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Binz will Seniorenquartiere retten

Binz Binz will Seniorenquartiere retten

Eigentümer plant, die Wohnanlage zu Ferienwohnungen zu machen. Die Kommune will das verhindern.

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Altersgerechte Quartiere will der Eigentümer verkaufen.

Quelle: Maik Trettin

Binz. „Zu verkaufen“ — dieses Schild am Haus „Sonneneck“ hatte die Bewohner des altersgerechten Hauses an der Binzer Sonnenstraße in den zurückliegenden Wochen beunruhigt. Wo seit 2002 Senioren ihren Lebensabend verbringen, sollten Feriengäste einquartiert werden, die altersgerechten Wohnungen in Ferienquartiere umgewandelt werden. Darüber entrüsten sich nicht nur die Bewohner. Auch in der Gemeinde regt sich Widerstand gegen das Vorhaben. Die Kommune will das Seniorenwohnhaus samt Begegnungsstätte unbedingt erhalten — möglicherweise von ihrer Tochter, der Binzer Wohnungsgesellschaft, kaufen lassen. „Wir stehen mit den Eigentümern in Verhandlungen“, bestätigt Bürgermeister Karsten Schneider der OZ.

Diethard Pfeifer ist Geschäftsführer des Kreisverbandes der Volkssolidarität Rügen. Die bietet in dem altersgerechten Wohnhaus ihre Dienstleistungen an. „Aus dieser Einheit lassen sich durch Umbau weitere Wohnungen (2 bis 3 Einheiten) gewinnen“, heißt es im Exposé eines Maklerbüros, das bislang versuchte, neue Eigentümer für die Wohnungen zu finden, die Wohnanlage sozusagen in Eigentumswohnungen aufzuteilen. Zwei Jahre läuft der Mietvertrag der Volkssolidarität für die Begegnungsstätte in dem Haus noch, sagt Pfeifer. Die der Wohnungsmieter sind unbefristet. „Das haben wir den Senioren immer deutlich gemacht.“ Die Aufregung unter den Mietern sei angesichts der Verkaufspläne groß gewesen. Ein Anwalt und der Bürgermeister betrieben mit der Volkssolidarität Aufklärungsarbeit, erläuterten, dass ein neuer Eigentümer die Mietverträge übernehmen müsse und die Mieten nicht nach Gutdünken nach oben schrauben könne.

Bei den Kollegen vor Ort sorgt dieser Nervenkrieg um die Seniorenwohnungen für Kopfschütteln. „Die sollen die alten Leute doch in Ruhe lassen!“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, verärgert. Die Bewohner und deren Angehörige seien seit Monaten beunruhigt. Gab es jahrelang Wartelisten von Interessenten für eine der 43 Wohnungen, stehen nun neun leer. Früher hatte sich die Volkssolidarität um die Vermietung gekümmert. Nachdem der aktuelle Eigentümer, die Rostocker Bargeshagen Invest Projekt GmbH, nach dem Kauf des Hauses 2012 erfolglos versucht hatte, den Wohlfahrtsverband aus dem Haus zu klagen, hatten sich beide Seiten auf einen Vergleich geeinigt. Fortan sollte die Vermietung nicht mehr über die Volkssolidarität, sondern über den Eigentümer laufen.

Weil der die Wohnungen lieber verkaufen als vermieten wollte, blieben einige lange Zeit leer. Inzwischen habe es ein Umdenken gegeben. „Seit Mitte des Sommers wird wieder neu vermietet“, sagt Pfeifer. Über mangelnde Nachfrage kann sich die Eigentümergesellschaft nicht beklagen.

Wegen dieses Bedarfs sei die Wohnanlage entstanden. „Da war ursprünglich schon ein Haus mit Ferienwohnungen geplant“, erinnert sich der VS-Geschäftsführer. Der damalige Eigentümer habe dann erkannt, dass es in Binz einen Markt für altersgerechtes Wohnen gebe und umgeplant. „Dabei wurden wir im Vorfeld einbezogen und konnten unsere Vorstellungen einbringen.“

Dass die Senioren an dieser Stelle nicht den Urlaubern weichen sollen, darüber bestehe in der Gemeinde weitgehend Einigkeit, sagt Bürgermeister Schneider. Das zu verhindern hilft — kurioserweise — die Fremdenverkehrssatzung. „Die soll ja eigentlich den Fremdenverkehr sichern“, weiß Schneider. Allerdings regelt sie, dass in bestimmten Bereichen eine Teilung von Wohneigentum der Genehmigung bedarf. Weil eine solche in diesem Fall von den Binzern nicht zu erwarten sein dürfte, lässt sich die Seniorenwohnanlage nur schwer in Eigentumswohnungen aufteilen, muss im Komplex verkauft werden.

Ihr Interesse habe die Wohnungsgesellschaft bekundet. Jetzt müssten sich beide Seiten in den Preisverhandlungen annähern.

 



Maik Trettin

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