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Rügen Binzer Gästekarte für 3,90 Euro?
Vorpommern Rügen Binzer Gästekarte für 3,90 Euro?
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00:00 08.10.2018
Binz

Lange wurde über sie geredet, nun soll sie auch kommen: Die Gästekarte Binzer Bucht für 3,90 Euro soll ab 2019 eingeführt werden. Mit ihr soll der klassische Begriff Kurkarte modernisiert und abgelöst werden. „Sie klingt nicht nur besser, sondern bietet auch viel mehr Leistungen“, machte Kurdirektor Kai Gardeja den Mitgliedern des Betriebsausschusses Kurverwaltung auf ihrer außerplanmäßigen Sitzung das neue Produkt schmackhaft. Er betonte gleichzeitig, dass es die erste Lesung und Beratung zur künftigen Kurabgabe und erst der Anfang einer gemeinsamen Diskussion sei. Ebenso zum Thema Fremdenverkehrsabgabe. Diese werde auf jeden Fall um zwei Drittel erhöht.

Ausschuss ist von der Idee, aber nicht vom Angebot überzeugt. Fremdenverkehrs-abgabe wird erhöht.

Das Thema Gästekarte in Binz ist kein neues. Über deren Einführung ab 2019 und eine umfassende Markenstrategie fasste der Gemeinderat im Juli dieses Jahres einen entsprechenden, einstimmigen Beschluss. Zuvor sind in zwei Branchenkonferenzen in diesem und im letzten Jahr die Themen Gästekarte und Marketingstrategie vorgestellt worden.

Mit der Prädikatisierung des Binzer Ortsteils Prora als Erholungsort sei es Ziel, eine einheitliche Abgabe für das Gemeindegebiet zu erheben. Die Gästekarte soll für die Binzer Bucht als regionale Marke gekennzeichnet sein, wobei nicht nur Binz und Prora allein gemeint seien sollen. „Die Binzer-Bucht geht nach vorne in die Kommunikation und soll im Sinne der Profilschärfung die emotionalen Nutzen von Binz , Prora und Umgebung präsentieren, um diese für die Region insgesamt zu nutzen“, begründet Kai Gardeja. Flankiert würden so beispielsweise auch Putbus als Wiege der Entwicklung von Binz, die Feuersteinfelder, die Granitz mit Jagdschloss, der Kleine Jasmunder Bodden, der Port Mukran, Sassnitz und die Kreidefelsen.

Die Gästekarte habe für alle Seiten einen Mehrwert: für die Destination, den Gastgeber und den Gast. Man sei mit 26 Leistungsanbietern im Gespräch, so Gardeja. Klassische Kurabgabe plus Erlebnisleistung ist gleich Gästekarte Binzer Bucht, heißt die Formel. Und in Zahlen: Bisher kostet die Kurkarte in Binz, einschließlich der beiden Campingplätze Meier und Bundessozialwerk in Prora ganzjährig 2,85 Euro pro Person und Tag. Künftig würden dann 1,05 Euro mehr als täglicher Erlebnispreis hinzukommen, in der Summe sind es also 3,90 Euro. Dem einen Euro mehr stehe ein Gegenwert von insgesamt 249 Euro gegenüber, argumentierte der Kurdirektor. Sommervarieté, Museen, oder Naturerbe Zentrum könnte beispielsweise kostenfrei genutzt werden – so oft der Gast wolle. Die Gästekarte soll mit der Buchung digital verfügbar sein, um Angebote schon bei der Anreise nutzen zu können. „Es ist eine einfache Nutzung, alles ist kostenfrei, es gibt keine Rabatte oder Mogelpackungen“, so Gardeja. Bei den Gästezahlen verzeichne Binz ein „Null-Wachstum“. Um Urlauber anzulocken, seien deshalb starke Differenzierungen bei den Leistungen notwendig.

Ausschussmitglied Manuela Tomschin gab zu Bedenken, dass es auch Urlauber gibt, die nur kurzzeitig in Binz weilen oder Wiederholungs-Gäste sind, die diese Angebote nicht nutzen würden. „Die haben dann nichts davon“, so Tomschin. „Eine obligatorische Gästekarte für alle finde ich fraglich“, sah es Silke Schneider ähnlich. Mario Kurowski vermisste bei den Leistungen die fahrpreislose Nutzung des ÖPNV im Verbund mit Sellin, Baabe und Göhren. Schließlich sei diese in Binz und Prora mit der letzten Erhöhung der Kurtaxe auf 2,85 Euro im letzten Jahr schon abgebildet. Ausschussmitglied Helge Colmsee griff das Stichwort auf und kritisierte, dass die Leistungen nicht besser, sondern schlechter geworden seien. Zum Beispiel habe es weniger Veranstaltungen gegeben und auch im nächsten Jahr stünden dafür weniger Mittel bereit. Er plädierte sogar dafür, den Satz auf 2,50 Euro zu senken. Etliche Ausschussmitglieder waren der Meinung, dass eine Abgabe in den Wintermonaten geringer sein müsste, weil es weniger Angebote als im Sommer gibt. Oliver Wachter fragte, wie ein Missbrauch der Karte verhindert wird, um zu verhindern, dass zum Beispiel Urlauber aus Sellin in Binz eine Tagesgästekarte kaufen und damit dann umsonst ins Varieté gingen. Auch wollte er wissen, ob die Angebote überhaupt von den Gästen gewollt seien und die Hoteliers und Unternehmer dahinter stünden.

„Es ist unser Job, den Leuten Freizeitangebote zu verkaufen“, betonte der Kurdirektor. Im Oktober soll es ein Treffen mit Leistungsanbietern geben, um die Branche weiter mit einzubinden. Weiterhin müssten die „Befreiungs-Tatbestände“ erneut auf den Prüfstand, so Gardeja. Er verwies auf die politisch gewollte Freistellung von Kindern bis 18 Jahre von der Kurabgabe, die von der Gemeinde zu finanzieren sei. Und ebenso die für die Binzer, die die Gästekarte mit ihrem Mehrwert ja ebenfalls nutzen können, meinte Gisela Lemke mit Blick auf die Einwohnerkurkarte. Diese hatte Binz 2017 eingeführt.

Völlig umgekrempelt werden muss ab dem übernächsten Jahr die Satzung für die Fremdenverkehrsabgabe, kündigte Kurdirektor Kai Gardeja an. Diese müsse rechtlich auf saubere Füße gestellt werden. „In der Vergangenheit gab es viel, was wir nicht richtig gemacht haben“, so Gardeja. So seien die Einnahmen bei Kurtaxe und Fremdenverkehrsabgabe zum Teil falsch zugeordnet worden. Zum Beispiel könnten Sportveranstaltungen wie der Ironman oder das Ostseeschwimmen nicht wie bisher aus dem Etat der Kurtaxeeinnahmen bezahlt werden, da der Kurgast nicht direkt davon profitiere. Ein Teil der Event-Kosten, die Marketing und Werbung betreffen, könnten aus dem Topf der Fremdenverkehrsabgabe finanziert werden. Sämtliche Kosten für Fremdenverkehrswerbung seien derzeit über die Kurabgabe abgebildet. Die Fremdenverkehrsabgabe von Binz betrage derzeit rund 270000 Euro. Künftig soll der Wert um zwei Drittel erhöht und Prora mit eingebunden werden. Somit könnten Einnahmen in Höhe von 1,01 Millionen Euro generiert werden. Dazu wird eine Umstellung vom bisherigen Realgrößenmaßstab auf den umsatzbezogenen Maßstab erfolgen. Soll heißen: Es werden bei der Berechnung nicht mehr Tische oder Strandkörbe gezählt, sondern die Umsätze.

Dass die Unternehmer mit einer Million Euro belastet werden sollen, stieß im Ausschuss auf harsche Kritik. Vor zwei Jahren sei schließlich bereits die Gewerbesteuer erhöht worden. Es könne nicht sein, dass die Unternehmer des Ortes die Veranstaltungen finanzieren.

Kurkarte in Binz

Seit August kann sich der Binzer Ortsteil Prora mit dem Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“ schmücken. Damit ist die Kommune berechtigt, Kur- und Fremdenverkehrsabgaben zu erheben.

Diese soll für das Gemeindegebiet ab dem nächsten Jahr einheitlich sein. Dazu wird derzeit eine Kalkulation und eine entsprechende Satzung erarbeitet.

Gäste in Binz mussten bisher und einschließlich der beiden Campingplätze in Prora ganzjährig 2,85 Euro zahlen. Im letzten Jahr hatte Binz eine kostenfreie Einwohnerkurkarte eingeführt.

Gerit Herold

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