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Beste Literatur im Schatten der Gingster Kirche

Gingst Beste Literatur im Schatten der Gingster Kirche

Petra Dittrichs Buchladen ist schon lange kein Geheimtipp mehr / Bei ihr kommt nur in die Regale, was sie selber lesenswert findet

Gingst. Es kann schon mal vorkommen, dass Petra Dittrich am Sonntagmorgen aus dem Bett geklingelt wird, weil jemand noch schnell ein Geburtstagsgeschenk braucht. Das findet die Inhaberin des Gingster Buchladens nicht weiter tragisch. „Dann gehe ich eben im Nachthemd in den Laden“, sagt die 43-Jährige. „Schließlich bin ich keine Behörde.“

Seit 2009 hält die gebürtige Bergenerin die Tür ihres kleinen, gemütlichen Buchgeschäfts offen, und von Jahr zu Jahr durchforsten mehr Kunden ihre Regale nach der passenden Literatur. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil sich nur wenige Buchhändler auf Rügen halten konnten. Die einladenden Räume, das liebevoll arrangierte Ambiente und eine kompetente Beratung machen den Laden in dem alten Haus am Marktplatz zu einer Oase für Bücherwürmer und solche, die es werden wollen. Feriengäste aus der Großstadt sind oft erstaunt, dass es noch ein solch kleines Buchgeschäft gibt, denn in den Metropolen haben die großen Buchketten die Konkurrenz kleiner Händler zumeist ausgeschaltet.

Dass Petra Dittrich einmal in Gingst im eigenen Laden stehen und Bücher verkaufen sollte, hätte sich niemand aus ihrem Bekanntenkreis vorstellen können. Denn nach der Wende war die gelernte Verkehrskauffrau „erst einmal für 20 Jahre verschwunden.“ Zunächst genoss sie die „große Freiheit“ in Berlin, jobte auf einem Theaterschiff und hinter der Bar des Friedrichstadt-Palastes. Auf weiteren Stationen in Amsterdam und Hamburg arbeitete Petra Dittrich immer wieder im Buchhandel, landete schließlich 2000 für ein Jahr in Gingst in einem Geschäft für spirituelle Literatur, der just in dem Haus untergebracht war, in dem sie später selbst einen Laden eröffnen sollte. Auch wenn sie zunächst weiterzog – „das Haus habe ich immer im Auge behalten“. Und als der Entschluss, sich selbstständig zu machen feststand, da musste es in genau diesem Haus sein. Denn die Lage im Schutz der Kirche inmitten „eines der schönsten Dörfer Rügens“ hatte es ihr angetan.

Familie und Freunde waren zunächst skeptisch, ob sie, die es an keinem Ort lange ausgehalten hatte, ihren Plan erfolgreich in die Tat umsetzen würde. Alleine wäre das auch nicht zu schaffen gewesen, doch glücklicherweise begegnete sie just in dieser schwierigen Zeit Beate Bohmann. Seitdem sind die beiden ein Paar und wohnen gemeinsam über dem Buchladen. Wenn die Freundin auch unter der Woche als Pharmazieingenieurin in Bergen arbeitet, dann hilft sie doch in ihrer Freizeit, wo sie kann. „Das ist unser gemeinsames Projekt.“ Ein äußerst erfolgreiches, denn mittlerweile kommen auf Dittrichs Einladung prominente Autoren zu Lesungen auf die Insel.

Zwei Mal im Jahr – zu Jahresbeginn und im Herbst – arbeitet sich Petra Dittrich durch Berge Neuerscheinungen durch, um die Bücher zu finden, die zu ihr, ihrem Laden und zu den Kunden passen. „Ein tolles Buch schaffe ich nicht aus der Hand zu legen“, gesteht die passionierte Leserin. Dank ihrer langjährigen Erfahrung wird sie als Ratgeberin geschätzt. „Schon beim Lesen weiß ich oft, wem das Buch gefallen könnte.“ Und so findet man in ihrem Laden eine gute Mischung aus Romanen, Sachbüchern, Literatur mit regionalem Bezug und vielen Kinderbüchern. „Was ich nicht mag, stelle ich mir nicht ins Regal.“

Auch wenn sich ihre Jugend fast nur im Pferdestall abgespielt hat – ein Pferd, Pony oder Esel zu besitzen, ist auch heute noch ihr Traum – dann blieb schon immer Zeit zum Lesen. Als junges Mädchen war sie von Dschingis Aitmanows Liebesnovelle „Djamila“ zu Tränen gerührt. Unter den aktuellen Publikationen gehören „Das Mädchen“ von Angelika Klüssendorf und „Die Geschichte der Baltimores“ von Joel Dicker zu den favorisierten Romanen. Petra Dittrich freut sich auch, dass ein Verlag den Rügen-Klassiker, Johann Jakob Grümbkes „Streifzüge durch das Rügenland“ aus dem Jahr 1805, neu auflegen will. Denn eines weiß sie: „Keiner wird vergessen, der gut schreibt.“

• Veranstaltungskalender: www.der-buchladen-ruegen.de

Susanna Gilbert

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