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Bergens Kunstrasen gesperrt: Fußballer proben den Aufstand

Ruevfl Bergens Kunstrasen gesperrt: Fußballer proben den Aufstand

Weil der Platz nicht vom Schnee befreit wird, können Spiele nicht absolviert werden. Die Kicker werfen der Stadt Untätigkeit vor — und spielten aus Protest vorm Rathaus Fußball.

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Fu�baller des VfL Bergen trafen sich am Sonntag auf der Freifl�che vorm Bergener Rathaus zu einem Protestspiel. Fotos (2): Rico Nestmann

FußballEin Kleinbus fährt vor, die Heckklappe öffnet sich, ein Fußballtor kommt zum Vorschein. Wenige Handgriffe genügen, um die Freifläche vorm Bergener Rathaus in einen Fußballplatz zu verwandeln. Wenig später jagt ein Dutzend Inselkicker dem runden Leder hinterher. „Wenn wir schon nicht auf dem Bergener Kunstrasenplatz spielen können, müssen wir das eben hier tun.“

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So kann es auf keinen Fall weitergehen!“Sefedin Zeqiri, Trainer des VfL Bergen I

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Sefedin Zeqiri, Trainer des Fußball-Landesligisten VfL Bergen, ist empört. Mit dieser Aktion am Sonntagnachmittag protestierten Rügener Sportvereine gegen die Unbespielbarkeit des Kunstrasenplatzes.

Sie werfen der Stadt Untätigkeit vor.

In Bergen wird das runde Leder schon lange nicht mehr laufen gelassen. Nur kurz konnten die vielen Mannschaften, die den Kunstrasen normalerweise nutzen, nach einer großen Räumungsaktion zumindest eine Hälfte betreten, doch der nächste Schneefall machte den Platz erneut unbespielbar. Eigentlich wurde der kostspielige Kunstrasenplatz dafür gebaut, um Heimspiele des VfL Bergen auch während des Winters und zu Beginn des Frühlings auszutragen, da der Rasenplatz im Bergener Ernst-Moritz-Arndt-Stadion bekanntlich für mehrere Monate gesperrt ist. „Doch aus dem lobenswerten Vorhaben wurde nichts. Die Vorbereitung der Fußballmannschaften musste größtenteils abgesagt werden und anstatt komfortabel zu Hause zu spielen, zahlte unser Verein unnötig Geld, um auf fremdem Kunstrasen zu kicken“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des VfL Bergen.

Zum Beweis, dass es möglich war, in dieser Zeit Spiele auf Kunstrasenplätzen auszutragen, braucht man nur den Blick nach Binz zu richten. Der dortige Kunstrasenplatz wurde rechtzeitig vor Beginn der Rückrunde in den Fußball-Ligen und -Klassen vom Schnee befreit und befindet sich seit dieser Zeit in einem tadellosen Zustand. Zeitgleich tat sich in Bergen nicht viel. Erst nach einer vereinbarten Schneeräumungsaktion war der Platz zeitweise begehbar. Dass dafür aber Spieler und Eltern, öffentliche Einrichtungen und Firmen einen ganzen Tag schufteten und sogar ihren Urlaub opferten, verleiht der ganzen Sache einen bitteren Nachgeschmack. Doch die Freude über die geleistete Arbeit dauerte nur so lange an, bis es wieder schneite.

Weil der Platz in Binz am Wochenende bespielbar war, verlangte der Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern, dass die Partie zwischen VfL Bergen und Anker Wismar II in der Landesliga in Binz ausgetragen werden sollte. Nach langem Hin und Her wurde schließlich die für Sonntag um 10 Uhr angesetzte Partie erst einmal um eine Woche verschoben. Wo die Bergener den Gast aus Wismar am Sonntag begrüßen sollen, steht jedoch noch in den Sternen.

„Mit dem seit November unbespielbaren Kunstrasenplatz in Bergen ist weder den Fußballmannschaften der Insel noch der Stadt geholfen, denn alle Parteien leiden unter dem momentanen Zustand. Die Fußballer können ihrem Hobby nur teilweise oder gar nicht nachgehen und die Stadt hat mit dem Bau des Kunstrasens, der jedoch gesperrt ist, nicht für den nötigen Erfolg gesorgt“, heißt es dazu weiter in der Pressemitteilung des VfL Bergen.

Astrid Schlegel, Chefin des Bergener Bürgeramtes, kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Sie ist enttäuscht, dass der VfL Bergen nicht das Gespräch mit der Stadtverwaltung zur Lösung des Problems gesucht hat. „Wir haben für das Beräumen des Platzes im Winter keine Maschinen. Eine Spezialschneefräse für den Einsatz auf Kunstrasen kostet 10 000 Euro. Viel Geld für eine Maschine, von der man nicht weiß, wie oft sie zum Einsatz kommt. Selbst wenn der Schnee weg ist, ist der Platz noch immer gefroren. Außerdem besteht im Fußball ab Liga 3 keine Schneeräumpflicht mehr“, so Astrid Schlegel.

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1,2 Millionen Euro hat der neue Kunstrasenplatz in Bergen gekostet, der am 10. September 2011 nach einer Bauzeit von elf Monaten eröffnet wurde.

„Mit dem neuen Kunstrasenplatz ist das Trainingszentrum Bergen künftig bestens aufgestellt.“ Markige Worte von Bergens Bürgermeisterin Andrea Köster (CDU), die in ihrer feierlichen Eröffnungsrede zu hören waren. 850 000 Euro Fördermittel flossen aus der Landeshauptstadt auf Deutschlands größte Insel, um den DFB-Stützpunkt Bergen aufzuwerten.

Rico Nestmann und Tony Glasow

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