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Arzt erinnert sich an Fall der ertrunkenen Juliane

Sassnitz Arzt erinnert sich an Fall der ertrunkenen Juliane

Das Kind sei bei Einlieferung ins Krankenhaus bereits „sicher tot“ gewesen

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Wir unterstützen nach wie vor alle Ermittlungen zur Aufklärung möglichen Unrechts.Frank Kracht, Bürgermeister von Sassnitz

Sassnitz. Ist Juliane Kube noch am Leben? Seit ihre Mutter Christa, heute Steenvorden, ihre Zweifel am Tod ihrer Tochter in verschiedenen Medien öffentlich geäußert hatte, beschäftigt das Schicksal des Sassnitzer Mädchens viele Menschen auch über die Grenzen der Insel hinaus. Das dreieinhalbjährige Kind soll 1977 während eines Aufenthalts bei seinen Großeltern in der Badewanne ertrunken sein. Christa Steenvoorden bezweifelt das mittlerweile und sucht nach Hinweisen, dass ihr Kind lebt.

Oder starb Juliane doch bei dem geschilderten Unglück? Ein Arzt, der jahrelang am Sassnitzer Krankenhaus arbeitete, kann sich noch an verschiedene Details erinnern. Er habe seinerzeit die so genannte Erstbehandlung vorgenommen. Allerdings sei das Kind schon bei der Einlieferung ins Krankenhaus tot gewesen. „Den Anblick des in wärmende Decken gewickelten Kindes werde ich nicht vergessen“, schreibt er in einer E-Mail an den Sassnitzer Bürgermeister. Ertrunkene haben bessere Chancen auf Wiederbelebung, wenn der Körper gekühlt wird.

An den weiteren Ablauf habe er selbst heute keine konkreten Erinnerungen mehr, sondern müsse die seiner damaligen Kollegen heranziehen. „Die Krankenschwestern sagten mir, wir hätten sofort Wiederbelebungsversuche (Intubation, Sauerstoffbeatmung, Herzdruckmassage) durchgeführt.“ Nach dem seinerzeit üblichen Ablauf müsse auch in diesem Fall eine gerichtsmedizinische Sektion erfolgt sein, „vermutlich in Greifswald, nicht in Stralsund“.

Von der Existenz des Arztes will der Rechtsbeistand von Christa Steenvoorden schon länger gewusst haben. Jan Zilinski hält es jedoch für denkbar, dass der Mediziner Teil der Verschwörung gewesen sein könnte. Unter anderem habe der Totenschein falsche Geburts- und Sterbedaten enthalten. Christa Steenvoorden erhofft sich daher weiterhin Aufschlüsse von einer Exhumierung. Das bringt Bürgermeister Frank Kracht und seine Kollegen von der Stadtverwaltung in die Zwickmühle. „Ich kann diesen Schmerz der Mutter sehr gut nachvollziehen. Ich hatte selbst lange genug mit der Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen in meiner Familie zu kämpfen“, sagt Kracht. Deshalb habe man Christa Steenvoorden bei ihren Nachforschungen auch unterstützt wo es nur ging und unter anderem eine Georadar-Untersuchung der früheren Grabstätte genehmigt, die Christa Steenvoorden 2002 nach Ablauf der üblichen Pachtzeit aufgegeben hat und auf der mittlerweile zwei Urnen einer anderen Familie bestattet wurden. „Die Totenruhe ist in der Bundesrepublik auch rechtlich ein hohes Gut und genießt einen besonderen Schutz“, sagt Kracht. Deshalb könne man nicht einfach Grabstellen öffnen und schließen wie man wolle. „Wie wir denn in diesem Fall verfahren sollen, hat uns das Verwaltungsgericht in Greifswald mit seinem Urteil leider nicht sagen können.“ Aus diesem Grund habe man die nächsthöhere Instanz angerufen. Vom Oberverwaltungsgericht erhoffen sich die Sassnitzer jetzt, dass es eine Lösung aufzeigt, wie die Gesetzeslage und das Interesse der Mutter in Übereinstimmung gebracht werden können. „Wir unterstützen jedenfalls alle Ermittlungen zur Aufklärung möglichen Unrechts und werden das auch weiterhin tun“, versichert der Sassnitzer Bürgermeister.

Christa Steenvoorden will ihren Weg beharrlich fortsetzen. „Meinen inneren Frieden würde ich erst nach einer Exhumierung finden und wenn sich in deren Folge herausstellen sollte, dass der Sarg sterbliche Überrest enthält, die meiner DNA zuzuordnen sind“, sagt sie. Schließlich habe es ihres Wissens schon Fälle gegeben, in denen Tierknochen im Sarg gefunden worden wären.

Uwe Driest und Maik Trettin

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