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Rügen Biker auf Tour: Bildungsreise auf zwei Rädern
Vorpommern Rügen Biker auf Tour: Bildungsreise auf zwei Rädern
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00:00 24.06.2017
Treffen in Binz: Bürgermeister Karsten Schneider (5. v.r.) und die motorradfahrenden Bildungsreisenden. Quelle: Foto: Kurverwaltung Binz

Ungewöhnlicher Besuch beim Bürgermeister von Binz: Elf Biker aus Hessen und Nordrhein Westfalen hatten um einen Termin gebeten. Besser gesagt: elf motorradfahrende Bildungsreisende, unter ihnen zwei Frauen, ein pensionierter Lehrer, der Mitarbeiter einer Stadtverwaltung, ein Logistiker, ein Sozialarbeiter. Sie hatten mit ihren Zweirädern die Insel Rügen erkundet, waren unter anderem zu einer geführten Wanderung auf der Insel Vilm und besuchten Prora. Im Gemeindeamt von Binz wollten sie mehr erfahren über die Entwicklung von Rügens größtem Ostseebad.

Und Bürgermeister Karsten Schneider nahm sich die Zeit, den Ort vorzustellen und viele Fragen zu beantworten. Es ging um Einwohner- und Bettenzahlen, um die touristische Infrastruktur, um kommunales Bauen und die Vorhaben, die in Prora von Investoren umgesetzt werden.

„Vor drei Jahren waren wir mit anderen Teilnehmern schon einmal hier. In dieser kurzen Zeit hat sich sehr viel verändert“, sagte Klaus Nakielski. Er ist verantwortlich für die Reiseleitung der Motorradtouren und arbeitet im Auftrag des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks e.V. Dortmund (IBB). Für ihn war es der 4. Rügenbesuch.

Dieses deutschlandweit einzigartige Reiseangebot wird von einigen Bundesländern als so genannter Bildungsurlaub anerkannt, steht unter dem Motto „Den Osten erfahren“ und ist nach eigenen Angaben ein Geheimtipp. Nur drei bis vier Touren pro Jahr bietet der Verein für jeweils elf Teilnehmer an. „Wir haben schon einen richtigen Fanclub“, so Geschäftsführerin Elke Wegener auf der Internetseite www.ibb-d.de. Der Grund liege auf der Hand: Die Routen über kurvenreiche Landstraßen und durch malerische Alleen sind reizvoll, die Zwischenziele interessant, die Begegnungen informativ und unterhaltsam – so auch in Binz.

Die Tour durch den Norden führte die Teilnehmer zunächst nach Peenemünde und Stralsund. Weiter ging es nach Ahrenshoop, wo die Biker mehr erfuhren über die Geschichte der FKK-Bewegung in der DDR und über den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Von Wismar aus fuhren sie nach Gülzow zu einem Gespräch mit Mitarbeitern der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. und zu deren Projekten „Landwirtschaft als Energieträger“. Gestern standen die Besichtigung der Deponie Schönberg und ein Treffen mit der Bürgerinitiative auf dem Programm. Zum Abschluss gab es eine Führung in Wismar zum Thema Weltkulturerbestadt der UNESCO. Nicht nur der wirtschaftliche Wandel sei ein Thema, auch die Geschichte und Erinnerungskultur. „In Gedenkstätten und Museen warten häufig nicht nur professionelle Museumspädagogen, sondern auch Zeitzeugen, die eindrucksvoll aus ihrer Lebensgeschichte berichten. Besonders durch diese Begegnungen ist jede Fahrt anders“, sagt Klaus Nakielski. „Wir haben schon manch eine skurrile Geschichte gehört und immer ein tieferes Verständnis für die Situation in den ostdeutschen Bundesländern gefunden.“

Auch in MV gibt es Bildungsurlaub: www.bildungsurlaub.de

Als Verein gegründet

IBB – Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e.V. Dortmund wurde ursprünglich aus einer Arbeitsloseninitiative in Dortmund als Verein gegründet, heute arbeiten etwa 120 fest angestellte Mitarbeiter an den Standorten Dortmund, Berlin, Minsk, Charkiv. Unterstützung kommt von freiberuflichen Arbeitskräften und Mitgliedern sowie von vielen Kuratoren, die ihre Kompetenzen in die Arbeit einbringen. Insgesamt werden derzeit Kontakte in 16 europäischen Länder unterhalten.

OZ

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