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Rügen Binz überlässt Seetang meist der Natur
Vorpommern Rügen Binz überlässt Seetang meist der Natur
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00:01 08.06.2017
Binz

Die ersten warmen Tage auf der Insel und schon verging einigen Urlaubern das Strandvergnügen. So am Campingplatz des Bundeswehrsozialwerkes in Prora. Dort habe der Strand tagelang „vor sich hin gestunken“, schilderte Rainer Krüger. „Da fragt man sich, wohin die Gelder aus der stolzen 2,85 Euro Kurtaxe hinfließen. In einen sauberen Strand nicht“, empört sich der Brandenburger.

Seetang-Berge wie hier vor sieben Jahren in Binz hat die Ostküste Rügens noch nicht zu beklagen. Erste Anspülungen ärgern die Urlauber aber bereits.

Auch Steffen May machte seinem Ärger gegenüber der OZ Luft. Tagelang habe angeschwemmte Seegrasmodder am Strand herum gedümpelt. Der Gestank hatte sich auf dem Zeltplatz breit gemacht, so der Urlauber, der deshalb auf das Baden habe verzichten müssen. Die Verantwortlichen in Binz seien darauf hingewiesen und um Abhilfe gebeten worden. Sie hätten aber nicht reagiert, so May.

In der Binzer Kurverwaltung sah man bisher keinen Grund zum Handeln. „Im Moment ist alles weg, das hat sich auf natürliche Art und Weise erledigt“, erklärte Sprecherin Marikke Behrens. Es werde zwar regelmäßig an den Stränden geschaut, aber man wolle so wenig wie möglich in den Badebetrieb und die Natur eingreifen. „Das hängt natürlich vom Ausmaß ab. Wir entscheiden das operativ“, so Behrens.

Das Problem: Sobald man die Treibselhaufen vom Strand wegbewegt, sind sie Sondermüll. Und somit teuer in der Entsorgung. Treibsel ist die Bezeichnung für die Gesamtheit der pflanzlichen Materialien, die an den Strand angespült werden, wie Algen, Tang oder Seegras. Die Naturmasse muss zuerst aus dem Wasser geholt und getrocknet werden. Ein Zwischenlager dafür gebe es in Binz derzeit nicht.

In Sellin hat die Kurverwaltung gerade weiter in die technische Ausrüstung für die Strandreinigung investiert. Für 405000 Euro (MV finanzierte 354000 Euro) wurden Bagger, Radlader und Traktor mit Anhänger angeschafft. Während in der Nebensaison der Strand einmal wöchentlich gereinigt wird, drehen die technischen Mitarbeiter der Kurverwaltung in der Hauptsaison noch bis Ende Oktober täglich jeden Morgen ihre Runden an den Stränden. Dabei rücken sie dem natürlichen „Schmutz“ und den Verunreinigungen, die die Menschen hinterlassen, zu Leibe. Mit einem Bagger, der eine spezielle Siebschaufel mit einer bestimmten Lochgröße hat, wird Seetang aus dem Spülsaumbereich und vom Ufer aufgenommen. Ein Teil des darin enthaltenen Wassers kann durch die Öffnungen abfließen. Die Seetanghaufen nimmt ein Radlader auf und befördert sie auf einen Anhänger, mit dem sie zum Zwischenlager am Südstrand gebracht werden. Von dort wird der Tang zu einer Deponie transportiert oder zu Bauern, die die Algen als Dünger verwenden, erklärt Kurdirektorin Adriana Zawisza. „In diesem Jahr hatten wir schon Nachfragen von Bauern, aber bisher ist unser Lager noch leer“, klopft die Kur-Chefin auf Holz. Die Kurverwaltung gibt im Jahr zwischen 50 000 und 70000 Euro für die Strandreinigung aus. Bei den Algenmassen vor zwei Jahren waren es sogar 100000 Euro.

In Kürze haben die Insel-Gemeinden die Möglichkeit, in Bergen ihr Strandgut zu entsorgen. Der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Rügen (ZWAR) weiht nach zweijähriger Bauzeit am 14.

Juni nahe der Kläranlage Bergen am Teteler Landweg die erste thermische Klärschlammverwertungsanlage Mecklenburg-Vorpommerns ein. Dort können die Gemeinden zu einem gewissen Teil auch das an ihren Ufern angeschwemmte Seegras sowie Algen loswerden. Das ist mit einem Anteil von bis zu sieben Prozent möglich, informiert Pressesprecher Reinhard Litty auf OZ-Nachfrage. Von den 2500 Tonnen Trockenmasse pro Jahr, die die Anlage verwerten kann, sei das schon eine Menge. Jedoch hätte bisher nicht eine Gemeinde Interesse bekundet. „Geschweige denn, dass mit uns ein Vertragsverhältnis eingegangen wurde“, ist Litty verwundert. Die Entsorgung sei für die Gemeinden, die selbst den Transport übernehmen müssen, kostenpflichtig. Wie hoch die Kosten für die Kommunen wären, dazu sei man aber noch gar nicht veranlasst worden, diese konkret zu ermitteln, so Litty.

Für die Düngung interessant

Treibsel bezeichnet im weitesten Sinne alles Strandgut, das an der Küste angeschwemmt wird. Im engeren Sinne versteht man darunter vor allem abgerissene pflanzliche Stoffe, die ans Ufer gespült werden. Sammelt die Gemeinde die Pflanzen ein, ist sie zur Entsorgung verpflichtet.

Für die Düngung von Äckern oder Gärten sind vor allem der im Treibsel enthaltene Tang, Seegras und verschiedene Algenarten interessant. Hierfür ist allerdings eine Vorbehandlung des Treibsels erforderlich. Das Pflanzen-Sand-Gemisch muss vor der Ausbringung von Müll befreit und chemisch untersucht werden. Algen haben eine hohe Enzymaktivität, bringen Nährstoffe und Feuchtigkeit in den Sand.

Gerit Herold

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