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Rügen An B 96 fallen die letzten Alleebäume
Vorpommern Rügen An B 96 fallen die letzten Alleebäume
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00:00 17.02.2017
Auch dieser alte Baum, der nicht unmittelbar an der Straße stand, musste für Rügens künftige Infrastruktur weichen. Quelle: Foto: Uwe Driest
Strüssendorf

Wieder fallen Bäume entlang der Bundesstraße 96. In dieser Woche haben Arbeiter etwa 40 Bäume beiderseits der Straße nördlich von Jarnitz gefällt. Dort wird ein Abzweig größer gestaltet, um den dahinter rollenden Verkehr nicht stocken zu lassen.

Sie müssen einem umstrittenen Straßenbauprojekt zwischen Strüssendorf und Jarnitz weichen

Umstritten

1994 fand die erste Demonstration in der Allee zwischen Strüssendorf und Ralswiek statt. Umweltschützer sammelten über 10000 Unterschriften gegen die Baumfällungen und erreichten, dass ein Planfeststellungsverfahren eröffnet wurde.

2000 Unterschriften wurden 2011 an Umweltminister Till Backhaus überreicht und 2012 rund 5200 an Ministerpräsident Sellering.

Ausgeführt haben das Vorhaben Arbeiter des Sägewerks Schlömer aus dem niedersächsischen Goldenstedt. Die Zehntausend-Einwohner-Gemeinde führt in ihrem Wappen sinnfällig eine Axt. „Wir haben zwei Tage für die Fällarbeiten gebraucht und müssen nun noch den Graben beräumen“, sagt Inhaber Stephan Schlömer, der das Sägewerk in dritter Generation führt und bereits mehrfach auf Rügen tätig war.

Der Wert der Bäume geht in das Angebot ein, mit dem er sich auf die Ausschreibung bewarb.

Der Abzweig Jarnitz bekommt eine Spur für die Linksabbieger, die sich dort bislang vor allem zur Saison der Störtebeker-Festspiele stauen. An den Abzweigen sowie in den Kurvenbereichen gilt weiterhin das Überholverbot und auch künftig Tempo 80. Lediglich auf einem kleinen Abschnitt wird nach dem Ausbau Tempo 100 erlaubt sein. Das Bild der jetzigen Allee wird sich mit dem Ausbau gründlich ändern. Die Baumreihe zwischen dem Radweg und der Straße wird verschwinden – und damit die alten Alleebäume.

Zwischen Planern und Umweltverbänden war die Zukunft der Bäume umstritten. Gegner des Straßenbaus hatten vor fünf Jahren 5000 Unterschriften zum Erhalt der Allee gesammelt und alternative Konzepte vorgelegt. Die Entscheidung fiel ungeachtet dessen zugunsten der nun begonnenen Lösung aus. Katharina Brückmann, Alleenschutzexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, hatte seinerzeit moniert, dass die Umweltverbände „relativ spät von den laufenden Planungen erfahren“ hätten. Die Verbände erreichten ein zweites Planverfahren und damit Veränderungen beispielsweise beim Profil der Straße. So war ursprünglich vorgesehen, das durch die breitere Straße vermehrt anfallende Regenwasser durch entsprechend breitere und tiefere Gräben ablaufen zu lassen. Dabei aber wäre das Wurzelwerk der Bäume beschädigt worden. Die neue Planung sah vor, das Wasser durch eine veränderte Neigung der Fahrbahn in beide Richtungen abfließen zu lassen.

Mit dem Vorhaben beschäftigt sich das Straßenbauamt schon seit der Wende. Der rund 2,8 Kilometer lange Abschnitt entspreche nicht den Straßen-Normen, sei zu schmal und ein Unfallschwerpunkt, so die Argumentation. Dabei hätten sich die Planer auf über zehn Jahre alte Unfallzahlen gestützt, bemängeln die Kritiker. Neuere Zahlen mit geringeren Werten hätten keine Berücksichtigung gefunden. Die Piste gilt den Straßenbauern nach wie vor als unübersichtlich und gefährlich. Aus diesem Grund soll es unter anderem Leitplanken zwischen dem Fahrbahnrand und der verbleibenden Baumreihe geben.

Wann die Fällarbeiten am südlich von Jarnitz gelegenen Abschnitt beginnen, war vom Straßenbauamt gestern nicht zu erfahren. Gebaut werden soll in drei Abschnitten jeweils außerhalb der Hochsaison.

Mit welchem Abschnitt begonnen wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Sicher ist aber, dass sich Rüganer und ihre Gäste auf erhebliche Behinderungen und lange Umwege einstellen müssen: Während des Baus wird der jeweilige Abschnitt voll gesperrt. Der Verkehr soll großräumig über Bergen, Karow und Mukran umgeleitet werden. Dazu wurde bereits an der Kreuzung in Karow ein provisorischer Kreisverkehr eingerichtet.

Insgesamt sollen noch in diesem Jahr mehr als hundert Bäume im Bereich zwischen Strüssendorf und Ralswiek fallen, wenn die Bundesstraße 96 auch auf Höhe des alten preußischen Chausseehauses verbreitert wird. Auch während der Arbeiten wird der jeweilige Abschnitt voll gesperrt (die OZ berichtete).

Der Abschnitt zwischen Strüssendorf und Ralswiek ist das letzte Stück Allee am Rügener Teil der Bundesstraße. Dass es an dieser Stelle künftig keine typische Allee mit geschlossenem Kronendach mehr geben wird, könnte Till Backhaus (SPD) schmerzen. Der Umweltminister möchte den Alleenschutz stärken und Rügen zur Modellregion machen.

Uwe Driest und Maik Trettin

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