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Rügen Anschlag mit ätzender Substanz auf Arndt-Haus
Vorpommern Rügen Anschlag mit ätzender Substanz auf Arndt-Haus
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00:05 18.05.2017
Das Geburtshaus von Ernst-Moritz-Arndt In Groß Schoritz. Quelle: Foto: Uwe Driest
Groß Schoritz/Greifswald

Anschlag mit ätzender Substanz auf das Geburtshaus von Ernst Moritz Arndt in Groß Schoritz: Wie eine Sprecherin der Polizei in Stralsund am Mittwoch der OSTSEE-ZEITUNG mitteilte, hat es am Sonnabend mehrere leicht verletzte Personen bei einer Mitgliederversammlung der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft gegeben. Etliche Teilnehmer der Veranstaltung haben über eine Reizung der Atemwege und der Schleimhäute geklagt. Die Tagung fand dennoch statt. Die Polizei lässt die Substanz jetzt untersuchen.

Solche Art des politischen Diskurses ist absolut un- angemessen, feige und hat in einer Demokratie nichts zu suchen.Egbert Liskow (CDU), Landtagsabgeordneter

Erst Anfang der Woche war bei der Rügener Polizei eine entsprechende Anzeige wegen Körperverletzung eingegangen. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft Stralsund gestern. Bei Ermittlungen am Dienstag konnte die Polizei im Arndt-Geburtshaus eine verdächtige Substanz mit einem ätzenden Geruch sicherstellen. Diese ist für weitere Untersuchungen in ein Labor geschickt worden. Ob der Angriff politisch motiviert war, ist bislang unklar. Die weiteren Ermittlungen hat die Kriminalpolizei in Bergen übernommen.

Die 25. Mitgliederversammlung der Arndt-Gesellschaft ist mit einem öffentlichen Vortrag von Prof. Walter Werbeck und der Opernsängerin Doris Hädrich-Eichhorn begleitet worden. Ihr Beitrag beschäftigte sich mit der Vertonung von Arndts Gedicht „Was ist des Deutschen Vaterland?“. Daran versucht hatten sich auch Carl Friedrich Zelter und Franz Liszt.

Der Greifswalder Landtagsabgeordnete Egbert Liskow (CDU) verurteilte den Vorfall. „Solche Art des politischen Diskurses ist absolut unangemessen, feige und hat in einer Demokratie nichts zu suchen“, sagte er. Wer ein Problem mit der Zeitfigur Ernst Moritz Arndt habe, der könne gern Stellung beziehen und sich der offenen Diskussion stellen.

In Greifswald ist seit Januar ein heftiger Streit um den wegen antisemitischer Äußerungen umstrittenen Historiker und Publizisten Arndt (1769 – 1860) entbrannt. Die Universität hatte beschlossen, den Namen abzulegen. Das Bildungsministerium kassierte den Beschluss später wegen formaler Fehler.

Sven Wichert, Vorsitzender der Ernst-Moritz-Arndt-Gesellschaft, die ihren Sitz im Geburtshaus des Namensgebers hat, hatte zu Jahresbeginn gelassen auf den Namensstreit reagiert: „Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen, so wie jeder Mensch gute und schlechte Seiten hat. Das gilt auch für Arndt.“ Zudem sei das Wachhalten der Erinnerung an Arndt nicht Ziel der Gesellschaft, ergänzt Wichert. „In der Frühzeit der Gesellschaft lag der Fokus auf Arndt, das Themenspektrum hat sich rasch erweitert und ist unseres Erachtens angemessen ausbalanciert.“

Der Publizist trat für die Pressefreiheit und die Abschaffung der Leibeigenschaft ein. Gleichzeitig veröffentlichte er zahlreiche Texte, die von seinem Hass auf Juden und Franzosen erfüllt sind. „Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt . . . darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Teutschland vermehrt werden“, schrieb Arndt 1814.

Auf der Insel Rügen ist der Name Arndt vielfältig verewigt. So trägt das einzige Gymnasium der Insel seinen Namen, ein Turm in Bergen ist nach ihm benannt sowie Straßen. Und in Garz gibt es das 1937 eröffnete und jüngst erweiterte Arndt-Museum.

Kay Steinke

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