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Rügen Ausbuddeln statt absägen: Kreis rettet junge Alleebäume
Vorpommern Rügen Ausbuddeln statt absägen: Kreis rettet junge Alleebäume
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00:00 18.11.2016

. Platz schaffen für den Weiterbau: Weil die B 96n vom kommenden Jahr an von Samtens nach Bergen verlängert werden soll, müssen 45 Bäume an der Kreisstraße 11 zwischen Teschenhagen und Güttin weichen. Sie werden allerdings nicht zu Grünschnitt. „Wir haben uns entschlossen, sie nicht zu fällen. Die Linden werden im Zusammenhang mit einer maschinellen Großbaumverpflanzung im weiteren Verlauf der Kreisstraße in Alleebaumlücken verpflanzt und somit erhalten. Das Gegenteil wäre sehr schade gewesen“, sagt Landrat Ralf Drescher (CDU).

Stefan Stegmann von der fränkischen Firma Zöller ist mit einer der umgesetzten Winterlinden am neuen Standort an der Kreisstraße 11 zwischen Teschenhagen und Güttin angekommen. FOTO: UWE DRIEST

„Dieses Verfahren hat Premiere auf Rügen.Uwe Hobusch, Baumpfleger

Der Erhalt der Alleebäume scheint der Kreisverwaltung lieb und teuer zu sein. Nach OZ-Informationen soll das Umsetzen nur eines Baumes samt Nachsorge etwa 800 Euro kosten. „Die sind, zählt man die Zeit in der Baumschule hinzu, etwa 25 Jahre alt. Mit dem Ausbau der Kreisstraße sind sie im Jahr 2000 gepflanzt worden. Im Ganzen waren es 120 Linden“, weiß Kreissprecher Olaf Manzke. Inzwischen seien die Bäume im Schnitt 4,50 Meter hoch bei einem Stammdurchmesser von bis zu 25 Zentimetern.

Weichen müssen sie, weil mit dem Weiterbau der B 96n ein Stück der Kreisstraße verlegt werden müsse. „In Teschenhagen soll eine Brücke entstehen. Und der stehen die Bäume im Weg“, sagt Olaf Manzke.

Das Bäumchen-wechsle-dich- Spiel spielt im Auftrag der Baumschule Putbus Stefan Stegmann. „Wir graben mit drei im Kreis angeordneten hydraulischen Spaten zunächst ein Loch, in das wir den Baum setzen. Mit der Erde, aus dem wir den Baum vorher entnommen haben, verfüllen wir dann das Loch“, erläutert der Mitarbeiter der fränkischen Firma Zöller. Die arbeitet als Subunternehmer für die Baumschule Putbus. Heute soll das Umsetzen beendet sein.

Wie funktioniert es? Wird eine Linde entnommen, wird der Ring mit den Spaten vorn geöffnet, um die jungen Linden geführt und dann wieder geschlossen. Mit hydraulischem Druck – je nach Größe bis zu 260 bar – und unter Einsatz des Fahrzeuggewichts werden die Spatenblätter in den Boden geruckelt. Wie eine Topfpflanze lasse sich dann der Wurzelballen mitsamt Pflanze aus dem Boden heben. Die ganze Aktion dauert nur wenige Minuten. Der Baum wird dann an anderer Stelle wieder eingesetzt, wo die gleiche Maschine zuvor ein identisches Loch gegraben hat.

Damit die Winterlinden an ihrem neuen Standort gut anwachsen – darum kümmern sich Landschaftsgärtner Marko Sauerbaum und Vorarbeiter Jens Ohseloff von der Baumschule Putbus. „Wir bringen Humus ein, wässern den Wurzelbereich und legen anschließend eine Verankerung an, die solange bestehen bleibt, bis die Wurzeln dem Baum wieder den nötigen Halt geben“, erläutert Jens Ohseloff das weitere Vorgehen.

Der Rügener Baumpfleger Uwe Hobusch ist froh, dass an der Kreisstraße eine andere Variante als das Absägen gefunden wurde. Er freut sich, „dass das Verfahren meines Wissens erstmals auf Rügen angewandt wird“. Die Befürchtung, es könnte beim Entnehmen der Bäume zu viel vom Wurzelballen entfernt werden, teilt er nicht. „Wenn eine Wurzel mit einem sauberen Schnitt durchtrennt wird, ist das so, als wenn Sie einen Ast abschneiden“, sagt der Baumsachverständige. Würden die Wurzeln sauber abgeschnitten und versorgt, wüchse sogar ein alter Baum wieder an.

Das hofft bei den umgepflanzten jungen Winterlinden auch der Kreis. „Wenn die wieder anwachsen, können sie bis zu 40 Meter hoch und 1000 Jahre alt werden“, sagt Sprecher Manske.

Chris-Marco Herold und Uwe Driest

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