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Rügen A 20: Krater wird immer größer, erster Bagger rollt
Vorpommern Rügen A 20: Krater wird immer größer, erster Bagger rollt
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06:47 09.02.2018
Zäher Verkehr auf der A-20-Umleitung bei Langsdorf. Die Dorf-Bewohner sind genervt, das Loch in der Autobahn wächst weiter. Quelle: Frank Söllner
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Langsdorf

Lkw-Kolonnen schieben sich rumpelnd durch Langsdorf. Menschen sieht man in diesen Tagen kaum auf den Gehwegen. Lärm und Verkehr strapazieren die Nerven der Bewohner, seit Teile der A 20 im Oktober 2017 im Moor versanken – und die Autobahn bei Tribsees voll gesperrt wurde.

Nahe dem immer größer werdenden A-20-Loch krachen derzeit Bäume und Äste auf den gefrorenen Boden – es ist der erste Lichtblick für die Dorfbewohner: Die Baumfällarbeiten für den geplanten Bau der Umgehungsstraße haben begonnen. Ein Spezialfahrzeug entfernt das Gehölz und zieht eine Schneise durch das morastige Dickicht. Es tut sich endlich was, stellt Bürgermeister Hartmut Kolschewski (64, parteilos) fest: „Je länger das Ganze dauert, desto genervter sind alle. Nun ist ein kleiner Bauanfang da, das hilft vielleicht, zu beruhigen. Immerhin ein Schritt nach vorn.“Was vielen im Ort schwer auf der Seele lastet, ist die Ungewissheit, wann die neue Umgehungsstraße denn kommt. Sommer 2018 hatte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) einst avisiert. Am Donnerstag ist im Radio aber von Herbst die Rede. Entsprechend große Aufregung herrscht bei den Langsdorfern. Auf OZ-Nachfrage im Verkehrsministerium heißt es: „Erst nach Vorlage der Entwurfsplanungen für die Umgehung lässt sich belastbar sagen, wann die nächsten Schritte folgen können. Es ist völlig klar, dass alle Maßnahmen so schnell wie möglich erfolgen und im Rahmen der Möglichkeiten beschleunigt werden.“ Genauer wollte die Behörde nicht werden. Man sei abhängig von nicht beeinflussbaren Faktoren, wie der Verfügbarkeit von Baufirmen. Ein bisschen Hoffnung gibt es also noch, dass die neue Umgehung doch im Sommer fertig wird.

Ungeduld der Langsdorfer wächst, der A-20-Krater auch

Die Einwohner tröstet das wenig: Eine Wirtin aus dem Dorf erregt sich beim Mittagstisch, es dauere viel zu lange. Sie fühlt sich im Stich gelassen. Die Gaststätte leidet unter der Situation. Während die Ungeduld der Langsdorfer wächst, wächst am Ortsende auf der A 20 der Krater. Laut Ministerium hat er sich von 40 auf 95 Meter Länge vergrößert. Wie sich der Damm entwickeln werde, sei schwer vorherzusagen, sagt Sprecherin Katharina Henkel. Wegen der Instabilität könnten weitere Einbrüche aber nicht ausgeschlossen werden. Indes laufen die Planungen für die Reparatur. Minister Pegel ging jüngst von einer vollständigen Wiederherstellung der Autobahn bis 2021 aus. Der Grund für das A-20-Desaster ist weiter unklar. Spekuliert wird unter anderem über die Verwendung zu schwacher Stützen beim Damm oder falsche Berechnungen.

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Das Loch auf der Autobahn 20 bei Tribsees (Vorpommern-Rügen) wird immer größer. Aktuelle Video- und Fotoaufnahmen zeigen das ganze Ausmaß der Katastrophe.

Spezialfahrzeug räumt Weiden, Pappeln und Büsche aus dem Weg

In Langsdorf dröhnt der Verkehr, derweil geht es auf dem kaputten Teilstück der A 20 beschaulich zu. Eine Firma für Biotoppflege – mit zwei Mitarbeitern vor Ort – räumt mit einem Spezialfahrzeug sämtliche Weiden, Pappeln und Büsche aus dem Weg, damit auf dem Gelände einer zurückgebauten Behelfsstraße die Entlastungsstrecke für Langsdorf gebaut werden kann. Rund 740 Meter soll die Trasse lang sein. Minister Pegel hatte die Kosten im Januar auf etwa 15 Millionen Euro geschätzt.

„Nachts wird nicht kontrolliert, die Autos brettern“

Beim Langsdorfer Landwirt Ingo Stoll (58) sorgt die Baumaktion für helle Aufregung. Seine gepachteten Weideflächen grenzen an die künftige Umleitung. Mehrfach habe er beim Amt im Vorfeld um einen Bauzaun gebeten, sagt er. Stattdessen hätten die Baufahrzeuge Weidezäune platt gefahren. „Wer zahlt mir das?“ Glücklicherweise waren seine Rinder zu der Zeit woanders. „Wenn die weggelaufen wären, hätten wir die vielleicht nicht wieder eingefangen bekommen“, ärgert er sich. Zum Verkehr im Ort sagt er nur: „Nachts wird nicht kontrolliert, die Autos brettern, statt mit 30, mit 80 km/h am Haus vorbei, da fällt man aus dem Bett. Das ist nicht mehr normal.“

Hier kommt der nächste Blitzer hin

Im benachbarten Böhlendorf gibt es offenbar ähnliche Probleme. Tempo 30 dürfen die umgeleiteten Autos dort fahren. Am Donnerstag gab es Mess-Aktivitäten auf der Strecke in Richtung Rostock. Dort wird bald ein Blitzer aufgestellt, berichtet Bürgermeister Kolschewski. Damit die Einwohner mehr Ruhe haben.

 Virginie Wolfram

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