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Auf den Spuren eines Poseritzer Bäckers am russischen Hof

Poseritz Auf den Spuren eines Poseritzer Bäckers am russischen Hof

Der auf Rügen geborene Bäcker Abraham Krohn brachte Katharina der Großen ihr Frühstück ans Bett / Später finanzierte die Kaiserin ihm eine Brauerei in St. Petersburg

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Winfried und Christa Prophet (sitzend) mit dem Bürgermeister von Poseritz, Hans Lange.

Quelle: Anne Ziebarth

Poseritz. In Poseritz ist in den vergangenen Jahren eine ungewöhnliche Freundschaft entstanden. Eine finnische Großfamilie war 2001 auf den Spuren ihres Vorfahren Abraham Krohn (1766—1827) ins Küsterhaus nach Poseritz gekommen. Hier wurde der Stammvater ihrer Familie geboren. Mit den jetzigen Eigentümern des Hauses, Christa und Winfrid Prophet ergaben sich nicht nur spannende Gespräche, es entwickelte sich eine echte Freundschaft daraus.

Auf nach St. Petersburg

Abraham Friedrich Krohn wurde 1766 als Sohn von David Erdmann Krohn in Poseritz geboren. Mit 15 Jahren wanderte er nach St. Petersburg aus. Er wurde Hofbäcker bei Katharina der Großen (1729—1762) und heiratete die Deutsche Elisabeth Balzer. Einige der sieben Söhne wanderten aus, zum Beispiel nach Finnland oder Madeira.

An den überraschenden Anruf von Pfarrer Reinecke kann sich Winfried Prophet noch gut erinnern. „Du, Winfried, ich habe hier eine Reisegruppe in der Kirche, die sich für euer Wohnhaus interessiert. Kann ich sie euch mal rüberschicken?“ Einige der Finnen sprachen ausgezeichnet Deutsch und so erfuhren die neugierigen Poseritzer, was es mit dem schillernden Vorfahren der Finnen auf sich hatte. „Abraham Krohn war derjenige, der Zarin Katharina der Großen die Brötchen persönlich ans Bett gebracht hat“, erzählt Winfried Prophet schmunzelnd. „Und dieser Abraham Krohn wurde 1766 hier in diesem Haus geboren.“ Mit 15 Jahren siedelte Abraham zu seinem Onkel nach Sankt Petersburg um und erlernte in der Hofbäckerei das Bäckerhandwerk. Der Bäckermeister war Alkoholiker, Abraham übernahm nach kurzer Zeit mehr und mehr Aufgaben, schließlich die ganze Bäckerei. Fortan war er für die persönliche Belieferung von Kaiserin Katharina der Großen (1729—1796) zuständig. Morgens ließ

sich die Kaiserin — noch im Nachtgewand — ihre Frühstrücksbäckerei vom jungen Poseritzer ans Bett bringen. Auch das Vorkosten des Brotes gehörte zu Krohns Aufgaben.

Was sich genau zwischen der für ihr leidenschaftliches Liebesleben bekannten Zarin und dem Bäcker abgespielt hat, weiß man natürlich nicht. Fakt ist aber, dass der Poseritzer Bäcker von der Regentin viel Unterstützung erfuhr. „Er hat den Wunsch geäußert, mit einem Freund eine Brauerei in Sankt Petersburg zu gründen, in der er englisches Bier produzieren kann“, berichtet Prophet. „In pommerscher Bescheidenheit bat er um 100 Rubel.“ Die Kaiserin soll herzlich gelacht haben. Dafür bekomme man doch nichts. Letztendlich überließ sie Krohn ein Grundstück an der Newa und 30000 Rubel, um sein Vorhaben umzusetzen. Krohn war außerordentlich erfolgreich als Brauer, das Unternehmen gehört heute immer noch unter dem Namen „Stepan Razin“ zu Russlands größten Brauereien. Die Krohns bekamen zahlreiche Söhne, die zum Teil nach Madeira, London oder Finnland auswanderten. „Die Familie Stubb, die hier zu Besuch war, kommt aus dem finnischen Zweig“, erklärt Prophet. „Und die sind ganz eifrig, was Familienforschung angeht.“

Zwischen den Familien Stubb und Prophet hat sich im Laufe der Jahre eine gute Freundschaft entwickelt. Holger und Maria Stubb zum Beispiel kamen nämlich auch in den Folgejahren zu Besuch nach Poseritz. Christel und Winfrid Prophet waren für zwei Wochen in Finnland zu Gast.

Auch in diesem Jahr ist wieder finnischer Besuch in Poseritz angesagt: Zum 250. Geburtstag von Abraham Krohn kommt am 6. Mai eine 30-köpfige Reisegruppe aus Finnland. Geplant ist neben einem kleinen Empfang der Gemeinde für die Gäste auch ein Vortrag über den berühmten Poseritzer Abraham Krohn. „Ich finde es toll, dass wir eine solche Verbindung nach Finnland haben“, meint der Bürgermeister von Poseritz, Hans Lange. „Wer weiß, vielleicht wird da ja sogar mal eine Art von Partnerschaft draus. Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr auf den Besuch.“

Von Anne Ziebarth

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