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Rügen Baustellen: Hoteliers sauer
Vorpommern Rügen Baustellen: Hoteliers sauer
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00:05 23.03.2017

Auf den Straßen Rügens wird gebaut und gebuddelt wie selten. Nicht weniger als neun größere Baustellen werden im Jahr 2017 den Verkehr von Einheimischen und Gästen auf der Insel behindern. Bei vielen Hoteliers und Gastronomen der Insel herrscht Verärgerung über die vielen Sperrungen und große Sorge über den reibungslosen Verlauf des Osterreiseverkehrs. „Für uns Touristiker ist die Baustellensituation auf der Insel schlichtweg eine Katastrophe“, meint etwa Birte Löhr, Generaldirektorin des Arkona Strandhotels in Binz. „Ostern liegt spät und die weltweite politische Lage fördert Inlandreisen“, ergänzt Burkhard Herzberg, Resort Manager des Hapimag in Binz. „Ich erwarte volle Häuser und ein neues Rekordjahr. Wenn dann Straßen nur einseitig befahrbar sind, kommt es zum Verkehrsinfarkt.“ Der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Knut Schäfer zeigt Verständnis für die Sorgen der Hoteliers „Natürlich ist der Zeitpunkt ärgerlich und gerade die Binzer Hotelbetreiber sind ja schon leidgeprüft, was Baustellen angeht“, sagte Schäfer. „Aber die Investitionen in Qualität der Infrastruktur sind für die Insel wichtig. Gerade wenn wir mit mehr Urlaubern und Verkehrstömen rechnen.“

Um nach einer Lösung zu suchen, hatte der Regionalausschuss Vorpommern-Rügen der IHK zu einem Treffen ins Strandhotel Baabe geladen, wo sich der Leiter des Straßenbauamtes Stralsund, Ralf Sendrowski, den Fragen von Hoteliers, Einzelhändlern, Gastronomen und Bürgermeistern der Insel stellte. Sendrowski lieferte einen Überblick über die umzusetzenden Projekte auf der Insel. Neben Bauarbeiten auf der L 301 zwischen Kluis und Bergen stehen in diesem Jahr Arbeiten an der Stubbenkammerstraße in Sassnitz sowie die Erneuerung der Straßendecken in Rambin und Samtens an. Auch im baustellengeplagten Sellin sowie in Lancken-Granitz und in Garz gehen die Arbeiten weiter.

Zwei Baustellen bereiten den Touristikern besondere Sorgen. Zum einen die Sperrung der B 96 zwischen Strüssendorf und Ralswiek. Fahrer, die nach Sassnitz wollen, müssen die Umleitung über den provisorischen Kreisverkehr bei Karow nach Prora nehmen. Zum anderen bereitet die Baustelle auf der B196 am Abzweig Serams den Touristikern Kopfschmerzen. Hier können Autofahrer sonst auf die L 29 nach Binz abbiegen. Auch dieser Verkehr wird jetzt weiträumig über den Kreisverkehr bei Karow in Richtung Prora geleitet.

Birte Löhr wünscht sich, dass es auf den Baustellen „massiver zur Sache geht“, wie sie sagt. „Dann müsste eben auch mal samstags gearbeitet werden.“ Diesen Vorschlag muss Sendrowski verneinen. „Wir vergeben Aufträge mit einem Bauendtermin. Wie die einzelnen Firmen das realisieren, ist ihre Sache“, sagt er. „Wenn wir noch weitere Vorgaben zu Wochenend- oder Nachtarbeit machen, hat das immense Kosten zur Folge.“

Auch die Option, die Baustelle über Ostern mithilfe von einer provisorischen Straßendecke zurückzubauen und eine Durchfahrt nach Binz zu ermöglichen, käme nicht in Frage. „Die Straße nach Binz ist in diesem Baustadium überhaupt nicht befahrbar“, sagt er. „Außerdem birgt jeder Rückschritt ja auch die Gefahr, dass wir nicht wie vorgesehen im Juni fertig werden und zeitlich in die Sommerferien rutschen. Das geht auf keinen Fall. Jetzt muss es einfach heißen: Augen zu und durch.“ Für die Autofahrer könnte es bis dahin sogar noch dicker kommen. Da am Abzweig Serams ein Kreisverkehr gebaut wird, komme man auch um eine halbseitige Sperrung in diesem Bereich nicht herum, so Sendrowski. „Aber das wird ganz sicher nicht über Ostern der Fall sein.“

Einzelhändler Ulf Dohrmann bringt eine andere Alternative für den Anreiseverkehr ins Spiel. „Was ist denn mit der Alten Bäderstraße?“, fragt er. „Kann man die nicht als Umleitung nutzen?“ Bei den anderen Teilnehmern erntet dieser Vorschlag zustimmendes Nicken, aber auch besorgte Minen. Die ehemalige Bäderstraße ist in vielen Ortschaften in schlechtem Zustand. „Gustow, Kasnevitz oder Vilmnitz – da wollen sie mehr Verkehr langführen?“, fragt Sendrowski mit hochgezogenen Augenbrauen. „Es gibt ja auch noch einen Weg durch Süllitz“, schlägt Burkhard Herzberg vor. Der sei zwar nur

für die Forstwirschaft geöffnet, würde die Bauarbeiten aber umgehen. „Die Straße ist nicht verkehrssicher. Da sie nicht öffentlich ist, wurde sie nicht instandgehalten und ist quasi unbefahrbar. Wir können nicht zulassen, dass sich Menschen dort die Haxen oder Achsen brechen“, wendet Sendrowski ein. Zumal auch stets die Kostenfrage zu bedenken sei. „Erstmal muss man sehen, wem diese Straße gehört. Dann muss man überlegen, wer die Baumaßnahme bezahlen könnte. Öffentliche Mittel werden dafür bestimmt nicht fließen, denn es gibt ja bereits eine Umleitung. Über Prora.“ Mit den Vorschlägen sei man in jedem Fall einfach zu spät dran, konstatiert Sendrowski. Trotzdem will er bei der nächsten Sitzung mit der Sperrkommission zwei Themen zur Diskussion bringen. Zum einen, ob man nicht die Alte Bäderstraße stärker als Entlastungsstrecke nach Mönchgut ausweisen könne und zum anderen, ob die Möglichkeit besteht, Vertretern aus der Hotellerie und der IHK einen Sitz in der Sperrkommission zu ermöglichen.„Das ist ein erster Erfolg“, freut sich Matthias Rohloff vom IHK-Regionalausschuss. „Somit hat sich dieses Treffen doch bereits gelohnt.“

Anne Ziebarth

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