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Rügen „Aquarius“ startet zur Rettungsmission
Vorpommern Rügen „Aquarius“ startet zur Rettungsmission
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00:00 11.12.2015
Kapitän Klaus Vogel (li.) und Christoph Hempel, Inhaber der Reederei Jasmund-Shipping.
Mukran

Jahrelang hat Kapitän Klaus Vogel Containerfrachter über Meere und Ozeane gesteuert. Jetzt will der 59-Jährige Menschen sicher an Land bringen: Der Seefahrer und Historiker gehört zu den Gründern von SOS Mediterranee, einer gemeinnützigen Organisation, deren Ziel es ist, schiffbrüchige Flüchtlinge aus dem Mittelmeer retten. Das passende Schiff dazu haben die Helfer auf Rügen gefunden. Die MS Aquarius der Lietzower Reederei Jasmund Shipping liegt derzeit an der Nordmole des Fährhafens in Mukran. Der Verein hat das 77 Meter lange Schiff samt Mannschaft gechartert und wird es in den kommenden Tagen so herrichten, dass es ab Mitte Januar zu seiner Mission im Mittelmeer auslaufen kann.

Das 1977 als „Meerkatze“ gebaute Schiff war einst in Cuxhaven stationiert und für die Fischereiaufsicht im Einsatz. Unter dem neuen Namen ist es seit 2009 als Vermessungsschiff unterwegs zu Öllagerstätten, bei der Verlegung von Meereskabeln und im Windenergiegeschäft. Gerade, so Reeder Christoph Hempel, ist die Aquarius von einem Einsatz vor der sibirischen Küste zurückgekommen. In den kommenden Monaten wird sie in wärmeren Gefilden unterwegs sein, voraussichtlich vor der italienischen Südküste „Lampedusa ist immer noch ein Brennpunkt, auch wenn das in der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr so wahrgenommen wird“, sagt Klaus Vogel. Als Kapitän hat er mehrmals erlebt, wie sich Menschen, die vor Krieg und Hunger fliehen, auf dem Meer in Gefahr begeben. Andere haben versucht, als blinde Passagiere an Bord der Containerschiffe nach Europa zu gelangen. „Als Europäer sind wir alle aufgerufen zu helfen“, begründet er, warum er seinen Job vorläufig sausen ließ und gemeinsam mit anderen Deutschen und Franzosen im Mai dieses Jahres SOS Mediterranee gründete.

Seitdem hat der Verein Spenden gesammelt mit dem Ziel, ein Schiff zu chartern und auch nach dem Ende der italienischen Rettungsaktion Mare Nostrum den Menschen, die bei der Überquerung des Mittelmeers in Seenot geraten, zu helfen. Mehr als 100000 Euro sind bislang allein in Deutschland zusammengekommen. Mit dem Geld, sagt Vogel, sei die Aktion für mindestens drei Monate finanziell abgesichert. Davon werden fast ausschließlich die durch das Schiff anfallenden Kosten, etwa für die Bezahlung der Besatzung und den Treibstoff, beglichen. Der größte Teil der Helfer wird ehrenamtlich arbeiten, ein Großteil der Retter geht in Marseille an Bord. Darunter sind auch Mitglieder der Organisation „Ärzte der Welt“, die die in Not geratenen Menschen medizinisch versorgen werden.

Bis zu 500 Flüchtlinge können im Ernstfall an Bord der Aquarius Platz finden. Die dafür notwendigen Rettungsmittel werden in den kommenden Tagen auf das Schiff gebracht. Stationiert wird es voraussichtlich in einem sizilianischen Hafen. Auf Lampedusa fehlt der Platz an einem Anleger mit der entsprechenden Wassertiefe. An welchen Stellen die meisten Flüchtlinge in Seenot geraten, sei bekannt, sagt Kapitän Vogel. Die Aquarius wird also nicht auf gut Glück durch das Mittelmeer kreuzen. „Unsere Einsätze werden von der Rettungsleitstelle in Rom koordiniert.“ Dort erfahren die Helfer auch, wo sie die Flüchtlinge, die sie aufgenommen haben, an Land bringen können.

Hilfsorganisation
23000 Flüchtlinge sind nach Schätzungen in den Jahren 2010 bis 2014 beim Versuch, das Mittelmeer in alten Schiffen und Schlauchbooten zu überqueren, umgekommen. SOS Mediterranee wurde gegründet, um in Seenot geratenen Menschen zu helfen und über die Lage der Flüchtlinge zu informieren. Der deutschen und der französischen Organisation sollen weitere in anderen europäischen Ländern folgen.



Maik Trettin

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