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Als der erste Badegast ins Fischerdorf kam

Sellin Als der erste Badegast ins Fischerdorf kam

Sellin feiert im Juli „150 Jahre Badeleben“ mit buntem Straßenfest und großem Umzug / Im Mai erscheint das Buch zum Jubiläum

Sellin. Im Jahre 1866 besuchte der Berliner Schriftsteller Arnold Wellmer das erste Mal Sellin. Da war dieses Stückchen Erde ein verschlafenes Dörfchen mit Fischern und Bauern.

Dennoch: Der Gast war angetan von diesem Landstrich, den er aus seiner Jugend in Stralsund kannte, und kam bis 1869 jedes Jahr nach Sellin. „Er hat das Badedörfchen Sellin entdeckt und darüber berichtet“, weiß Ortschronist Gerhard Parchow. Wellmer gilt als erster Badegast in Sellin und somit als Beginn des Badelebens. Das war vor 150 Jahren. Dieses Jubiläum wollen die Selliner im Sommer groß feiern. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange.

„Wir haben vor 14 Tagen erst losgelegt und sind schon gut in Fahrt“, befand Achim Kreß, Vorsitzender des Tourismus-Ausschusses der Gemeindevertretung, auf dessen Sitzung am Dienstag dieser Woche.

Bisher habe sich die extra gebildete Arbeitsgruppe zwei Mal getroffen. „Die Resonanz ist sehr gut“, so Kreß. Die Gewerbetreibenden aus der Wilhelmstraße sowie auch aus dem Ort wollen sich mit einbringen. „Es können sich gerne noch weitere bei uns melden“, so Kurdirektorin Adriana Zawisza. Das Programm beginnt am Mittwoch vor dem traditionellen Seebrückenfest-Wochenende vom 22. bis 24.

Juli. Die Wilhelmstraße soll dabei eine bunte Partymeile werden, die von einheimischen Gastronomen und Unternehmen gestaltet wird. Daneben werden fünf sogenannte Hotshots entlang der Hauptmagistrale aufgebaut. Das werden Bühnenpodeste sein, auf denen am Mittwoch- und am Donnerstagabend insgesamt zehn verschiedene Live-Musik-Auftritte zu erleben sind — von Maritim über Jazz und Swing bis Pop. In Höhe der Bücherstube sollen Kinder mit verschiedenen Angeboten voll auf ihre Kosten kommen. Am Seebrückenvorplatz wird der Antenne-MV-Showtruck stehen. „Dort wird auch ein Stargast auftreten, den wir noch nicht verraten“ kündigte Adriana Zawisza an. Die Wilhelmstraße wird in dieser Zeit (ab Kreuzung Luftbadstraße) parkfreie Zone und gesperrt, also nur für Rettungsfahrzeuge, Liefer- und Anliegerverkehr frei sein. Am Freitag findet ein großer Festumzug statt, der eine Zeitreise in die Historie des Ortes abbildet und für den noch Freiwillige gesucht werden, die in Kostüme schlüpfen.

Start ist an der Feuerwehr, Ziel die obere Wilhelmstraße. Dort wird nach Männlein und Weiblein getrennt. Die Frauen gehen wie — vor über 100 Jahren üblich — ins Damenbad und die Männer ins Herrenbad am Strand.

Wie 1866 alles begann, was die ersten Gäste über Sellin berichteten und sich das Badeleben und der Ort entwickelten, hat Ortschronist Gerhard Parchow auf 200 Seiten zusammengetragen im Buch „Vom Badedörfchen zum Ostseebad“. Dieses soll im Mai in einer Auflage von 2500 Stück erscheinen.

Von Gerit Herold

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