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Als Schutzengel Leben retten

Stralsund Als Schutzengel Leben retten

12500 Mädchen tragen dazu bei, dass es weniger junge Verkehrstote im Landkreis gibt

Stralsund. Ein Fall für die Schutzengel: Der Kumpel hat bei einem Diskobesuch zu tief ins Glas geschaut und will trotzdem noch Autofahren. Da heißt es, einzugreifen, um Schlimmes zu verhindern. Insgesamt gibt es im Kreis Vorpommern-Rügen etwa 12500 Schutzengel. Das sind Mädchen zwischen 16 und 25 Jahren, die versuchen, Verkehrsunfälle zu verhindern, indem sie verantwortungsbewusst handeln.

„Das beginnt damit, im Vorfeld eines Diskobesuchs darauf zu bestehen, dass geklärt wird, wer fährt — und derjenige darf dann auch nichts trinken“, erklärt Hauptkommissar Frank Frommberger. „Oder sie versuchen, Einfluss auf alkoholisierte junge Leute zu nehmen, die sich hinters Steuer setzen wollen.“ Im Jahr 2008 war Frommberger mit dabei, als das Projekt Schutzengel aus der Taufe gehoben wurde.

„Ausgangspunkt war die hohe Zahl Verkehrstoter in der Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen“, erinnert sich der Polizist. „Dagegen mussten wir irgendetwas tun und wurden auf dieses Projekt aufmerksam, das es zuvor schon in Niedersachsen gab.“

Bis zum Jahr 2010 gab es die Schutzengel nur in Nordvorpommern, dann stieg auch die Hansestadt ins Projekt mit ein, das schnell von Erfolg gekrönt war. „Im Jahr 2013 gab es zwei Tote, 2014 nicht einen und 2015 vier in dieser Altersgruppe. Wir sehen einen Grund für die sinkenden Zahlen darin, dass die Mädchen als Schutzengel für das Thema Alkohol am Steuer sensibilisiert sind und auf die Jungs positiv einwirken können.“ Alle 16-Jährigen des Landkreises — in diesem Jahr sind es 600 — erhalten automatisch einen Schutzengel-Pass. „Das ist das Gießkannenprinzip“, erklärt Frommberger.

„Wenn von den angesprochenen Mädchen zehn Prozent tatsächlich aktiv werden, ist das ein Erfolg.“

Mandy Paulinius gehört zu den neuen Schutzengeln. „Es ist etwas Besonderes, dass ich nun ein Schutzengel bin“, sagt die 15-Jährige. Und die 16-jährige Nele Yilmaz fügt an, dass es für sie vor allem bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Um einen besseren Überblick zu bekommen, können die Schutzengel verschiedene Veranstaltungen zu besuchen. So gab etwa am Donnerstag Dr. Bertram Möller von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Helios Hanseklinikums einen Einblick in die Gefahren und Wirkung des Alkohols. Der Mediziner zeigte sich von dem Projekt beeindruckt: „Toll, dass es das gibt, und gut, dass ihr diese Verantwortung auf euch nehmt.“ Und er machte deutlich: „Wer getrunken hat, gehört nicht hinters Steuer.“ Außerdem können mehrmals im Jahr Fahr-und Sicherheitstrainings besucht werden, gibt es die Chance, an Alkohol- und Drogenkontrollen der Polizei teilzunehmen. „Und nicht zu vergessen: unsere Danke-Partys für die Engel, die mittlerweile an drei Standorten stattfinden“, sagt Frommberger. Damit auch alle Engel des Landkreises feiern können, werden Strandpartys in Zingst, Sellin und Stralsund organisiert. „Wir haben da zum Glück viele Partner, die uns unterstützen und das in die Hand nehmen.“

Von Miriam Weber

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