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Rügen Anzeige wegen Schmierereien an bröckelndem Kriegerdenkmal
Vorpommern Rügen Anzeige wegen Schmierereien an bröckelndem Kriegerdenkmal
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00:01 10.11.2016
Die Stelen am maroden Kriegerdenkmal im Bergener Rugard litten zusätzlich beim Versuch des städtischen Bauhofs, sie von den Schmierereien zu reinigen. Quelle: Uwe Driest

Jetzt wird ermittelt: Unbekannte hatten die Stelen des Kriegerdenkmals auf dem Rugard mit Nazi-Parolen beschmiert. Zwar war der Stadtbauhof bereits tätig geworden, um die Schmierereien wieder zu beseitigen, polierte dabei aber nur die Oberfläche und konnte die tief eingezogene Farbe nicht entfernen. Das räumt eine Rathausmitarbeiterin ein. Hingegen seien die in die Säulen gravierten, stark verwitterten Namensschriftzüge in Mitleidenschaft gezogen worden und jetzt kaum mehr lesbar.

Der Fall wurde erst dieser Tage aktenkundig, weil Ex-Stadtvertreter Uwe Hinz Anfang November einen vom Bergener Altstadtverein gestifteten Gedenkstein vermisste und dabei die Schmierereien entdeckte. Wie sich herausstellte, hatte der Bauhof den Gedenkstein Anfang Oktober in Absprache mit dem Bauamt entnommen, weil dieser wohl von einem Auto angefahren worden sei und schräg im Erdboden gesteckt habe. Daran, die Stifter zu informieren, dachte niemand. Auch Steffen Ulrich will von den Vorgängen erst jetzt erfahren haben. „Die Säulen der Umrandung des Denkmals wurden teilweise mit heller Farbe besprüht. Darauf wurden mit dunkler Farbe Buchstaben aufgebracht. Festgestellt wurde dies Anfang November“, so der Hauptamtsleiter. Stadt und Verein erstatteten nun Anzeige wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Sachbeschädigung.

Zugleich hat sich die Hoffung der Stadtverwaltung, das Denkmal mit Hilfe von Fördergeldern aus dem Leader-Programm zu sanieren, zumindest vorerst zerschlagen. Die Lokale Aktionsgruppe Rügen räumte in ihrer Bewertungsrunde vom Oktober kirchlichen Projekten in Altenkirchen und Swantow Vorrang ein. Die in den Haushalt eingestellten Eigenmittel in Höhe von 23000 Euro, mit denen sich die Stadt an der insgesamt rund 92000 Euro teuren Sanierung beteiligen wollte, fließen zurück in die Stadtkasse. „Uns bleibt jetzt nur der Versuch, den Antrag für 2018 nochmals zu stellen“, sagt Bergens Bauamtsleiter Rainer Starke.

Auf den Sanierungsbedarf hatte vor drei Jahren ebenfalls Uwe Hinz als Vorsitzender des Altstadtvereins der Stadt aufmerksam gemacht. Fundamente, Mauern, Säulenwände und Treppenanlage seien nachhaltig geschädigt und „stellen einen Unfallgefahrenpunkt dar“, heißt es im für die Sanierung erstellten Gutachten. Abplatzungen und Risse seien nicht zuletzt durch das Wurzelwerk des in der Mitte stehenden Baumes entstanden. Der Vorschlag von Landschaftsplaner Thomas Niessen sieht daher vor, den Spitzahorn zu fällen. „Damals gab es noch keinen Einwurzelschutz für Bäume, was wir bei einer Neupflanzung aber nachholen könnten“, so der Planer. Einer zwischenzeitlich von der Stadt angedachten Verlegung des Denkmals hatte die Denkmalschutzbehörde eine Absage erteilt (die OZ berichtete).

Das Denkmal war indes von Anfang an nicht unumstritten und der damals amtierende Bürgermeister Alfred Jasmund habe sich geweigert, an der Einweihung am 20. November 1927 teilzunehmen, weiß Hinz. Der Grund dafür könnte in der politischen Ausrichtung der Initiatoren gelegen haben. Die Vereinigung „Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ galt als bewaffneter Arm der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), einer nationalkonservativen und republikfeindlich gesinnten Partei. Die Stadtväter verwiesen stattdessen auf den in der Marienkirche befindlichen Epitaph, eine Gedenktafel für die gefallenen 206 Bergener Bürger. Für Bauamtsleiter Rainer Starke sind Denkmäler auch touristische Bausteine. „Es besteht immer die Chance, dass Gäste nur wegen dieses Denkmals nach Bergen kommen.“

Warum der von seinem Verein 2008 aufgestellte Gedenkstein mitsamt eingelassener Messingtafel „nicht einfach wieder gerade gerückt wurde“ und wann er wieder aufgestellt werden soll, weiß Uwe Hinz nicht.

Kriegerdenkmale

Kriegerdenkmale erinnern ausdrücklich an gefallene Soldaten und nicht an alle Opfer eines Krieges. Dagegen gab es bereits in den 1920-er Jahren politische Vorbehalte, und vor allem Organisationen der Arbeiterbewegung versuchten, der teilweise kriegsverherrlichenden Ausdrucksform vieler deutscher Kriegsdenkmäler das Motto „Nie wieder Krieg“ entgegenzusetzen.

Vielfach sind daher Kriegerdenkmale mit einer erläuternden Tafel versehen, auf der allen Opfern von Kriegen gedacht wird.

Der Entwurf des Bergener Denkmales stammt von dem Stuttgarter Architekten Prof. Janssen. Die Ausführung nahm die Kunststeinfabrik „Rugia“ von Oswald Seifert vor.

Uwe Driest

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