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Rügen Experte: Pilze wachsen auf dem Baumwipfelpfad
Vorpommern Rügen Experte: Pilze wachsen auf dem Baumwipfelpfad
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12:12 07.11.2018
Auf einigen Teilen des Baumwipfelpfades sollen Pilze wachsen. Quelle: Manuela Wilk
Prora

Wenn der Pilz im Holz steckt, steckt der Teufel schon mal im Detail. Mit der Frage, ob beim Bau des Baumwipfelpfades in Prora alle Feinheiten der Erkenntnisse zum Thema Holzschutz beachtet wurden, befasst sich seit etwa einem halben Jahr Johann Müller. Der promovierte Holzwirt aus dem emsländischen Dörpen macht nun auf mögliche Mängel beim Bau der Anlage aufmerksam. Dabei geht es nicht etwa um Sicherheitsrisiken, betont Müller. „Da passen die schon gut genug auf.“ Müllers Kritik bezieht sich auf die Einhaltung von Normen zum sogenannten „baulichen Holzschutz“.

Dass der Betreiber des Baumpfades, die Erlebnis Akademie AG mit Sitz in Bayern, auf die Verwendung giftiger Biozide verzichtete, findet durchaus den Beifall des Fachmannes. Holzschutzmittel würden oftmals unnötig oder falsch eingesetzt und die Beratung von Verbrauchern sei wesentlich durch wirtschaftliche Interessen gelenkt. Wer aber aus ökologischen Gründen auf chemischen Holzschutz verzichten möchte, müsse alle Möglichkeiten des baulichen Holzschutzes ausschöpfen. Meint: Material und Bauweise sollen möglichst wenig Wasser eindringen lassen. Dies aber sei am Standort Prora ebenso wenig gegeben, wie am ältesten Baumwipfelpfad der Erlebnisakademie im bayrischen Neuschönau.

Und hier beginnt die Mission von Johann Müller. Der Holzsachverständige ist seit zehn Jahren ehrenamtlich im Bereich „Dauerhaftigkeit von Holz sowie Holzschutz in der Normung“ tätig. Vor fünf Jahren inspizierte Müller im Auftrag des Deutschen Instituts für Bautechnik hölzerne Aussichtstürme und engagiert sich ehrenamtlich im Verbraucherrat des Deutschen Instituts für Normung (DIN). In dieser Eigenschaft war er fünf Jahre lang an der Erarbeitung der einschlägigen DIN-Norm 668800 beteiligt. „Der Norm ist zu entnehmen, dass ungeschütztes Nadelrundholz im Außenbereich dem Einfluss von Nässe nicht ausgesetzt werden darf“, so Müller. In Prora aber seien Douglasie und Lärche verbaut worden, zwei Nadelhölzer. „Bei einem Besuch des Baumwipfelpfades auf Rügen habe ich Pilzbefall an vielen Rundhölzer vorgefunden“, sagt Müller, der seinen Befund im Bild festhielt und an die Aufsichtsbehörden sandte.

Nadelhölzer nicht geeignet

„Die Normen sind bei Errichtung geprüft worden“, sagt Kreissprecher Olaf Manzke. Gleichwohl nahm der Landkreis Müllers Hinweise ernst. Bei einem Vorort-Termin mit Prüfer und Statiker im Sommer habe es keinen Befund auf Schimmel oder Pilzbefall gegeben, so Manzke. Da es zu jenem Zeitpunkt aber extrem trocken gewesen sei, wäre ein zweiter Termin im Oktober anberaumt worden. Im Zuge der Untersuchung seien möglicher Pilz- oder Schädlingsbefall sowie eine etwaige Minderung der Tragfähigkeit zu untersuchen, heißt es in der Anordnung der Bauaufsicht. „Erforderliche Bekämpfungsmaßnahmen sind durch den Sachverständigen für Holzschutz festzulegen und unverzüglich durchzuführen.“

Sofern es sich dabei um den Einsatz chemischer Mittel handeln würde, möchte Müller eben das vermeiden. Ihm geht es nach eigener Aussage darum, die Probleme durch konsequente Umsetzung der fachlichen Normen gar nicht erst entstehen zu lassen. Das Holz der Douglasientanne sei „als nicht dauerhaft einzustufen“ und dürfe somit nicht als Rundholz eingesetzt werden. Müller: „Der Pilzbefall bestätigt den Sinn dieser Vorgabe.“ Für das verwendete Lärchenholz fordert er zumindest eine obere Abdeckung. Er ärgere sich, wenn sinnvolle Normeninhalte in der Praxis nicht beachtet werden. „Dann treten wenige Jahre später Schäden auf, und der Steuerzahler muss den Pfusch bezahlen.“

Christian Kremer, Sprecher der Erlebnis Akademie, ist sich keiner Schuld bewusst. „Aus Gründen des Umweltschutzes wurde bei der Errichtung des Baumwipfelpfads auf chemischen Holzschutz verzichtet“, so Kremer. Der Verzicht sei durch den Landkreis genehmigt und mit der Auflage einer regelmäßigen Kontrolle der Holzkonstruktion verbunden worden. „Dem baulichen Holzschutz wurde, soweit dies bei den Dimensionen dieses besonderen Bauwerkes möglich ist, Rechnung getragen.“ So seien exponierte Flächen abgedeckt und verbindende Teile aus Stahl gefertigt worden. Das Resultat der Begutachtung soll dem Landkreis bis Mitte dieses Monats vorliegen.

Uwe Driest

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