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Rügen Beim Stricken wird philosophiert
Vorpommern Rügen Beim Stricken wird philosophiert
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00:00 30.08.2013
Ob Alpaka Seide, Schurwolle oder ägyptische Baumwolle — auf ihren Strick-Treffen veredeln die Nesebanzer Damen fast jeden Stoff.
Nesebanz

Ob Boshi-Mützen, Pucksäcke, Handytaschen oder Socken — in den letzten Jahren hat sich in Nesebanz eine Strickkultur entwickelt. Von den 44 Einwohnern des Dorfes treffen sich acht Frauen regelmäßig, um bei Nadel und Wolle über die Entwicklungen der Dorfgemeinschaft zu philosophieren. „Wir treffen uns meist abends. Alle acht haben bisher aber noch nicht in einer Runde zusammen gefunden“, sagt Katrin Werner, eine der ersten Nesebanzer Strickerinnen. „Vor ungefähr sieben Jahren haben wir das erste Mal gemeinsam gestrickt. Es ist ein gutes Mittel, um durch den Rügener Winter zu kommen“, sagt Jana Schultz. „Um Nesebanz herum sind überall Felder. Wenn es stark schneit, sind wir von der Außenwelt abgeschnitten.“ Auch wenn etliche von Ihnen alleine stricken, so macht es den Frauen besonders in Gemeinschaft Spaß. Astrid Gerull findet sogar, dass Stricken süchtig macht. „Dabei werden im Körper Hormone ausgeschüttet, so löst Stricken regelrecht Glücksgefühle aus.“ Deswegen kann es den Nesebanzer Strickdamen auch nicht kompliziert genug sein. Inspiration geben sie sich gegenseitig, neue Herausforderungen suchen sie sich im Internet, entweder von dem Blog der Fadenfee oder dem Videopodcast der sogenannten Häkeloma. Zusammen haben die Nesebanzerinnen sehr interessante Einfälle. So wollen sie demnächst ein Schild bestricken, dass am Eingang des Dorfes darauf hinweist, dass man nur 30 km/h fahren sollte. Damit holen sie die sogenannten gestrickten Graffito auf die Insel. „Durch das Anbringen gestrickter Accessoires wird das Dorf noch schöner“, verspricht Jana Schultz. „Man sieht diese immer öfter, zuletzt habe ich so was in Stralsund gesehen.“

Gelegentlich führt der gelebte Strickwahn aber auch zu Stress. „Manchmal kommt man morgens kaum aus dem Bett“, erklärt Katrin Werner. Vor zwei Monaten wollte die 43-jährige Ergotherapeutin eine Hose für ihre Nichte beenden. „Es wurde knapp. Da musste ich die Hosenbeine Jana geben. Sie war zu diesem Zeitpunkt hochschwanger zu Hause.“ Doch als Katrin Werner diese abholen wollte, war Jana Schultz bereits mit den Wehen auf dem Weg ins Krankenhaus. Glücklicherweise hatte sie die fertige Hose bereits bei einer weiteren Freundin hinterlegt.

In Nesebanz greifen übrigens nicht nur die Frauen zu den Nadeln. Auch der Lebensgefährte von Astrid Gerull ist vom Strickvirus infiziert. Zuletzt gelang ihm eine hochpräzise Handytasche.

Stricken als Straßenkunst
Gestricktes Graffito, Guerilla Knitting oder auch Knitted Graffiti ist eine Kunstform, die der Streetart entlehnt ist. Bei dieser werden Gegenstände im öffentlichen Raum durch Stricksachen verändert. Dies kann vom Anbringen gestrickter Accessoires bis zum Einstricken ganzer Möbel reichen. Die Werke können lediglich der Verschönerung dienen oder auch eine symbolische Bedeutung haben. Häufig sind feministische Aussagen anzutreffen. Die erste Vereinigung von Guerilla-Strickern nennt sich „Knitta Please“. Anfang 2005 begannen Strickerinnen in Houston (USA) mit gestrickten Accessoires Türklinken zu verschönern, anstatt Socken oder Pullover zu stricken.

Kay Steinke

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