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Rügen „Arrangierte Ehen halten länger“
Vorpommern Rügen „Arrangierte Ehen halten länger“
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00:00 09.05.2016
Lauterbach

Die Zwillinge Manu und Apu (2) flitzen durch den Textilladen des Vaters. Sie kennen sich gut aus, die vielen Ständer wackeln nicht mal, als die Mädchen mit ihrem Vater haschen spielen. Eigentlich heißen sie Mansirat und Arpanjot. „Aber das ist für deutsche Zungen ein bisschen ungewohnt“, lacht Papa Baljit Sikh. Seit 2001 lebt der Inder auf Rügen, arbeitete erst in einem Textilgeschäft in Göhren, ehe er sich in Lauterbach selbstständig machte. 2012 hat er geheiratet — und zwar eine Frau, die seine Eltern ihm ausgesucht haben. „Ja, ich weiß, das klingt ganz unglaublich. Aber in Indien ist das immer noch weit verbreitet“, erklärt der 39-Jährige. Er hat sich gern dem Urteil seiner Eltern anvertraut. „Solche arrangierten Ehen funktionieren meiner Meinung nach viel besser“, findet Baljit. Zwar seien in Indien auch Liebesheiraten möglich, aber man sehe ja, wo das nur allzu oft hinführe. „Arrangierte Ehen halten meist ein Leben lang. Die Eltern suchen sorgfältig eine Frau oder einen Mann aus, der genau passt.“ Und nach langen Vorgesprächen kommt dann das erste Treffen der potentiellen Brautleute zustande. „Wenn man sich dann nicht mag, muss man natürlich auch nicht heiraten. Aber bei mir und Prabhjot hat es sofort gefunkt.“ Die Brautleute telefonieren viel, 2012 wird geheiratet. „Die Liebe kam ganz von allein“, sagt Baljit und strahlt seine Frau an. Die Zwillinge hat sie ihm noch in Indien geboren, erst vor gut anderthalb Jahren folgte sie ihrem Mann in die Fremde. Ihre kleinste Tochter Harkirat wurde dann vor zwei Monaten hier im Sana-Krankenhaus entbunden. „Wir fühlen uns wohl hier, auch wenn uns die Familie doch manchmal ganz schön fehlt“, sagt Mama Prabhjot. Denn in Indien wohnen alle unter einem Dach, die Kinder werden von allen gleichermaßen betreut und umsorgt. Durchwachte Nächte sind dann kein einsames Problem der Mutter mehr. „In meinem Dorf in Nordindien spielen die Kinder überall. Sie sind bei jeder Familie willkommen“, erklärt Papa Baljit. Er und seine Frau haben nicht viele indische Traditionen mit nach Rügen genommen. „Meine Frau ist die ersten 40 Tage nach der Geburt nicht zuhause geblieben, wie sie es in Indien hätte tun müssen. Auch abergläubisch sind wir nicht mehr, durch Schule und Facebook verliert sich die Angst vor dem bösen Blick“, lacht Baljit. Aber Zöpfe tragen die Zwillingsmädchen immer — und werden vor dem Badengehen nach indischer Art massiert. „Ein bisschen Tradition muss sein. Und wir versuchen, einmal im Jahr nach Indien zu reisen. Die Kinder sollen wissen, wo wir herkommen.“

Von Gaia Born

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