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Rügen Backhaus bleibt hart: Keine neue Treppe am Königsstuhl
Vorpommern Rügen Backhaus bleibt hart: Keine neue Treppe am Königsstuhl
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00:00 14.02.2018
Sassnitz/Lohme

„Der Ball liegt jetzt in der Spielfeldhälfte der Stadt Sassnitz“, meint Matthias Ogilvie. So ganz mag der Lohmer Bürgermeister auch nach der für die Befürworter einer neuen Treppe enttäuschenden Nachricht nicht aufgeben. Die Entscheidung, keinen neuen Abstieg am Königsstuhl zu schaffen, war in einer gemeinsamen Beratungsrunde mit Vertretern der Gemeinden Sassnitz und Lohme sowie von Nationalparkamt, Nationalpark-Zentrum Königsstuhl und Bürgerinitiative gefallen, zu der Umweltminister Till Backhaus (SPD) am Montag nach Schwerin geladen hatte.

Entscheidung fiel in einer Beratung des Umweltministers mit anliegenden Kommunen, Ämtern, Infozentrum und Bürgerinitiative

Obwohl noch Ende Januar der Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus ihrer Stadt ein klares Votum zugunsten des Treppenneubaus abgegeben hatte, möchte die stellvertretende Bürgermeisterin von Sassnitz unter den veränderten Vorzeichen den zugespielten Ball nicht aufnehmen. „Der Bau solch einer Treppe hängt ja nicht allein von der Finanzierung ab, sondern auch von der technischen Machbarkeit und Sicherheitsaspekten. Da werden wir nicht tätig werden“, kommentiert Vera Wilke.

Diese Sichtweise kann Ingolf Stodian nur unterstreichen. „Jeder wollte die Treppe, aber in Deutschland muss man bei einem Bauwerk nun mal etliche Rechtsnormen beachten“, so der Leiter des Nationalparks Jasmund. Auch wegen des ansteigenden Meeresspiegels werde es in jenem Bereich der Steilküste künftig eine Entwicklung geben, wie sie zuletzt an den Wissower Klinken zu sehen war, ist sich der gelernte Geologe sicher. In dieser Rechtslage könne man nicht „sehenden Auges“ EU-Mittel in der bröckeligen Steilküste versenken, die am Ende womöglich noch zurückgezahlt werden müssen, wenn etwas passiert. Stodian: „Es geht einfach nicht mehr.“

Befürworter warten mit teils abenteuerlichen Alternativ-Vorschlägen auf. So könne im Hinterland ein Schacht gegraben werden, von dessen Grund aus ein Tunnel zum Strand führe, wo dort wartende Ausflugsdampfer ihre Gäste aufnehmen könnten. „Wir sind aber ein National- und kein Erlebnispark“, erteilt Stodian solchen Plänen eine Absage.

Dem schließt sich auch Mark Ehlers an. „Unsere Besucher vermissen den Abstieg zwar, aber wir haben nicht den Eindruck, dass sie unsere Erklärungen nicht akzeptieren“, sagt der Geschäftsführer des Nationalpark-Zentrums Königsstuhl. So dürfte es bei der einzigen Abstiegs-Variante am Kieler Bach bleiben, die etwa in der Mitte zwischen Königsstuhl und dem sieben Kilometer südlich gelegenen Sassnitz über eine elf Meter lange Leiter hinabführt. Zu weit für das sieben Kilometer nördlich vom Kieler Bach gelegene Lohme, weswegen sich dort eine Bürgerinitiative des Themas annahm. „Wir haben mittlerweile 3000 Unterschriften online und auf Listen gesammelt und kämpfen weiter für den Erhalt des jahrhundertealten Abstiegs“, sagt Guido Hoenig.

Auf der Facebookseite der BI „Bewahrt Lohme“ wird das Thema kontrovers diskutiert. „Ehrlich gesagt verstehe ich den Wirbel um die Treppe nicht. Dann halt weg damit, was sind denn die realen Pluspunkte? Für ältere Menschen: ungeeignet. Für Kinderwagen: ungeeignet. Der Strand: Steinstrand. Die Steilküste: Gefahr durch Hangabrutsch“, findet Eberhard Gustavson. Lothar Dorow hält dagegen:

„Der Königstuhl ohne Treppe ist so, als könnte man sich Neuschwanstein nur von außen ansehen.“

Königsstuhltreppe

Der Sagarder Pastor Heinrich Christoph von Willich ließ im 18. Jahrhundert 600 Stufen in der Stubbenkammer anlegen.

Der Rügener Chronist Johann Jacob Grümbke war begeistert von dem Fußsteig und auch Wilhelm von Humboldt nutzte 1796 die Treppenstufen.

In der Folgezeit gab es stets eine Möglichkeit des Abstiegs, bis 2015 die Treppe wegen Baufälligkeit gesperrt werden musste.

Die Pläne zum Wiederaufbau endeten erst, als im Mai 2016 ein Baum herabstürzte und die Treppe zerschlug.

Uwe Driest

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