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Binz Auf dem Weg zurück ins Leben

Barrierefreier Wohnraum ist im Landkreis Mangelware / Junger Rollstuhlfahrer auf der Suche

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Mit vereinten Kräften bewältigen Maximilian Hopp (21) und Freundin Julia Daschenies (22) mit dem Rollstuhl die Rampe, die von der Terrasse der in die Ferienwohnung führt.

Quelle: Fotos: Steffi Besch

Binz. Er spüre seine Beine nicht mehr, sagte Maximilian Hopp einem Sanitäter, der sich im Straßengraben über ihn beugte. Dieser Satz, seine letzte Erinnerung an den 15. September 2016, dem Tag seines Unfalls. Der 21-Jährige war auf seinem Motorrad, einer Yamaha XJ6 unterwegs. Verließ das Ostseebad Binz auf der L29 Richtung Prora. An der gefährlichen Kreuzung am Bahnübergang Höhe Dünenpark kam es zur Kollision mit einem Pkw. „Der Autofahrer kam aus Richtung Prora und wollte an der Einmündung Bahnübergang nach links abbiegen“, teilte die Polizei einen Tag später mit. Zur selben Zeit wird Maximilian im Greifswalder Uni-Klinikum acht Stunden lang am Rücken operiert, zudem am Sprunggelenk. Zwei weitere Eingriffe dienen der Wirbelsäulenstabilisierung.

 

OZ-Bild

„„Behinderten- und seniorengerechter Wohnraum fehlt vielerorts im Landkreis. Und wenn mal vorhanden, dann ist dieser einfach nicht bezahlbar.“Gundela Knäbe, Integrationsbeauf- tragte für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Vorpommern-Rügen

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Der junge, sportliche Mann, der gerade seine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker bei OstseeStahl in Stralsund beendete, muss auf der Intensivstation die Diagnose hinnehmen. „Mein fünfter und sechster Wirbel sind gebrochen. Die Nachricht war schlimm für mich. Vor allem aber die täglichen Visiten der Oberärzte mit ihrem Gefolge. Da hieß es immer nur: Maximilian Hopp, 20, Querschnittgelähmt. Und ich dachte, haltet alle den Mund.“ Nach drei Monaten in der BDH-Klinik in Greifswald, einem Behandlungszentrum für Querschnittgelähmte, hat er sein Schicksal angenommen. „Ich kann den Kopf nicht in den Sand stecken. Ich möchte ins Leben zurückkehren. Ein Leben, zu dem eigene Rollstühle, eine Arbeit, Autofahren und ein schönes Zuhause dazugehören“, sagt Maximilian auf der Terrasse einer Ferienwohnung im Binzer Dünenpark. Die hatte seine Freundin Julia Daschenies (22), Rezeptionistin des Hauses organisiert. „Wir wohnen seit drei Jahren mit unserem Jack Russell Sam in einer Wohnung in Zirkow. Die befindet sich im dritten Stock. Nachdem die Reha nun doch nicht bis März dauerte und Maximilian am 20. Januar entlassen wurde, mussten wir schnell eine Lösung finden. Die Wohnung hier im Erdgeschoss müssen wir aber Ende Februar räumen. Und wir finden einfach keine geeignete Rollstuhlgerechte Wohnung hier auf der Insel“, so Julia.

Ein Problem, das viele körperlich Beeinträchtigte auf Rügen kennen und Gundela Knäbes Kampfgeist weckten. Seit 2011 ist die Rechtsanwältin Integrationsbeauftragte für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Vorpommern-Rügen und engagiert sich für diese ehrenamtlich. „Tatsächlich handelt es sich hier um ein riesen Problem. Behinderten- und seniorengerechter Wohnraum sind Mangelware im Landkreis. Und wenn doch vorhanden, dann vielfach einfach nicht bezahlbar“, berichtet die Zirkowerin. Auch René Radtke, Leiter der Wohnungswirtschaft der BEWO in Bergen beschäftigt sich seit Jahren mit der Problematik. Von 2338 Wohnungen seien tatsächlich nur 12 Wohnungen entsprechend der DIN als behindertengerecht definiert. Allerdings entstanden und entstehen bei Modernisierungen in Objekten des Unternehmens vermehrt sogenannte barrierearme Wohnungen. Für behindertengerechte Neubauten werde gegenwärtig kein Bedarf gesehen.

Knäbe hingegen weist auf den erhöhten Platzbedarf eines Rollstuhlfahrers aufgrund der Sperrigkeit hin. „Pro Rollstuhl müssen 15 Quadratmeter zusätzlich eingeplant werden“, so Knäbe. Eigentümer von Wohnungen und Häusern bekommen unter gewissen Voraussetzungen Fördermittel und Zuschüsse für deren behindertengerechten Umbau. Mieter brauchen für Umbauten in Wohnungen immer die Zustimmung des Eigentümers. Ebenerdige Wohnungen sind rar und selbst bei Fahrstühlen ist die Brandgefahr zu berücksichtigen. Diese dürfen dann ja nicht benutzt werden, implizieren also eine bevorzugte Evakuierung von Behinderten mit Rollstuhl oder Rollator. Und das ist nicht nur hier bei uns im ländlichen Bereich alles sehr problematisch, sondern ebenso in den Städten. Stralsund geht es da nicht anders.

Deshalb mache ich mich für die Belange von Behinderten stark. Es gilt, das Klientel der behinderten Menschen wahrzunehmen und ihr Recht auf Gleichberechtigung im Leben.“

Das ist es, was sich Maximilian Hopp und seine Julia für die Zukunft wünschen. Und nicht nur irgendwo wohnen, sondern leben, sich wohlfühlen. „Die Querschnittlähmung hat mich schon genug beschnitten.

Ich mache alles mit den Armen. Das Umsetzen aufs Bett, aufs WC. Alles dauert länger, duschen, anziehen usw. Aber das lerne ich und werde schneller. Doch drei Rollstühle werden mich immer in einer neuen Wohnung begleiten und daher ist mir persönlich ein dritter Raum sehr wichtig. Ich möchte nicht, dass die Rollis rumstehen und im Weg sind, sondern dass es vernünftig bei uns aussieht“, erklärt Maximilian. Ein selbstbewusster und freundlicher junger Mensch, der nach dem tragischen Unfall vor fünf Monaten mit wachen Augen positiv in die Zukunft blicken möchte.

Rollt nicht gut: Barrierefreies Wohnen noch ausbaufähig

180828 schwerbehinderte Menschen leben in Mecklenburg-Vorpommern. 25886 im Landkreis Vorpommern Rügen (Einwohnerzahl ca. 225000).

Das entspricht 14,3 Prozent aller Schwerbehinderten in MV, wodurch der Landkreis an zweiter Stelle liegt. Die Art der Behinderungen sei vielfältig.

Laut Behindertenbeauftragte Knäbe aber überwiegen hier die körperlichen Beeinträchtigungen. Die Landesbauordnung MV schreibt bei Neubauten barrierefrei erreichbare Geschosse vor. Dem steht aber die Landschaft an Altbauten gegenüber.

Gundela Knäbes nächste Sprechstunde findet am Dienstag, 7. März von 15 bis 16 Uhr in der 4. Etage des Landkreisgebäudes in der Störtebekerstraße 30 statt.

Steffi Besch

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Dieses Foto mit Eisstrukturen am Kooser See – aufgenommen im Januar 2017 – schickte uns OZ-Leser Wolfgang Schielke. Eingefügt hat er ein Gedicht von Ernst Moritz Arndt (1769-1860). „Von mir ein stiller Gruß an den verehrten Namenspatron meiner früheren Universität“, schreibt Schielke, der von 1974 bis 1979 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald studiert hat.

Täglich erreichen die OZ-Redaktion weitere Leserbriefe zur Namensablegung der Uni Greifswald

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