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Bei den Hartwigs: Alle unter einem Dach

Bubkevitz Bei den Hartwigs: Alle unter einem Dach

Vater, Sohn und Enkel leben in einem Haus – So, wie es früher üblich war

Bubkevitz. Haltung hat sich Hartwig Harder bis ins Alter bewahrt. Der Mann steht wie eine Eins vor dem Haus, in dem er geboren wurde – und dies, obwohl er schon etliche Operationssäle von innen gesehen hat. Den Mann kann so schnell nichts beugen – weder der schwere Verkehrsunfall, bei dem er ein Bein verloren hat, noch komplizierte Eingriffe am Herzen oder die Schicksalsschläge, die ihn im Laufe seines 74-jährigen Lebens getroffen haben. „Der Sport“, sagt er, „hat mir geholfen.“ Und die Zufriedenheit darüber, „dass aus meinen Kindern was geworden ist.“

Wir sitzen in der Wohnküche bei Kaffee und Kuchen. Mit am Tisch auch Friedhelm Behnke, der als Kind auf dem Hof gegenüber von dem der Harders aufgewachsen ist. Die beiden Männer kennen sich, seit sie denken können. Aufmerksam verfolgt der 81-Jährige, was Hartwig erzählt: Im Mai 1938 waren dessen Eltern Ilse und Paul Harder aus Schleswig-Holstein ins Dorf gekommen, um einen der 13

Neusiedlerhöfe zu bewirtschaften, die zwischen Bubkevitz und Rappin erbaut worden waren.

Mit seinen drei Geschwistern Jürgen, Reimer und Telse besuchte Hartwig die Dorfschule. Nach der achten Klasse fuhr er mit Fahrrad oder Kleinbahn zwei Jahre lang täglich in die Trenter Schule. In Stralsund lernte er Traktorenschlosser. Er wurde Meister, ließ sich in Greifswald zum Agraringenieur ausbilden. Seit frühester Jugend spielte er mit Begeisterung Fußball. „Ich war der beste Fußballer von Rügen“, erzählt er augenzwinkernd. Heute ist vor allem Enkel Moritz in seine Fußstapfen getreten: „Er spielt schon in der Verbandsliga. Da bin ich stolz drauf“, sagt der glückliche Opa.

Bei dieser Begeisterung für körperliche Ertüchtigung war es nicht verwunderlich, dass Hartwig 1968 seine Ehrentraud ausgerechnet auf dem Neuenkirchener Sportlerball kennenlernte. Als zwei Jahre später Hochzeit gefeiert wurde, „hat Jens den Schneewalzer schon mitgetanzt“. Hartwigs Ältester kam im selben Jahr zur Welt, zwei Jahre später folgte Tochter Maren, und 1976 erblickte Sohn Tom das Licht der Welt. Das Paar war mehr als 40 Jahre, bis zum Tod Ehrentrauds vor vier Jahren, verheiratet.

Die erste Zeit ihrer Ehe war eine Zeit der Umbrüche. Bis 1974 hatte die junge Familie mit Hartwigs Vater zunächst noch allein, ab 1961 zusammen mit vier weiteren Bauern in einer LPG vom Typ I gewirtschaftet. Dann aber blieb nichts anderes übrig, als Boden, Maschinen und Vieh in die LPG III einzubringen. Bis 1986 arbeitete Harder in der LPG „Thomas Müntzer“ Rappin als Viehzuchtleiter, danach leitete er die Genossenschaft bis zur Wende. Die Liquidation der LPG „war eine harte Sache“, erinnert sich der rüstige Senior.

Doch sie war auch eine Chance für einen Neubeginn: Sohn Jens baute im Sommer 1990 mit Mutter Ehrentraud und mit der Unterstützung seines Vaters einen Landwirtschaftsbetrieb auf. Das war alles andere als einfach: Das Land war in keinen guten Zustand, alle Tiere mussten neu gekauft werden, an Kapital fehlte es. Trotzdem wurden als erstes ein Stall und eine Halle für das Getreide gebaut. „Da drüben“, Hartwig Harder zeigt in Richtung Wohnzimmer, „hat Angela Merkel gesessen.“ Die damalige Umweltministerin war in den neunziger Jahren mit einem Hubschrauber in Bubkevitz eingeschwebt, um sich vorbildliche Landwirtschaftsbetriebe anzusehen.

Während sich der jüngere Sohn Tom auf Viehzucht konzentriert, baut Jens, der ältere, Raps, Weizen und Wintergerste an. Mit dem Vater, dessen Lebensgefährtin Karin und seinen Söhnen lebt er in einem Mehrgenerationenhaus, so „wie es früher schon immer war.“ Hartwig Harder ist zufrieden, dass das Werk seines Vaters von dessen Enkeln fortgeführt wird. Doch er sieht auch, wie sich das Leben der Bauern verändert hat: „Früher waren sie krumm und schief von der harten Arbeit“, sagt er, und heute seien sie wegen des immensen Verwaltungsaufwandes im Stress.

Susanna Gilbert

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