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Rügen Badehaus Goor: Bohrprofis schon halben Kilometer tief
Vorpommern Rügen Badehaus Goor: Bohrprofis schon halben Kilometer tief
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04:49 20.04.2013
Ablauf wie auf einer �lplattform: An der gro�en Bohrmaschine, mit der am Badehaus Goor die Sole erschlossen wird, setzen die Experten eine neue Stange an das Bohrgest�nge an. Fotos (2): Udo Burwitz Quelle: Udo Burwitz

Alle sechs Meter das gleiche Spiel: Bohrgestänge abschrauben, eine neue Stange hochziehen und anschrauben, damit es weitere sechs Meter in die Tiefe gehen kann. Die Handgriffe sind die gleichen wie auf einer Offshore-Ölplattform. Der Unterschied: Daniel Hoffmann und sein Team stehen nicht hoch über dem Meer, sie haben festen Boden unter den Füßen. Unmittelbar neben dem Kurhotel „Badehaus Goor“ in Lauterbach treiben sie den mit Diamanten besetzen Bohrkopf voran. Sie wollen einen Schatz heben — heilendes Wasser. Am Kurhotel wird die Thermalsole erschlossen.

„Die 550-Meter-Marke haben wir bei der Bohrung schon erreicht“, sagt Hoffmann, Bauleiter der Nord Bohr- und Brunnenbau GmbH aus Grimmen.

„Wir hatten hier am Badehaus garantiert eine der wenigen Baustellen, auf der den Winter über durchgearbeitet wurde“, sagt Gerd Raulff. Ihm und seiner Frau Marlis gehört das Kurhotel. Das soll mit neuen Wellnessangeboten bei Gästen punkten. Dafür investieren Raulffs rund zwei Millionen Euro. Sie lassen die Thermalsole am Rande des Naturschutzgebietes Goor erschließen und am Hotelkomplex einen neuen Wellnesstempel bauen. „In dem werden unsere Gäste baden können wie im Toten Meer“, so der Hausherr.

Dafür veranstaltet Bohrmeister Harry Kowallek wieder das gleiche Spiel: Bohrgestänge anschrauben, neue Stange ansetzen. Seit Februar sind die Experten der Grimmener Firma in Lauterbach im Einsatz.

Mitten im Winter haben sie den Bohrkopf neben dem Kurhotel angesetzt. „Wir wollten das Erschließen der Thermalsole nicht auf die lange Bank schieben“ begründet Gerd Raulff. Das Heben des Schatzes hat das Hotelier-Ehepaar schon seit Jahren vor, im Dezember 2012 hielten sie endlich die Bohrgenehmigung vom Bergamt in den Händen. Die Spezialisten aus Grimmen rückten an.

In etwa 700 Metern wird die Thermalsole erwartet, sagt Kowallek. „Wir müssen noch ein Stück tiefer.“ Doch der schwierigste Abschnitt sei geschafft, vermutet der Bohrmeister. Die ersten 20 Meter musste der Bohrkern durch Geschiebelehm und -mergel getrieben werden. Das Teilstück war sehr steinig. „Wenn wir auf so etwas stoßen, schaffen wir gerade mal 20 Zentimeter in der Stunde. Wenn wir durch Sand bohren, sind es 20 Meter.“ Doch auf Sandstein ist Kowallek, der die Bohrmaschine bedient, bis jetzt noch nicht vorgedrungen. „Da wollen wir aber hin, denn in der Sedimentschicht befindet sich die Sole“, sagt er. Seit Wochen haben der Bohrmeister und seine Kollegen allerdings das Weiß vor Augen. Und damit sei nicht der Schnee gemeint, der sich dieses Jahr besonders lange gehalten hat.

„Wir haben trotz hartnäckigem Winter seit Februar durchgebohrt“, betont Kowallek. Er zeigt auf das große Rohr, aus dem kontinuierlich eine milchig weiße Brühe in ein Becken gleich neben der Bohrmaschine schießt. So sieht das Wasser aus, mit dem die Bohrung gespült wird, erläutert er. „Und es zeigt deutlich, dass wir durch Kreide bohren. Die Schicht ist hier ziemlich mächtig.“ Lauter Kreide haben die Bohrexperten auch in Kisten eingetopft, die aussehen wie Pflanzgefäße. „Das sind die Bohrproben. Wir nehmen alle fünf Meter eine“, sagt er. Und hakt für sich das Kreidezeitalter bereits ab, denn laut geologischer Gutachten soll die Oberkreideschicht 500 Meter und die darunter liegende Unterkreide nur 70 Meter dick sein. „In etwa zwei Wochen werden wir die Bohrung abschließen können“, kündigt Kowallek an.

Gerd Raulff schreitet indes den Weg ab, den das heilende Wasser künftig nehmen soll. Von der Bohrstelle muss noch eine Querleitung zum neuen Wellnesstempel getrieben werden, erläutert der Bauherr.

Der Rohbau ist am Ende des in Hufeisenform angelegten Hotelkomplexes bereits hochgezogen, auch die beiden Becken, in denen Hotelgäste künftig im heilenden Wasser kuren können, sind schon aus Beton gegossen. Im Ruheraum, in dem Kurgäste nach dem Baden mit Blick auf den Rügischen Bodden und auf die Insel Vilm entspannen werden, stützen lauter Eisenträger die gerade montierte Betondecke. „Auf dieser Baustelle hat der lang anhaltende Winter für Verzug gesorgt“, räumt Raulff ein. Als Ziel für die Fertigstellung hatte das Hotelier-Ehepaar Pfingsten vorgegeben. „Das werden wir nicht schaffen.

Eröffnet wird erst im Laufe der Saison“, schätzt er ein.

Wahrzeichen für den Badetourismus

1818 legte der Ortsgründer von Putbus, Fürst Malte, mit dem Bau des klassizistischen Badehauses am Rande des Buchenwaldes der Goor, das heute Naturschutzgebiet ist, den Grundstein für den Badetourismus. Das Haus mit dem markanten Säulenportikus wurde mehrfach umgebaut, zu DDR-Zeiten als Ferienheim des ehemaligen Eisenhüttenkombinates Ost der gleichnamigen Stadt genutzt. Nach der Wiedervereinigung stand es jahrelang leer, mehrere potenzielle Investoren scheiterten mit ihren Plänen zur Übernahme.

2007 ließ das aus Cuxhaven stammende Hotelier-Ehepaar Marlis und Gerd Raulff das Gebäude nach Kauf sanieren und durch Anbauten zum Kurhotel erweitern.
2Millionen Euro investieren Raulffs jetzt in die Erschließung der Thermalsole und den Bau eines neuen Wellness-Tempels. Dort werden Gäste künftig in einem runden Becken mit einem Durchmesser von 2,5 Meter in reiner Sole und in einem 7,50 mal 4 Meter großen Becken in verdünnter Sole kuren können.

Wenn die Gäste bei uns in der Thermalsole kuren, werden sie sich wie beim Baden im Toten Meer fühlen.“Hotelier Gerd Raulff

Udo Burwitz

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