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Bauernjunge kümmerte sich um Kultur

Die ersten Ranen Bauernjunge kümmerte sich um Kultur

Karl-Heinz Friedrich gilt als Mann der Tat. Er arbeitete in der Landwirtschaft war Maurer, Lehrer und Amtsleiter

Die ersten Ranen. „Ich mach das“, hat Karl-Heinz Friedrich oft in seinem Leben gesagt – und in die Tat umgesetzt. Er hat beim Bauern geschuftet, das Maurerhandwerk gelernt, studiert, als Lehrer Deutsch, Geografie, Geschichte und, wenn Not am Mann war, auch Mathematik unterrichtet. Er hat für das Forschungsinstitut des Physikers Manfred von Ardenne gearbeitet, um Schulen miteinander zu vernetzen, und er hat das „Amt für Bildungsökonomie“, später auch das Kulturamt des Kreises Rügen, geleitet. Heute blickt der 82-Jährige, der mit seiner Frau Margot seit 13 Jahren in Silenz lebt, auf sein ereignisreiches Leben zurück.

 

OZ-Bild

Margot und Karl-Heinz Friedrich sind seit 13 Jahren in Silenz zu Hause.

Quelle: Fotos: Susanna Gilbert

Ein Leben, das gar nicht gut begonnen hat: Als Kind im Alter von zehn Jahren war er mit seiner Mutter und drei kleineren Geschwistern von Danzig geflohen, eine Odyssee, die sechs lange Monate dauerte. Der Lazarettzug, der Richtung Stralsund fuhr, geriet mehrfach unter Beschuss. Von der Hansestadt ging es nach Prerow. Dort gebar die Mutter ein Mädchen, das die Flucht nicht überleben sollte. Zwei Tage später machte sich die Familie zu Fuß auf den Weg nach Stralsund auf, um anschließend mit einem anderen Zug weiter gen Osten zu fahren. Der kam nur bis Ducherow. Dort wurde die Lok abgekoppelt.

Auch über 70 Jahre danach sind die Erinnerungen an die „Hölle“ für Karl-Heinz Friedrich so klar, als ob es gestern gewesen wäre. Er spricht von den Nächten, in denen sowjetische Soldaten die Frauen aus dem Zug holten. Er berichtet von polnischen Banden, die versucht hatten, in ihren Wagon – einen Postwagen – einzudringen und daran nur gehindert wurden, weil die Insassen die Türhebel mit Kabeln blockiert hatten. Und er erzählt davon, wie die Mutter schließlich entschied, den Zug zu verlassen und sich mit ihren Kindern nach Westen durchzuschlagen. Über Umwege wurden sie auf die Insel Rügen gebracht und landeten auf einem Hof in Fernlüttkevitz, wo die Mutter und ihr ältester Sohn kräftig mit anpacken mussten. „Ich wurde ein richtiger Bauernjunge“, sagt Friedrich im Rückblick. Als der Vater zurückkam, es war bereits August 1948, „habe ich ihn nicht wiedererkannt“.

1958 heiratete Karl-Heinz Friedrich seine Margot, die er beim Studium kennengelernt hatte. Vier Kinder zogen sie auf. Mittlerweile gehören auch neun Enkel und zwei Urenkel zum Friedrich-Clan. Nach vielen Umzügen entschied sich das Ehepaar, nach Silenz zu ziehen, und zwar in ein Haus, „das unsere Tochter extra für uns gebaut hat“. Wohnen im Grünen stimmt die beiden sehr zufrieden, zumal auch ein Enkel im Dorf lebt.

Die Kreisstraße, die durch Silenz führt, halten sie allerdings für verbesserungswürdig. So mancher Radfahrer könne ein Lied davon singen: „Manchmal klingeln die bei uns und fragen, ob sie sich mal waschen können.“

Idealer Siedlungsplatz im Grünen schon für unsere Vorfahren

drangen vor weit mehr als tausend Jahren in die schon damals grüne und dicht bewachsene Gegend vor. Das schlussfolgern Forscher aus dem Ortsnamen, der angeblich auf das slawische Wort „zelenec“ zurückgeht. Das heißt übersetzt schlichtweg „grün“.

Aus dieser slawischen Bezeichnung leitet sich möglicherweise auch der Ortsname des heutigen Ostseebades Sellin ab, das dereinst auch grün gewesen sein muss.

Silenz war vermutlich zu frühen Zeiten ein idealer Siedlungsplatz, bot doch der nahegelegene Burgwall bei Venz ausreichend Schutz vor Überfällen durch schlecht gelaunte Invasoren.

Susanna Gilbert

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