Am Ende konnten sieben Menschen wiederbelebt werden – eine Frau, drei Babys und drei Kleinkinder. Für zwei Frauen kam jede Hilfe zu spät. Die Überlebenden des Bootsunglücks stehen unter Schock. Laut Angaben des medizinischen Teams von Ärzte ohne Grenzen haben sie durch das Einatmen von Treibstoffgasen die Orientierung verloren. Einige leiden an Unterkühlung oder Hautverätzungen, die auf die gefährliche Mischung aus Treibstoff und Meerwasser im Schlauchboot zurückzuführen ist. „Laut internationalem Seerecht müssen alle gerettete Personen in einen sicheren Hafen gebracht werden. Und das ist bestimmt nicht Libyen, wo es keine funktionierenden staatlichen Strukturen gibt und Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind“, kommentierte Sophie Beau, Vizepräsidentin des internationalen Netzwerks von SOS Mediterranee den Vorfall.

Auf Anweisung der italienischen Küstenwache patrouilliert die „Aquarius“ momentan im Einsatzgebiet auf der Suche nach weiteren Booten in Seenot. Das Schiff war im Februar 2016 von Sassnitz-Mukran aus gestartet.

OZ

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