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Rügen Symbol dafür, wie Flüchtlinge von Gemeinschaft im Stich gelassen wurden
Vorpommern Rügen Symbol dafür, wie Flüchtlinge von Gemeinschaft im Stich gelassen wurden
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07:51 20.03.2019
Kurator Winfried Meyer vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin und Katja Lucke vom Dokumentationszentrum Prora an der Nachbildung des Konferenztischs von Évian. Quelle: Uwe Driest
Prora

Ein wenig bekanntes Ereignis rückt die neue Sonderausstellung im Dokumentationszentrum Prora in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Die Exposition „Geschlossene Grenzen - Die internationale Flüchtlingskonferenz von Évian 1938“, befasst sich mit den Anfängen der Juden-Verfolgung in Nazi-Deutschland. Vom 6. bis 15. Juli 1938 trafen sich Vertreter von 32 Staaten im mondänen Badeort Évian-les-Bains am französischen Ufer des Genfer Sees. Anlass war eine von US-Präsident Roosevelt einberufene Konferenz zur Flüchtlingskrise in Europa, die durch die Vertreibung der Juden aus dem Deutschen Reich und dem gerade „angeschlossenen“ Österreich durch das NS-Regime ausgelöst worden war. Die Konferenzteilnehmer bekundeten zwar ihr Mitgefühl mit den Geflüchteten, lehnten die Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge jedoch mit unterschiedlichen Begründungen ab. Zudem vermieden sie es, das NS-Regime als Verantwortlichen der Flüchtlingskrise und die Juden als deren Hauptbetroffene zu benennen.

„Damit wurde die Konferenz von Évian zu einem Symbol dafür, wie die dringend auf Zuflucht angewiesenen verfolgten Juden von der internationalen Staatengemeinschaft weitgehend im Stich gelassen wurden“, so Winfried Meyer vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Für die spätere Ministerpräsidentin Golda Meir, die als Beobachterin teilnahm, war das eine „erschütternde Erfahrung“. Möglich habe dieses Vorgehen ein „Geburtsfehler“ der Konferenz gemacht, so Meyer. Die USA hatten allen Teilnehmerländern versichert, dass sie nicht verpflichtet werden könnten, über ihre geltenden gesetzlichen Bestimmungen hinaus Flüchtlinge aufzunehmen. „Diese Zusicherung hatte viele Staaten veranlasst, ihre Bestimmungen zur Einwanderung noch kurz vor oder sogar noch während der Konferenz zu verschärfen“, so Meyer. „Wir wissen heute, dass Zehntausende, denen damit der Ausweg der Auswanderung versperrt blieb, Jahre später dem nationalsozialistischen Völkermord an den europäischen Juden zum Opfer fielen.“ Das hätten die damaligen Konferenz-Teilnehmer allerdings noch nicht wissen können.

Weil eine Konferenz für eine Ausstellung ein sperriges Thema sei, haben sich die Macher auf handelnde Personen und exemplarische Schicksale konzentriert, die sie auf 20 Tafeln darstellen. Im Zentrum der Ausstellung steht ein dem Original nachempfundener Tisch, auf dem zwanzig Mappen liegen, die die Haltung der 32 an der Konferenz teilnehmenden Staaten dokumentieren. Darüber hängen Kalenderblätter, die auf der Vorderseite das Konferenz-Geschehen des jeweiligen Tages und auf der Rückseite ein zeitgleiches gesellschaftliches Ereignis zeigen.

Lediglich unter dem Schock der Pogromnacht vom November 1938 erfolgte kurzfristig eine Öffnung der Grenzen vor allem für Kinder. Dem Flüchtlingsschiff „St. Lois“ hingegen wurde die Aufnahme in Kuba, den USA und Kanada verweigert, sodass sie nach einer Irrfahrt nach Europa zurückkehren musste. „Mindestens 254 Flüchtlinge fielen später dem deutschen Morden zum Opfer“, sagt Meyer. Die „St. Lois“ stellt zugleich eine Verbindung zu Prora her: Einige Monate vor der Konferenz hatten die Bauarbeiten für das KdF-Bad begonnen und das Schiff war mehrfach bei KdF-Kreuzfahrten eingesetzt.

Flüchtlingskonferenz von Évian

32 Staaten nahmen vom 6. bis 15. Juli 1938 an der internationalen Flüchtlingskonferenz von Évian teil.

Die Ausstellung wurde vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand erstellt.

Auf 20 Tafeln, einem Konferenztisch und einer Videostation werden Einzelschicksale und Dokumente erläutert.

Im Rahmenprogramm wird am 17. und 20. April sowie am 19. Juli jeweils um 17 Uhr der Spielfilm „Die Mission“ gezeigt, der auf dem gleichnamigen Roman von Hans Habe basiert, der selbst als Korrespondent des Prager Tagblattes an der Konferenz von Évian teilgenommen hatte. Der Eintritt ist frei.

Uwe Driest

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