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Beluga-Fall beschäftigt Bundespolitik

Sassnitz Beluga-Fall beschäftigt Bundespolitik

Petitionsausschuss des Bundestages leitet weitere Anhörungen zum Untergang des Kutters ein.

Sassnitz. „Als mein Vater plötzlich in der Tür stand, der damals die Ein- und Ausläufe der Schiffe in der Sassnitzer Hafenzentrale überwachte, wusste ich – es ist etwas passiert.“ Die Bilder der tragischen Nacht vom 17. zum 18. März 1999 haben sich ins Gedächtnis von Beate Schneider gemeißelt. In jener Nacht sank der Fischkutter „Beluga“ zwischen Rügen und Bornholm. Ihr Mann, Frank Schneider, war der Kapitän und kam ebenso wie Maschinist Hartmut Gleixner und Lehrling Martin Senfft ums Leben. Bis heute sind die genauen Umstände dieses Unglücks nicht geklärt. „Wir geben nicht auf“, steht für die Kapitänswitwe auch 18 Jahre danach fest. Und sie weiß, dass der „Fall Beluga“ nicht zu den Akten gelegt ist. „Der Petitionsausschuss des Bundestages beschäftigt sich damit“, sagt Beate Schneider.

18 Jahre nach dem Unglück zünden Beate Schneider und Sohn Christian Kerzen am Gedenkstein für die auf See gebliebenen Hochseefischer und Seeleute an der Sassnitzer Promenade an. „Für mich ist das nicht nur ein Trauer- und Gedenktag, sondern auch einer des Zusammenkommens. Der gibt mir Kraft. Ich weiß, dass ihr alle bei uns seid“, sagte der heute 30-Jährige bei der schon zur Tradition gewordenen Gedenkveranstaltung, die der von Hinterbliebenen nach dem Beluga-Unglück gegründete Verein „18. März“ ins Leben gerufen hat und jedes Jahr veranstaltet. In diesem Jahr verneigten sich – auf den Tag genau 18 Jahre nach dem Beluga-Unglück – rund 30 Vereinsmitglieder und Sassnitzer vor den auf See Gebliebenen und gedachten ihrer. Darunter viele ehemalige Hochsee- und Fischer, Mitglieder des Nautischen Vereins und Ehrenamtler der Seemannsmission von Rügens Hafenstadt. Auch der ehemalige Sassnitzer Bürgermeister Dieter Holtz, der zu den 19 Mitgliedern des Vereins „18. März“

gehört, und Frank Kracht als sein Nachfolger im Amt des Bürgermeisters sowie der Journalist Lutz Riemann erwiesen den auf See Gebliebenen die Ehre. Riemann und sein Berufskollege Michael Schmidt beschäftigen sich seit Jahren mit dem Fall „Beluga“, weil sie wie die Hinterbliebenen die von amtswegen herausgegebene Version des Untergangs anzweifeln. Beide haben aufwändig recherchiert und zum Fall „Beluga“ ein Buch verfasst.

„Wahrscheinlich“ ist das Wort, das weder Beate Schneider noch Lutz Riemann ruhen lässt. Das Rostocker Seeamt hat den Untergang des Kutters „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ auf das Eindringen von Wasser über zwei nicht vorschriftsmäßig geschlossene Bodenspeigatten zurückgeführt. Von dort aus sei das Wasser „über die offene Luke in den Fischladeraum“ und den Maschinenraum eingedrungen. Das stellen die Kapitänswitwe, erfahrene Fischer sowie Michael Schmidt und Lutz Riemann ebenso in Frage wie die vom Bundesoberseeamt Hamburg getroffene Entscheidung, dass das Unglück nicht auf Fremdeinwirkung zurückzuführen ist. Die beiden Journalisten kommen im Ergebnis ihrer Recherchen – „bei denen Behörden gemauert haben“, so Riemann – zu dem Schluss, das davon auszugehen sei, dass ein militärischer Schleppverband den Beluga-Untergang verursacht habe. Zum Zeitpunkt des Untergangs fand in dem Seegebiet ein Manöver statt. Und die Beluga, die zwei Wochen nach dem Untergang gehoben wurde, war fast unbeschädigt. Der Kran hatte allerdings eine ungewöhnliche Stellung. Dessen Motor war aus der Verankerung gerissen. Außerdem wurden am Schornstein eigenartige Schleifspuren entdeckt.

„Es geht um die Ehre der auf See gebliebenen Fischer. Wir sind es ihnen und ihren Hinterbliebenen schuldig, dass der Fall exakt aufgeklärt wird“, betonte Lutz Riemann am Rande der Gedenkveranstaltung. Dass sich der Petitionsausschuss des Bundestages jetzt mit dem Fall beschäftigt, bezeichnet der Journalist als „kleinen Erfolg“. Beate Schneider hatte sich mit einem entsprechenden Antrag im vergangenen Jahr an den Ausschuss gewandt. Der sei angenommen worden, so Riemann. „Inzwischen hat es bereits zwei Anhörungen mit Sachverständigen, Vertretern der Ministerien und Militärexperten gegeben. Noch ist es aber zu früh, über Ergebnisse zu sprechen.“

Udo Burwitz

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