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Rügen Bauern beklagen schlechte Ernte
Vorpommern Rügen Bauern beklagen schlechte Ernte
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09:23 14.03.2018
Viele der fast 140 Mitglieder des Rügener Bauernverbandes fanden sich zum Bauerntag im Parkhotel Rügen ein. Quelle: Foto: Uwe Driest

Viel wurde über Politik und Öffentlichkeitsarbeit gesprochen beim Bauerntag der Rügener Landwirte am Dienstag im Bergener Parkhotel. Die Landwirte wähnen ihr Image angekratzt, Glyphosat und Gülle kämen in der öffentlichen Wahrnehmung „gleich hinter Atommüll“. „Dabei stammen beispielsweise die Nährstoffeinträge im Grundwasser nicht alle aus der Landwirtschaft“, rückte Walter Lonskowski zurecht. „Die Landwirtschaft ist zudem neben dem Tourismus die wichtigste Branche und stellt einen Großteil der ganzjährigen Arbeitsplätze“, so der Vorsitzende des Bauernverbandes in seinem Bericht über das zurückliegende Jahr.

Rügens Landwirte bilanzieren verregneten Sommer aber Erfolg bei der Abwehr von Flächenverlust.

Mit der Ernte konnten die Bauern indes nicht zufrieden sein. „Anfang Juni schien die Welt noch in Ordnung“, so Lonskowski. Aber dann sei das Getreide verregnet. Die größten Einbußen habe es beim Raps gegeben. „Wir Landwirte brauchen Antworten auf drängende Fragen. Allen voran geht es um die Einkommenssicherung für die Bauern, um die Sicherung der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft und um einen ländlichen Raum, in dem gewirtschaftet und gelebt werden kann, ohne gravierende Einschränkungen hinzunehmen.“ Der Trend zur Reduzierung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln werde sich jedoch zusätzlich auf die Erträge auswirken, glaubt der Bauernchef. Zudem hätten mehrere Milchbetriebe ihre Arbeit eingestellt, zuletzt jener in Zirkow. Auch Auflagen bei der Tierhaltung würden sich auf die finanzielle Situation auswirken. Der Verband möchte künftig gegensteuern, „indem wir Regionalität mehr in den Vordergrund rücken und dabei den Rügenprodukteverein einbeziehen“.

Der Widerstand Rügener Landwirte gegen die Kompensationspläne des Pipeline-Bauers Nordstream 2 sei ein voller Erfolg gewesen, so die einmütige Meinung. Nun müssten die Bauern keine Flächen abgeben und die positiven Umweltwirkungen betrügen ein Vielfaches der ursprünglichen Pläne. Zusätzliche 50 Tonnen Stickstoff würden durch den neuen Beschluss jährlich eingespart, hob Johann Tophoff-Kaup hervor. Nachdem Nordstream zusagte, in die Zusatzfiltration der Kläranlagen von Bergen und Göhren sowie Stralsund und Greifswald zu investieren, würden künftig insgesamt 75 Tonnen vermieden. Davon entfallen gut 16 Tonnen auf Bergen und rund drei auf Göhren, bestätigt Reinhard Litty vom Zweckverband für Waserversorgung und Abwasserbehandlung Rügfen. Der Rest werde in den größeren Anlagen der beiden Hansestädte eingespart.

Heike Müller, Vizepräsidentin des Landesbauernverbandes, sprach das Problem der Niedrigzinspolitik der EU und die daraus resultierende hohe Nachfrage nach Grund und Boden an. Die Bodenpreise in MV haben sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht, was das Land zum traurigen Spitzenreiter macht. Grund dafür seien nicht zuletzt finanzstarke Investoren , die zu jedem Preis Anteile an eingesessenen Betrieben übernähmen, um an Flächen zu gelangen. „Aus der Verbandsarbeit ziehen die sich zurück und wir verlieren Mitglieder“, so Müller.

Marion Zinke, die Landwirtschaftsminister Till Backhaus an ihrem Geburtstag, wegen einer Kabinettssitzung vertrat, stellte das vom Ministerium erarbeitete und bei den Bauern umstrittene „MV-Modell der ökologischen Direktzahlungen“ vor. Die Prämie für ökologische Zusatzleistungen soll danach künftig 15 bis 30 Prozent über dem kalkulierten Mehraufwand liegen.

Der langjährige stellvertretende Vorsitzende Max Ott legte seine Funktion aus gesundheitlichen Gründen nieder. An seine Stelle tritt Dirk Klaas aus Neuenkirchen.

Weniger Flächen

97 400 Hektar ist die Insel Rügen groß.

62 200 Hektar davon sind landwirtschaftliche Nutzfläche.

50 150 Hektar davon sind Ackerland und 12000 Hektar Grünland.

1 250 000 Hektar gingen der Landwirtschaft in zehn Jahren bundesweit verloren.

62 Hektar werden bundesweit jeden Tag für Siedlung und Verkehr verbraucht.

Die Bodenpreise in MV verdreifachten sich in zehn Jahren, was das Land zum traurigen Spitzenreiter macht.

Uwe Driest

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