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Angehörige entsetzt über Baumfällungen auf Friedhof

Bergen Angehörige entsetzt über Baumfällungen auf Friedhof

Kirchengemeinde entnahm Fichten wegen drohender Gefahren

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Gisela Radloff trauert um die ehemalige Allee, die hinauf zur Kapelle des Neuen Friedhofs in Bergen-Süd führt.

Quelle: Foto: Uwe Driest

Bergen. Ungläubiges Entsetzen kehrte ein bei einigen Angehörigen, die die Gräber ihrer lieben Verstorbenen auf dem Neuen Friedhof in Bergen-Süd pflegen. Weil es traditionell üblich sei, nach dem Totensonntag, dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, nicht an den Gräbern zu arbeiten, war auch Brigitte Decker erst im neuen Jahr wieder auf dem Friedhof am Tilzower Weg gewesen. „Dabei musste ich sehen, dass zahlreiche Bäume, darunter die komplette Allee, die zur Kapelle führt, gefällt waren“, so Brigitte Decker. „Ich mag da gar nicht mehr hingehen“, sagt sie. Eine Bekannte hätte schon die Urne ihres Mannes umbetten wollen, aber das sei nicht erlaubt. Nun fürchtet Decker auch um die neben dem Grab ihres Mannes stehende Eiche. „Und obwohl die Fällungen jetzt schon mehrere Wochen her sind, sind die Wege, auf denen wohl schweres Gerät fuhr, noch immer nicht wieder instandgesetzt worden. Das ist gerade für uns ältere Menschen nicht ungefährlich.“

 

OZ-Bild

Vielleicht hätten wir besser informieren sollen. Tino Mehner Gemeinderat

Auch Gisela Radloff ist aufgebracht über den „Kahlschlag“. Gemeinsam mit einer Handvoll weiterer Angehöriger fragt sie: „Wer ist für den begangenen Frevel mit der radikalen Rodung der gesunden Bäume auf dem Neuen Friedhof in Bergen verantwortlich? Wie will man diesen nicht zu verstehenden Vorgang begründen? Mit schwerer Technik wurde die Totenruhe gestört, das Gelände schwer begehbar gemacht und als letzte Ruhestätte entweiht.“ Der gefällte Baumbestand habe Schutz vor Sturm und Sonne für die Gräber gebracht. Den dichten Wuchs zwischendurch zu reduzieren, hätte sie noch verstanden, „jedoch ist dieser radikale Vorgang unverzeihlich“. Gisela Radloff würde sich einen parkähnlichen Bewuchs nach dem Vorbild des Friedwalds von Pansevitz wünschen. Dort werde ausdrücklich der alte Baumbestand genutzt und gelte nicht als mögliche Gefahr. Der Neue Friedhof sei hingegen erst in den 1950er Jahren angelegt worden, die Bäume mithin jünger.

Bei den Bäumen auf dem Friedhof habe es sich um einen reinen Fichtenbestand gehandelt, der durch die Grünanlagen-Satzung der Stadt nicht geschützt würde, erklärt Matthias Bräse, in der städtischen Verwaltung für Grünanlagen zuständig, den Unterschied. Zudem seien die Bäume von einem Pilz befallen, der ihre Standsicherheit beeinträchtige. „Mit dem Problem hatten wir bereits in dem Wäldchen oberhalb des Friedhofs im Bereich von Kiebitzmoor und Birkenweg zu tun“, so Bräse. Auch dort hätten Nadelbäume entnommen werden müssen, wodurch zugleich der Schutz für die unterhalb stehenden Friedhofs-Fichten vor dem vorwiegend aus Richtung West-Süd-West blasenden Wind entfallen sei. Danach seien dann einige Fichten auf die Friedhofshalle gefallen.

Sechs oder sieben Bäume seien das gewesen, erzählt Hartmut Person. „Mir hat auch das Herz geblutet, aber als mir ein Baum beinahe in den Rücken gefallen wäre, konnte ich die Gefährdung nicht länger verantworten“, sagt der Friedhofsleiter der evangelischen Kirchengemeinde. „Die Bäume waren eindeutig sehr bedroht von Rotfäule. Dabei bleiben die Bäume grün, aber die Wurzeln werden weich und spröde“, erklärt er. Neben den Fichten wähnt er auch den Birkenbestand vom Borkenkäfer bedroht.

Wie es weitergeht auf dem Friedhof, steht noch nicht fest. Die Stubben sind schwer zu roden, was etwaige Neupflanzungen zusätzlich erschwere. Wenn es nach Gemeindevorstand Tino Mehner geht, „kommen zwischen die Gräber keine großen Bäume mehr“. Vielmehr plane die Gemeinde, Ausgleichsflächen vor dem Zaun außerhalb des Friedhofs anzubieten. „Dann könnten beispielsweise Bergener Grundstücksinhaber, die einen Baum fällen müssen, dort einen Baum pflanzen. Über all das hätte sich auch Jutta Dekarski zumindest eine bessere Unterrichtung gewünscht. „Vielleicht hätten wir etwas besser informieren können“, räumt Tino Mehner dazu ein.

Uwe Driest

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