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Alter Speicher wird entrümpelt: Entstehen soll ein Ärztehaus

Stralsund Alter Speicher wird entrümpelt: Entstehen soll ein Ärztehaus

Der denkmalgeschützte Bau wurde im Jahr 1863 errichtet / Die Firma Lange produzierte dort Säcke und Planen und belieferte auch deutsche Kolonien

Stralsund. Der historische Speicher in der Böttcherstraße 34 in Stralsund gehört zu den Häusern in der Stadt, um die sich schier endlose Sanierungsabsichten zu ranken scheinen. Eigentlich sollte der Bau bereits im vergangenen Jahr fertig gestellt sein. So hatte es die Jenaer Immobilienfirma König zumindest in einem Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG im Jahr 2013 angekündigt.

 

OZ-Bild

Der denkmalgeschützte Speicher in der Stralsunder Böttcherstraße 34 soll zu einem Ärztehaus umgebaut werden.

Quelle: Marlies Walther

Das Gebäude wird zunächst nur entrümpelt. Die Bauarbeiten gehen nicht kontiniuierlich weiter.“Holger Ehmke, Architekt

Doch der riesige Backsteinbau, der auf der Denkmalliste der Hansestadt Platz Nummer 122 einnimmt, steht weiter leer, obwohl selbst Kathrin König bereits vor drei Jahren eingestanden hatte, dass ein Objekt nicht besser wird, „wenn viele Jahre nichts passiert“.

Baufahrzeuge, die jetzt vorfuhren, ließen vermuten, dass sich nun etwas tut. Auf die Anfrage unserer Zeitung teilte der nunmehr zuständige Architekt Holger Ehmke vom Greifswalder Büro Drebing Ehmke, das auch den Komplex Heilgeiststraße 15 und 15a betreut, mit: „Das Gebäude wird zunächst nur entrümpelt. Die Bauarbeiten gehen nicht kontiniuierlich weiter.“ An den Plänen, das Gebäude aus dem 19.

Jahrhundert in ein Ärztehaus zu verwandeln, hält die Jenaer Firma offenbar fest. „Ja, es wird ein Ärztehaus mit OP-Saal“, bestätigte in dieser Woche eine Mitarbeiterin am Telefon. Zu genauen Kosten und zum Zeitablauf könne sie aber keine Auskünfte geben.

Vor drei Jahren hatte Kathrin König von dem gleichnamigen Immobilienunternehmen angekündigt, dass 5,5 Millionen Euro in den Umbau des denkmalgeschützten Bauwerks fließen sollen. Das Geld stamme von Anlegern beziehungsweise den neuen Eigentümern. Die Gesamtnutzfläche auf fünf Etagen beträgt 2000 Quadratmeter. Auf dem Innenhof gibt es Möglichkeiten für Patientenparkplätze.

„Wir sind auf historische Gebäude spezialisiert und wollen den Speicher wieder aufblühen lassen. Mit einem neuen Nutzungskonzept“, hatte Kathrin König versichert. Vorgesehen seien vier bis fünf Arztpraxen. Damals war die Rede davon, dass die Immobilie bereits „weitestgehend“ vergeben sei. Um welche Mediziner es sich konkret handelte, wollte die Firmenchefin allerdings nicht sagen und bleibt bis heute zurückhaltend.

Der ambulante Operationssaal soll, wenn sich die Pläne nicht geändert haben, im Erdgeschoss entstehen. Außerdem sind zumindest nach den Ursprungsplänen im Dachgeschoss zwei Penthouse-Wohnungen vorgesehen. Der Speicher Böttcherstraße ist mit Stralsunds Geschichte eng verbunden. Diente er doch als Lager und Umschlagsplatz für Waren, die im In- und Ausland geschätzt wurden. Im Volksmund wurde der Besitzer als Sack-Lange bezeichnet. Denn das Gebäude war 1899 in den Besitz der Firma Carl Lange gelangt, die zunächst in der Heilgeiststraße 15 mit Tapeten, Zimmerdekoration und Herrengarderobe gehandelt hatte, wie Stadthistoriker Dr. Andreas Neumerkel berichtet. 1876 wurde die Produktion auf die Herstellung von Säcken und wasserdichten Planen umgestellt. Selbst deutsche Kolonien wurden mit Säcken, Planen und Decken des Stralsunder Unternehmens versorgt.

Zu DDR-Zeiten stellte die Firma Plakotex in den Räumen Camping-Zelte her. Im Speicher standen die Nähmaschinen. Die Entstehung des Getreidespeichers reicht in das Jahr 1863 zurück. Braualtermann Johann Musculus hatte die Garten-Fläche in der Böttcherstraße, auf der 34 Obstbäume standen, bereits 1844 erworben.

Sein Sohn Friedrich war es schließlich, der auf dem Areal das Gebäude errichtete, so wie es noch heute steht.

Marlies Walther

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