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Rügen „Ahoi“ wackelt: Krisensitzung zum Fortbestand
Vorpommern Rügen „Ahoi“ wackelt: Krisensitzung zum Fortbestand
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00:00 29.08.2018
Der Selliner Seepark ist seit 1999 Standort eines Erlebnis- und Spaßbades. Als „Nemo – die Wasserwelt“ wurde es eröffnet und nach der Insolvenz 2001 als „Inselparadies“ wiedereröffnet. Seit 2016 heißt es „Ahoi! Rügen“. Quelle: Foto: Wbk
Sellin

Der super Sommer – für das Ahoi Rügen war er ein Schlag ins Kontor, weil die Gäste ausblieben. Da es so heiß war, seien nur 250 Besucher am Tag im Bad gewesen, informierte Sellins Bürgermeister Reinhard Liedtke. Ausverkauft ist das Bad mit rund 1500 Besuchern. Liquiditätsprobleme waren die Folge – und die Gesellschafter aufgescheucht: Krisensitzung zum Fortbestand des Bades. Bei der waren auch Vertreter des Kreises dabei.

Wir haben noch den Übergangszustand, was auf Dauer eigentlich nicht gewollt war. Karsten Schneider Binzer Bürgermeister
Wenn der Sommer mal nicht so gut ist, brauchen wir das Bad. Wir müssen alle daran arbeiten. Mana Peter Geschäftsführerin Tourismuszentrale
Die Gesellschafter haben sich geeinigt, dass das Betreibermodell erst einmal so bleibt. Reinhard Liedtke Selliner Bürgermeister

Es war eine emotionale Debatte darum, wie ein tragfähiges Zukunftskonzept aussehen kann. Badbetreiber ist die Ahoi Rügen Bade- und Erlebniswelt GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der Tourismuszentrale Rügen (TZR) ist. Deren Gesellschafter wiederum sind die Gemeinden Sellin, Binz, Baabe, Göhren, Putbus und Sassnitz.

4419 Euro im Monat an Pacht zahlt die kommunale Betreibergesellschaft an die Gemeinde Sellin. Dies zu erwirtschaften, habe bisher immer geklappt, so Liedtke. Die letzten beiden Jahre waren erfolgreich mit Überschüssen von 10000 Euro sowie 30000 Euro, die sofort investiert wurden.

Rückblick: Die Ahoi Rügen Bade- und Erlebniswelt GmbH ist seit dem 1. Januar 2016 Betreiber des Selliner Bades. Sie wurde Ende Dezember 2015 kurzfristig aus der Not gegründet, weil das zuvor unter dem Namen „Inselparadies“ geführte Bad vor dem Aus stand. Der Betreiber seinerzeit, die NFB Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft mbH aus Hamm, hatte die Schließung angekündigt, und dies mit seit Jahren steigenden Kosten und sinkenden Besucherzahlen begründet. Die TZR mit ihren Gemeinden sprang ein.

Diese Entscheidung stieß damals nicht überall auf Wohlwollen in den politischen Gremien der Nachbargemeinden. Vor allem in Binz fühlte man sich überrumpelt. Zwischenzeitlich hieß es hinter vorgehaltener Hand, dass das größte Ostseebad der Insel sich zurückziehen wolle.

„Das stimmt so nicht“, dementiert Karsten Schneider. Der Binzer Bürgermeister war es aber, der die Gesellschafterversammlung einberief. Er hatte vor ein paar Wochen allen Gesellschaftern einen Brief geschrieben, mit der Frage, wie die Finanzierung und Betreibung des Bades langfristig solide gestaltet werden soll. 2015 sei die Ahoi- GmbH als Übergangsvariante aus der Taufe gehoben worden mit der Prämisse, nach anderen Lösungen zu suchen. „Aber wir haben immer noch diesen Übergangszustand, was auf Dauer eigentlich nicht gewollt war. Das muss man diskutieren“, so Schneider. „Wir machen etwas, was durch den Gesellschaftervertrag nicht abgedeckt ist“, verweist er auf eine erweiterte Geschäftsaufgabe mit der Betreibung des Spaßbades.

Diese wollte die Gemeinde Sellin, die Badgebäude samt Grundstück für 1,4 Millionen Euro gekauft hatte, ursprünglich allein übernehmen. Doch der Landkreis blockte, weil das Risiko für das Ostseebad allein zu hoch sei. Zudem könne Sellin es sich mit seinem Minus-Etat haushaltstechnisch gar nicht leisten. „Also blieb nur die kommunale Betreibergesellschaft als Rechtsform übrig. Der Landrat hatte damals den Schulterschluss der Gemeinde gelobt“, erinnert Liedtke. Die Gemeinden hätten bisher weder eine Bürgschaft leisten müssen, noch finanzielle Zuschüsse, also kein Risiko gehabt. Liedtke räumt aber ein, dass das Konstrukt ein Notnagel sein sollte und die Auflage galt, sich nach einer endgültigen Gesellschafterform umzusehen – denn potentielle neue Mitglieder-Gemeinden der TZR sollten nicht abgeschreckt werden.

Alternativen wie eine selbstständige GmbH oder ein kommunaler Eigenbetrieb seien aber nicht machbar, sagt Reinhard Liedtke. Der Vorschlag, dass Sellin die Finanzierung allein über eine erhöhte Kurkarte von 5 Euro oder mehr stemmen könnte, sei absurd. Das beste Modell, das genehmigungstechnisch auch am einfachsten sei, wäre das jetzige.

Eine neue Gesellschafterstruktur zu finden, ist nun auch mit Aufgabe einer 175000 Euro teuren, von Architekten begleiteten Studie zur Entwicklung des Bades, die den Sanierungsaufwand und die Erhöhung der Attraktivität unter die Lupe nehmen soll. Diese fördert das Wirtschaftsministerium, das bereits den vorzeitigen Maßnahmebeginn genehmigt habe. Allein an dem Nachweis über die zu leistenden Eigenmittel von Sellin in Höhe von 54000 Euro hapert es . „Es werden noch verschiedene Varianten geprüft und unser Haushalt ist auch noch nicht bewilligt“, so Liedtke.

Es gehe darum, das Bad der Zukunft zu bauen. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass rund 700000 Euro notwendig seien, um das im Jahr 2000 eröffnete Bad flott zu machen. Neben einem Rutschpark ist ein Sportbecken mit vier bis sechs 25-Meter-Bahnen geplant. Dafür soll die Studie auch Fördermöglichkeiten ausloten.

Um eine Initialzündung zu geben, habe Sellin bereits kräftig investiert: Rund 85000 Euro flossen in ein Blockheizkraftwerk, ein neues Kassensystem, neue Fliesen, ein Marketingkonzept. Auch das gastronomische Angebot wurde umgestellt. Diese Investitionen hätten sich nicht auf die Pachthöhe ausgewirkt, so Liedtke. Jetzt wurde ein neues Geschäftsfeld eröffnet: Das Ahoi liefert das Mittagessen für die CJD Schule in Sellin.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werden in den jeweiligen Gemeinderäten ausgewertet. Die Kommunen als Gesellschafter entscheiden dann, welchen Vorschlägen sie folgen. Bis dahin bleibt das Betreibermodell wie gehabt, einigten sich die Gemeinden.

„Wenn der Sommer mal nicht so gut ist, brauchen wir das Bad auf der Insel. Wir müssen alle daran arbeiten“, sprach sich TZR-Geschäftsführerin Mana Peter auf der Sitzung des Amtsausschusses Mönchgut-Granitz am Montagabend für das Konzept aus.

Seit der Neustrukturierung 2015 wird die TZR Gesellschaft für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit mbH von den sechs Gemeinden getragen. Ihre Hauptaufgabe ist die gemeinschaftliche Förderung und strategische Entwicklung des Tourismus für die gesamte Insel.

Gerit Herold

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