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Altes Pflegeheim steht zum Verkauf

Stralsund Altes Pflegeheim steht zum Verkauf

Für ein Mindestangebot von 350 000 Euro möchte Stralsund das Haus verkaufen.

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Der Schriftzug weist darauf hin, dass das Pflegeheim einst den Namen der ersten deutschen Ärztin trug.

Stralsund. Es bietet keinen schönen Anblick, das Gelände um das ehemalige Pflegeheim „Franziska Tiburtius“ in der Kedingshäger Straße 92 bis 96. Und es ist wahrlich kein Aushängeschild in Sachen Erinnerung an die erste deutsche promovierte Ärztin, die mit Stralsund eng verbunden ist.

Ein Schriftzug weist darauf hin, dass sich hier einmal ein Heim befand, das den Namen der Medizinerin trug. Der Bau macht einen verwahrlosten Eindruck. Darauf wiesen uns Leser hin. Wir gaben die Frage, wie es mit dem Haus weitergehen soll, an die Pressestelle der Stadtverwaltung weiter.

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Der Schriftzug weist darauf hin, dass das Pflegeheim einst den Namen der ersten deutschen Ärztin trug.

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Der Plattenbau, in dem viele Jahre das Pflegeheim der Wohlfahrtseinrichtungen untergebracht war, befindet sich im Eigentum der Hansestadt, wie Pressesprecher Peter Koslik bestätigte. Um „äußerlich das Bild zu verbessern“, so Koslik, wurde in der vergangenen Woche die Außenanlage gereinigt.

„Ein Urwald war nichts dagegen“, sagt ein Mieter aus dem Block gegenüber. Bis vor kurzem habe hier noch das Laub vom Herbst gelegen und sei auf die andere Straßenseite geweht. Auch Irmgard Grams (64), die von ihrem Balkon direkt auf das alte Pflegeheim schaut, wünscht sich, dass hier endlich wieder Ordnung einzieht.

Das 2610 Quadratmeter große Grundstück samt Bebauung mit dem leer stehenden Mehrgeschosser ist zum Verkauf ausgeschrieben. Die Nutzfläche beträgt etwa 1900 Quadratmeter. Das Mindestangebot für den Kauf liegt nach Auskunft der Stadt bei 350 000 Euro.

Die Angebote sind bis 30. September in der Abteilung Liegenschaften einzureichen. Die Stadt will zum Höchstpreis verkaufen. Sie ist aber „nicht verpflichtet, mit dem Anbieter des höchsten Gebotes oder mit irgendeinem Anbieter den Kaufvertrag abzuschließen“, heißt es in der Ausschreibung. Erste Verhandlungen seien mit einem Unternehmer aus Rostock geführt worden, der eine Wohnbebauung plant. Was mit dem Schriftzug geschieht, der an die Medizinerin erinnert, ist noch nicht geklärt. Die Verwaltung werde bei einem Eigentümerwechsel mit dem Besitzer über den Umgang sprechen, sagt Koslik.

Franziska Tiburtius (1843-1927) galt als Kämpferin für das Frauenstudium. Sie wurde als Pächterstochter auf Rügen geboren und absolvierte in Stralsund eine private Mädchenschule. Zunächst arbeitete sie als Erzieherin und Lehrerin, entschloss sich dann aber, Medizin zu studieren. Das war außergewöhnlich für ihre Zeit. Denn in Deutschland herrschte Studierverbot für Frauen. Deshalb ging Franziska Tiburtius nach Zürich. Die Schweiz öffnete ihre Unis nicht nur für Frauen, sondern bot ihnen auch das Promotionsrecht an.

1871 begann die junge Frau ihr Medizinstudium und wurde 1876 zum Doktor promoviert. Anschließend ging sie für sechs Wochen zu ihrer Mutter nach Rambin. Die Rambiner hätten sie am liebsten als Gemeindeärztin behalten.

Doch ihre medizinische Karriere führte sie über Leipzig und Dresden nach Berlin, wo sie mit einer Studienkollegin eine eigene Praxis eröffnete. Das brachte ihr viele öffentliche Anfeindungen und Vorbehalte der männlichen Kollegen ein. Sie durfte zwar praktizieren, musste sich aber als „Dr. med. in Zürich“ ausweisen und galt damit als Heilpraktikerin. Der Titel Arzt wurde ihr nicht zugestanden.

Das alles hielt Franziska Tiburtius nicht davon ab, 1908 die Chirurgische Klinik weiblicher Ärzte zu eröffnen. Hier wurden vor allem Frauen aufgenommen, die in keiner Krankenkasse waren. Besonders Bedürftige mussten für die Medikamente nichts bezahlen.

Die Ärztin mit den norddeutschen Wurzeln setzte sich für die Frauenbewegung und die Aufhebung des Studienverbotes in Deutschland ein. Ab 1908 wurden Frauen als Studentinnen an preußischen Universitäten in der Medizin aufgenommen und ab 1914 zur Approbation zugelassen.

Nach ihrem Ruhestand hat Franziska Tiburtius unter anderem Amerika, Nordafrika und Europa bereist. Sie starb 1927 in Berlin. Ihre Urne wurde in der Familiengruft auf dem Stralsunder St.

JürgenFriedhof beigesetzt. Das Grab existiert noch heute.

Medaille wurde 1987 gestiftet
Das Andenken an die prominente Ärztin wird außerdem in Stralsund mit der Franziska-Tiburtius-Straße bewahrt.


Das Klinikum am Sund stiftete 1987 eine Medaille.


Der Philatelisten-Verein Stralsund gab 2002 anlässlich des 75. Todestages der Medizinerin einen Gedenkumschlag heraus.


Mehr aus dem Leben der Tiburtius

erfährt man in ihrer Autobiografie

„Erinnerungen einer Achtzigjährigen“, die 1923 herauskam. Darin berichtet sie unter anderem auch von ihrer

Kindheit auf Rügen.

 

Marlies Walther

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