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Bergen Anwesenheitslisten und Liebesbekenntnis

Das Goldene Buch der Stadt Bergen spiegelt mehrere Metamorphosen in den letzten 55 Jahren

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Der Staatsratsvorsitzende der DDR, Walter Ulbricht, trug sich als erster ins Goldene Buch der Stadt ein. FOTOS (2): BERNDT

Bergen. Ist der Zehnkampf-Olympiasieger von 1988, Christian Schenk, Ehrenbürger von Bergen oder nicht? Wem ist der Titel überhaupt verliehen worden? Und nach welchen Kriterien wird er vergeben?

OZ-Bild

Das Goldene Buch der Stadt Bergen spiegelt mehrere Metamorphosen in den letzten 55 Jahren

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Im Moment gibt es zu diesen Fragen aus dem Bergener Rathaus keine erschöpfenden Antworten. Laut Bürgermeisterin Anja Ratzke ist im gesamten Haus kein einziges Dokument zu finden, in dem die Namen der Ehrenbürger gelistet sind und auf das sie als Verwaltungs- Chefin oder ihre Amtsleiter unmittelbaren Zugriff haben. Seit sich zu diesem Thema allerdings durch Beiträge in der OZ eine Debatte um den im Rathaus mittlerweile als Sport- und Kulturkoordinator angestellten Christian Schenk entzündet hat, durchforstet ein Verwaltungsmitarbeiter das Stadtarchiv, um endlich eine Übersicht zu schaffen.

Dass Hannes Präkel Ehrenbürger ist, gilt als sicher. Hannes Präkel war fast 25 Jahre bis 1987 Bürgermeister von Bergen. Zur Legende soll der Mann vor allem wegen seiner Bürgernähe geworden sein. Auch ein Oberst Zyganow, der zum Kriegsende mit der Roten Armee nach Bergen kam, soll diesen Titel erhalten haben, findet sich mit einem Eintrag aber auch im Goldenen Buch der Stadt wieder.

Wer sich dort eintragen darf, ist allerdings offenbar bis heute nicht geregelt. „Dazu gab es nie Festlegungen“, sagt Anja Ratzke. „Und wie es unter meiner Vorgängerin geführt wurde, ist mir erst bewusst geworden, als ich es vergangenes Jahr im Zuge der Stadtwette bei der NDR-Sommertour mal genauer betrachtete.“

Am 30. Juni 1963 wurde es vom damaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Walter Ulbricht, überreicht. Er war es auch, der sich mit dem ersten Eintrag verewigte. Walter Ulbricht schrieb unter anderem:

„Ich freue mich besonders, daß durch die gute Zusammenarbeit der gesellschaftlichen Organisationen mit den staatlichen Organen die Naturschönheiten der Insel allen arbeitenden Menschen zur Erholung und Entspannung erschlossen worden sind.“ Bis zur Wende gibt es alle zwei, drei Jahre Einträge von Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport – wie 1988 von Christian Schenk, danach blieben Einträge aus. Neue finden sich erst ab den 2000-er Jahren.

So ließ Ex-Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU) zu ihrem 20. Dienstjubiläum am 27. Juni 2011 gefühlt jeden Gast ein paar huldvolle Zeilen schreiben. Unter anderem von ihren Eltern, ihrer Tochter (inklusive Smiley) und ihrem damaligen Lebensgefährten: „Meiner geliebten Frau und ganz privaten ,Bürgermeisterin’ alles Liebe ... Das wünscht Dir mein Schatz, Dein Olaf.“

Während diese Verwendung dem Gästebuch einer Pension nahekommt, scheint es in späteren Jahren als ein Buch für Anwesenheitslisten genutzt worden zu sein, trug sich bei Neujahrsempfängen doch jeder Anwesende hier ein.

„Seit mir bewusst ist, dass es sich um unser Goldenes Buch handelt, ist es nicht mehr aus dem Schrank genommen worden“, sagt Bürgermeisterin Ratzke. So habe man zum Neujahrsempfang 2018 für die Anwesenden extra Zettel ausgelegt.

Auch der Präsident der Stadtvertretung, Matthias Ewert (CDU), strebt nach einer neuen Definition für das Goldene Buch. „Es bedarf einer klaren Regelung, wie wir künftig damit umgehen“, sagt Ewert. Deshalb will er das Thema den Stadtvertretern zur Diskussion unterbreiten.

Jens-Uwe Berndt

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