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Rügen „Aktionäre“ pflanzten Klimawald
Vorpommern Rügen „Aktionäre“ pflanzten Klimawald
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00:00 23.10.2017
Beim Wachsen binden die Bäume Kohlendioxid.Ricarada Pries, Forstamtsleiterin
Hagen

Dylan hat schwer zu schleppen. Der Achtjährige hat sich ein großes Bündel dünner, fast unbelaubter Stöcker unter den Arm geklemmt. Nur die Wurzeln an den Enden verraten, dass es sich um junge Pflanzen handelt. Es sind Bäume, zweijährige Vogelkirschen. Die will der kleine Zinnowitzer auf Rügen in die Erde bringen. Hier in Hagen, am Rande der Stubnitz, soll ein neuer Wald entstehen. Dylan und viele andere Helfer haben ihn am Wochenende gepflanzt.

Über 2000 Bäume und Sträucher wachsen auf ehemaliger Koppel in Hagen

Es ist ein ganz besonderer Wald: einer, der mit dem sich verändernden Klima zurechtkommt und gleichzeitig dem Klimawandel entgegenwirken soll. Vor zwei Jahren wurden auf der ehemaligen Pferdekoppel am Rande des Nationalparks Jasmund die ersten Bäume in die Erde gebracht, unter anderem Eichen und Linden. Nach einer weiteren Pflanzaktion 2016 und der am vergangenen Wochenende ist die Aufforstung auf dieser 1,07 Hektar großen Fläche in Hagen abgeschlossen. Jetzt soll der Klimawald wachsen.

Und dabei die Luft „säubern“, ergänzt Rügens Forstamtsleiterin Ricarda Pries. „Beim Wachsen binden die Bäume das Kohlendioxid, das gasförmig in unserer Atmosphäre vorhanden ist“, erklärt sie. Dieses Treibhausgas, dessen steigende Konzentration Wissenschaftler mitverantwortlich für die Klimaveränderung machen, wird in den Wäldern sozusagen in eine feste Form umgewandelt und festgehalten. Doch Mecklenburg-Vorpommern gilt als waldarm. Aus diesem Grund hatten sich das Umweltministerium des Landes MV, die Landes-Forstverwaltung und der Tourismusverband des Landes vor zehn Jahren entschlossen, neue Flächen als so genannten Klimawälder aufzuforsten. Daran können sich seitdem Einwohner, Urlauber und Unternehmen direkt oder indirekt beteiligen – durch Hilfe beim Pflanzen oder den Erwerb einer Waldaktie. Letztere kostet zehn Euro pro Stück für fünf Quadratmeter Klimawald. Daraus finanzieren sich Erst-Aufforstungen und Pflege der jungen Wälder.

Für diesen Umweltgedanken lassen sich nicht allein die Rüganer, sondern zunehmend auch die Rügen-Urlauber begeistern, sagt die Forstamtsleiterin. „Zehn Quadratmeter Wald – das entspricht zwei Waldaktien – absorbieren soviel Kohlendioxid, wie eine vierköpfige Familie bei einem zweiwöchigen Urlaub freisetzt.“ In dieser Rechnung sind An- und Abreise von 500 Kilometern berücksichtigt.

Einen weiten Weg hat auch Romy Falk zurückgelegt. Sie ist mit ihrer Familie aus dem Spreewald angereist und steht in ihrem Urlaub mit den Schuhen in der Modder, um Bäume zu pflanzen. Sie geht systematisch vor, steckt die jungen Bäumchen in die vorbereiteten Löcher, kratzt etwas Erde auf die Wurzeln bevor ihre Tochter das Pflanzloch zur Gänze verfüllt und den Boden leicht festtritt. Nein, bekennt sie lachend, sie mache das nicht zum ersten Mal. „Wir waren schon im vergangenen Jahr dabei.“ Zum dritten Mal in Folge machen sie im Herbst Urlaub auf Rügen und treffen sich hier mit Verwandten von Usedom. Damals, 2015, waren sie während des Marktes am Naturerbezentrum Prora im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche auf das Projekt mit den Waldaktien gestoßen und hatten die ersten erworben. Im vergangenen Jahr waren sie dann beim Pflanzen in Hagen aktiv dabei. „Wir finden die Idee einfach toll“, sagt die Brandenburgerin. „Zeitlich passte es bislang immer so, dass wir gerade zur Nachhaltigkeitswoche hier im Urlaub waren.“

Im kommenden Jahr werden die Falks und ihre Verwandten nicht selbst anpacken können: Die Rügener Nachhaltigkeitswoche findet dann außerhalb der in Brandenburg geltenden Ferienzeiten statt. Aber sie können nach „ihren“ Bäumen sehen und sich finanziell am Entstehen des nächstes Klimawaldes auf Rügen beteiligen. „Dafür haben wir eine Fläche in der Nähe von Sehlen vorgesehen“, sagt Ricarda Pries.

Auch dieses Areal soll über mehrere Jahre hinweg aufgeforstet werden – zum Wohle der Landschaft und der Luft.

Zehn Euro für Aufforstung auf fünf Quadratmetern

1200 Vogelkirschen wurden am vergangenen Wochenende in dem 1,07 Hektar großen Klimawald bei Hagen gepflanzt. Dazu kamen außerdem 300 Flatter-Ulmen, 200 Wildobst-Bäume, 100 Erlen und mehr als 400 Sträucher.

Lediglich 17 Prozent der Flächen Rügens sind mit Wald bewachsen. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 32 Prozent. Die Insel gilt – wie ganz MV – als waldarm. Erstaufforstungen sind relativ selten und fast alle anderen Pflanzmaßnahmen im Wald Ausgleichsmaßnahmen.

Der erste Klimawald des Landes wurde 2007 bei Neustrelitz angelegt. Ein Jahr später begannen die Pflanzungen in Rügens erstem Klimawald bei Glowe. Der bei Hagen entstand ab 2015.

Zehn Euro kostet eine Waldaktie. Das Geld reicht für Kauf, Pflanzung und Pflege von fünf Quadratmetern Klimawald.

Info: www.waldaktie.de

Maik Trettin

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