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Archäologen wagen den Burgwall-Schnitt

Putgarten Archäologen wagen den Burgwall-Schnitt

Brandschichten in der Befestigung sollen Erkenntnisse über Wikingerüberfälle auf die slawische Burg geben

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Putgarten. Rot-weißes Absperrband flattert im Wind und ab und an ist das Piepen des Metalldetektors zu hören: Auf dem Gelände der Slawenburg am Kap Arkona hat die Ausgrabungssaison begonnen.

OZ-Bild

Brandschichten in der Befestigung sollen Erkenntnisse über Wikingerüberfälle auf die slawische Burg geben

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Anhand von Brandschichten im Wall können wir erkennen wann die Wikinger die Burg am Kap überfallen haben.“Dr. Fred Ruchhöft, Grabungsleiter

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Dort, wo vor mehr als tausend Jahren das bedeutendste Slawenheiligtum des Landes stand, ist das Grabungsteam rund um Grabungsleiter Dr. Fred Ruchhöft wieder dabei, nach archäologischen Funden zu suchen. In diesem Jahr steht neben der Untersuchung von zwei Flächen im Süd- und Nordteil des Untersuchungsgebietes auch ein völlig neues Projekt an. Grabungen am Erdwall, der das slawische Siedlungsgebiet umschließt, sollen neue Erkenntnisse liefern. „Wir werden einen so genannten Schnitt durch den Burgwall legen und die horizontalen Schichten freilegen“, erzählt Ruchhöft. „Zum einen können wir dann erkennen, wie und wann die Menschen diesen Wall befestigt und erneuert haben. Zum anderen werden wir anhand von Brandschichten hoffentlich genau sagen können, wie häufig die Burg von Wikingern überfallen wurde.“

Es ist bekannt, dass die Wikinger die von Slawen besiedelte Burg mehrfach heimgesucht haben, nicht zuletzt abgenutzte Pfeilspitzen innerhalb des Burgwalls lassen diesen Schluss zu. „Um in eine Burg zu gelangen, wurde die Befestigung meistens niedergebrannt“, so Ruchhöft. „Mithilfe der Dendrochronologie, also der Untersuchung der Jahresringe im Holz, können wir vielleicht aus den verkohlten Schichten im Wall Aussagen zum Datum der Wikingerüberfälle treffen.“

Der Schnitt wird unmittelbar neben dem jetzigen Durchgang des Walls zu den Grabungsstätten angelegt. Bevor die Archäologen und ihre Grabungshelfer mit der Arbeit am Wall beginnen, werden aber die Grabungsbereiche im Inneren des Burgwalls untersucht. „Wenn wir die Anlage und ihre Konzeption richtig verstanden haben, ist nicht davon auszugehen, dass wir hier spektakuläre Dinge finden“, sagt Ruchhöft. „Der Bereich war wahrscheinlich nicht besiedelt.“ Allerdings sei das Gebiet bis in die 1950er Jahre landwirtschaftlich genutzt worden – durch die damit verbundenen Bodenbewegungen könnte es möglich sein, dass einige Funde hierher „gewandert“ sind. Mit Überraschungen müssten Archäologen immer rechnen, mit positiven wie negativen.

Im vergangenen Jahr ist den Experten am Kap Arkona eine echte Sensation gelungen: Anhand der Position von Pfeilern wurde der Standort einer 14 Meter langen Kulthalle ermittelt – vergleichbare Funde gibt es sonst nur in Schweden und Dänemark. Außerdem wurden zahlreiche Schmuckstücke und Perlen, Pfeilspitzen sowie Münzen gefunden.

Ausgestellt werden die zum Teil bildschönen Fundstücke vorerst nicht, sie kommen in die Magazine des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin. „Ich hoffe, dass wir 2018 – zum 850-jährigen Jubiläum der Eroberung der Anlage durch die Dänen – eine Räumlichkeit finden, in der man Besuchern auch mal zeigen kann, was wir hier eigentlich ausbuddeln“, sagt Ruchhöft.

Das Projekt „Wallschnitt“ wird die Archäologen vermutlich noch mehrere Jahre beschäftigen. Die Finanzierung für die nächsten zwei Jahre ist bereits gesichert. Pro Jahr werden für die Ausgrabungen Kosten in Höhe von etwa 150000 Euro fällig. Den größten Teil bezahlt das Land, die Gemeinde Putgarten beteiligt sich mit einem kleinen Eigenanteil. „Die Zusage der Förderung kam in diesem Jahr recht spät. Ich hoffe, dass die Saison für uns nicht zu kurz wird und wir bis in den späten Herbst graben können“, sagt Ruchhöft.

Denn die Archäologen stehen auf der Steilküste am Kap unter Zeitdruck. Große Teile des Burgkomplexes, genau wie wahrscheinlich auch die Tempelanlage, sind bereits vor langer Zeit ins Meer gerutscht.

„Im Schnitt brechen jedes Jahr rund 30 Zentimeter der Kreideküste weg. Weil sich in den vergangenen Jahren wenig getan hat, vermuten wir, dass in den kommenden Jahren ein stärkerer Abbruch erfolgt“, berichtet Ruchhöft.

Die Ausgrabungsmitarbeiter sind für die Gefahren sensibilisiert und arbeiten in bestimmten Bereichen mit Sicherungsgeschirr. „Von hier oben sieht man nicht, wie ausgehöhlt die Steilküste bereits ist“, sagt Ruchhöft. „Wenn Spaziergänger die Absperrungen umgehen und auf eigene Faust umherwandern, ist das lebensgefährlich.“

Führungen zu den Ausgrabungen finden ab kommender Woche montags bis donnerstags immer um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist am Info-Schild der Ausgrabungen.

Die Tempelanlage der Ranen am Kap Arkona

Die Tempelburg der Ranen (oder Ruanen) am Kap Arkona bestand vermutlich seit dem 8./9. Jahrhundert. Um einen Tempel des Gottes Svantevit an der Landspitze befand sich eine Siedlung. Umgeben wurde die Anlage von zwei Wällen, deren äußerer auch heute noch bereits von weitem zu erkennen ist. 1168 wurde das slawische Heiligtum von dänischen Truppen zerstört. Große Teile der Anlage, darunter auch die Reste des Tempels, sind durch Erosion der Küste bereits ins Meer gestürzt. Die Tempelanlage gilt als eine der interessantesten Ausgrabungsstätten im Land. Allein 2014/15 sind hier 173 Pfeilspitzen, 198 Silbermünzen, dazu 113 Perlen und Raritäten wie Schmuckfibeln oder ein Schildbuckel gefunden worden. Auch der Standort einer Kulthalle konnte ermittelt werden.

Anne Ziebarth

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