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Rügen Angeklagter wünscht Todesstrafe für Tötung seiner Ehefrau
Vorpommern Rügen Angeklagter wünscht Todesstrafe für Tötung seiner Ehefrau
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10:00 17.05.2017
Ein Justizbeamter bringt am 15.05.2017 den Angeklagten Mohamad A. (l) in Fußfesseln zur Verhandlung in den Sitzungssaal des Landgerichts Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern). Dem Mann wird vorgeworfen, seine Frau in Bergen auf der Insel Rügen mit einem Messer erstochen zu haben. Quelle: Stefan Sauer
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Bergen

Er müsse die Tat wohl begangen haben, denn es sei ja niemand anderes in der Nähe gewesen, räumte Mohamad A. ein. An Einzelheiten der Tat könne er sich jedoch nicht erinnern. Der Syrer hatte im November vergangenen Jahres seine Ehefrau nach einem Streit mit einem Küchenmesser getötet (die OZ berichtete). Am Montag begann der Prozess wegen Totschlags vor der Strafkammer des Stralsunder Landgerichts.

Dem 54-jährige Angeklagten, der sich derzeit in Untersuchungshaft befindet, wird vorgeworfen, am 23. November seiner ebenfalls aus Syrien stammenden 41-jährige Ehefrau in der Wohnung der Familie im Bergener Wilhelm-Pieck-Ring acht Messerstichen in Brust und Bauch versetzt zu haben. Dabei seien Lunge und Leber verletzt worden, mit der Folge, dass sich das Opfer zwar ins Freie schleppen konnte, dort aber um 9.40 Uhr verstorben sei, „worauf es demAngeklagten als Folge seiner Tat angekommen war“, trug der Staatsanwalt vor.

Entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung erklärte sich Mohamad A. auf Anraten seines Pflichtverteidigers zu einer Aussage bereit. Die Familie war mit zwei ihrer insgesamt fünf Kinder im August 2014 aus Syrien über Libyen nach Deutschland eingereist. Einer der Söhne sei nach Syrien zurückgekehrt und dort umgekommen. Hier haber er zwar zu essen und zu trinken bekommen, sei aber wegen seiner Erkrankungen nicht behandelt worden, schildert Mohamad A. Zwar habe er sich an das Bergener Krankenhaus gewandt, eine Diagnose sei ihm jedoch nicht mitgeteilt worden.

Täter hatte das Gefühl, dass seine Frau ihn verlassen will

Eine Darstellung, welche durch die Befragung seiner Familienangehörigen nicht gedeckt werde, hielt ihm Richterin Birgit Lange-Klepsch entgegen. Vielmehr sei es immer wieder zum Streit über die gemeinsame Zukunft des Paares und der Familie gekommen, weswegen seine Frau ihn mit Unterstützung der Söhne zeitweilig der Wohnung verwiesen habe. In jener Zeit hat Mohamad A. offenbar auf der Straße geschlafen. Nachbarn fiel er auf, weil er tagelang auf einer Bank vor dem Haus gesessen habe und es observierte. „Die Familie wurde selbständiger und Sie waren nicht mehr der, der alles lenkte, darauf waren Sie eifersüchtig“, so die Richterin.

Ja, er habe das Gefühl gehabt, dass seine Frau ihn verlassen wollte, räumte der Angeklagte ein und betonte immer wieder, dass er in Syrien das Haus verkauft und alles aufgegeben habe. „Wenn meine Familie etwas macht, das ich nicht will, raste ich aus“, so A. Wenn er Kinder oder Ehefrau geschlagen habe, habe er sich gewünscht, dass ihn jemand davon abhält.

Am Tattag sei es erneut zum Streit über einen eventuellen Umzug der Frau gekommen, die auch die Kinder habe mitnehmen wollen, schildert der Angeklagte. Vor der Tat habe er zunächst gedroht, sich selber umzubringen, danach gehofft, von der Polizei erschossen zu werden und jetzt wünsche er sich die Todesstrafe. Eine Forderung, auf welche die souveräne Richterin genervt reagierte: „Wenn es in Deutschland die Todesstrafe gäbe, würde ich diesen Beruf nicht ausüben.“

Zeugin brauchte Betreuung

Beklemmend war die Situation auch für die als Zeugen auftretenden Nachbarn. Bei Wiebke Becker, die in Begleitung eines Betreuers vom Weißen Ring erschien, hatte A. nach der Tat geklingelt, damit sie Hilfe ruft. Die junge Mutter sah das Opfer an eine Wand gelehnt im oberen Sockwerk stehen, schlug die Tür zu und rief die Polizei.

Die verletzte Frau schleppte sich auf die Straße und als Wiebke Becker aus dem Fenster sah, hatte sie Blickkontakt zu der sterbenden Frau, die noch einmal die Hand gehoben habe. Der Angeklagte sei „um sie herumgetänzelt“, berichten andere Zeugen. „Man hatte den Eindruck, dass keiner helfen soll.“ Beim Eintreffen der Polizei habe er sich aber widerstandslos festnehmen lassen.

Bisher sind insgesamt vier Prozesstermine festgesetzt, zu denen 16 Zeugen und zwei Sachverständige geladen sind. Bei einer Verurteilung wegen Totschlags erwartet den Angeklagten eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

Uwe Driest

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