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Rügen Baabe verbietet Plastebecher und Co.
Vorpommern Rügen Baabe verbietet Plastebecher und Co.
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18:32 11.01.2019
Gerade im Sommer sind die Mülltonnen am Strand von Baabe ständig überfüllt. Quelle: Gerit Herold
Baabe

Keine Einwegbecher und -teller, keine Trinkhalme und kein Plastebesteck mehr bei öffentlichen Veranstaltungen in Baabe! Dafür haben sich die Mitglieder des Tourismus- und Betriebsausschuss der Kurverwaltung des Ostseebades auf ihrer Sitzung am Donnerstag ausgesprochen und eine entsprechende Beschlussempfehlung an die Gemeindevertretung gegeben. Bei Festen und Feierlichkeiten in Baabe soll künftig ein Pfandsystem für Getränkebecher, Essschalen und gegebenenfalls Besteck eingeführt werden.

Im ersten Schritt soll schon in diesem Jahr der Umschwenk von Plaste- auf Mehrweggeschirr bei den Veranstaltungen durchgesetzt werden, bei denen die Kurverwaltung beziehungsweise die Gemeinde den Hut aufhat, wie Reusenfest, Heidebergfest oder Bollwerkfest. „Aber auch bei Feierlichkeiten auf unseren Flächen wie zum Beispiel am Strand“, betont Donner. Im zweiten Schritt sollen dann möglichst alle Gastronomen im Ort mit ins Boot geholt werden. „Wir wollen das Gespräch suchen, um gemeinsam Lösungen zu finden“, so Uta Donner. Besonders im Blick sind dabei jene Anbieter in der Ladenzeile in der Nähe des Hauptstrandes, die Becher to go für Eis und Kaffee anbieten sowie die mobilen Strandversorger.

Begonnen wird bei Veranstaltungen in Kurpark

Als Erstes soll im Kurpark an der Kurbühne, wo gerade in den Sommermonaten viele Feste und Konzerte stattfinden, das Einweggeschirr beim Ausschank verschwinden. Für die kommenden Veranstaltungen sei man bei den Verträgen mit den Gastronomen bereits dabei, die Auflage für Mehrweggeschirr bei Imbissangeboten und Getränkeausgabe mit einzuarbeiten, so Donner. Ein Baaber Anbieter teile sogar schon längst Gläser und Tassen gegen Pfand aus. Möglich ist auch, dass die Kurverwaltung eigenes Pfandgeschirr anschafft und Spülstrecken einrichtet oder entsprechendes Material mietet. Welches Modell langfristig zum Tragen kommen wird, soll noch diskutiert werden.

Der umweltfreundliche Gedankenanstoß zur Müllreduzierung kam aus der Kurverwaltung. „Eigentlich von mir“, sagt die Tourismusdirektorin. „Es soll eine Initialzündung sein, wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“, erklärt Uta Donner. Bürgermeister Hartwig Diwisch schließt sich an: „Die Idee ist super. Wir müssen Vorbild sein schon wegen der Verschmutzung der Ostsee.“ Eine Satzung zur Vermeidung von Müll in Baabe will die Kurverwaltung jetzt zusammen mit dem Amt Mönchgut-Granitz erarbeiten.

Dass Müll zunehmend Meer und Strände verschmutzt, erfuhren die Baaber wieder unlängst zum Jahreswechsel. Wie in vielen Orten der Insel blieben auch hier die Hinterlassenschaften der Silvesterparty am Strand zurück. „Es war ein Drama, wie die Dünen aussahen. Das ist widerlich“, schimpfte Ausschussmitglied Antje Dinda. Sie habe zwei große Säcke Müll gesammelt – obwohl an jedem Strandaufgang Mülltonnen aufgestellt worden waren. Aber auch im Kurpark, wo vom 29. bis 31. Dezember der Wintermarkt stattfand, habe der Wind die Plastebecher gleichmäßig in der Natur verteilt.

Insektenfreundliche Blumenwiesen werden angelegt

Die Abfallberge würden sich von Jahr zu Jahr erhöhen. Und somit auch die Kosten für die Kurverwaltung zur Müllbeseitigung. Mit Schildern sollen Gäste und Einheimische künftig für das Thema mehr sensibilisiert werden. Zudem initiiert die Kurverwaltung seit sieben Jahren immer am 2. Januar eine große Müllsammelaktion am Strand, so Donner.

Der Natur- und Umweltgedanke soll in Baabe aber noch weitergehen. In diesem Jahr werden erstmals insektenfreundliche Blumenwiesen angelegt, informiert die Tourismusdirektorin. „Wir haben das Jahr der Biene ins Leben gerufen“, so Donner. Statt akkurat gepflanzter Beete und Rasenflächen sollen natürliche Wiesen Insekten ausreichend Nahrung bieten. Als erste Flächen sind dafür Bereiche am Mönchgraben und in der Nähe des Hauptstrandes zwischen Kurpark und Ladenzeile vorgesehen. „Die Leute müssen natürlich erst daran gewöhnt werden, und wir müssen sie aufklären, welchen Sinn das hat“, weiß Uta Donner.

Gerit Herold