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Rügen Brand auf Rügen: Ehepaar wünscht sich neues Heim
Vorpommern Rügen Brand auf Rügen: Ehepaar wünscht sich neues Heim
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16:20 17.04.2019
Nach dem Brand eines Hauses in Volsvitz bei Gingst sammeln Feuerwehr und Gemeinde für die Geschädigten. Quelle: Uwe Driest
Gingst

Nach dem verheerenden Brand ihres Hauses am Sonntag in Volsvitz stehen Horst (82) und Ilse (84) Sommer buchstäblich vor dem Nichts. Was von dem Mobiliar des betagten Ehepaars nicht verbrannte, wurde durch das Löschwasser unbrauchbar. „Wir hatten zunächst versucht, einzelne Gegenstände in Sicherheit zu bringen, indem wir sie aus dem Haus trugen, merkten aber schnell, dass da nichts mehr zu retten war“, sagt Karsten Lange von der Freiwilligen Feuerwehr Gingst. Als die Flammen drohten, auf das Haus des Nachbarn Kay Ehlers überzugreifen, blieb den Kameraden nichts weiter übrig, als einen Giebel des reetgedeckten Doppelhauses einzureißen.

Lange, der zugleich Bürgermeister (Wählergruppe „Aktives Gingst“) der Gemeinde und Vorsitzender des Fördervereins der Feuerwehr ist, sann daher über Möglichkeiten nach, den Sommers zu helfen. „Während der Feuerwehr-Nachbesprechung kam uns dann die Idee, einen Spendenaufruf für die Familie zu starten, die durch den Brand ihr Zuhause und ihren Besitz verloren hat“, sagt er. Schnell konnte Lange Förderverein und Wählergruppe davon überzeugen, gemeinsam die Bevölkerung von Gingst und Rügen zur Unterstützung des Ehepaars aufzurufen.

Zumindest noch Papiere gerettet

Bilder vom Brand und dem Tag danach

Die dramatischen Ereignisse schildert Horst Sommer: „Ich wollte mittags unsere Katze füttern und sah, dass der ganze Hof voll Qualm war. Das Feuer war in der von unseren Nachbarn bewohnten Haushälfte entstanden und griff rasend schnell auf unseren Teil über. Ich wusste gar nicht, wohin ich laufen sollte.“ Ilse Sommer hatte gedankenschnell immerhin noch die wichtigen Papiere ergriffen, bevor sie vor den Flammen flüchtete. „Alles ist verbrannt und nicht mehr nutzbar. Wir haben kein Haus, keine eigene Unterkunft, und sogar die Katze ist seit dem Brand verschwunden.“ Glück im Unglück stellte der Umstand dar, dass auf dem benachbarten Grundstück zur anderen Seite ihr Sohn Roland (54) lebt, bei dem das Paar Zuflucht suchte, bis die Besatzung eines Rettungswagens die Betreuung übernahm. Bei ihm finden die Eheleute nun auch erst einmal Unterkunft. „Es war Glück, dass der Sohn über eine Zisterne verfügt, die wir sofort für die Löscharbeiten nutzen konnten“, sagt Karsten Lange. So habe immerhin verhindert werden können, dass die Flammen auch auf die Scheune übergreifen. Gegen 21.30 Uhr am Sonntag war der Löscheinsatz beendet, aber noch am Montagabend entdeckten die Kameraden der Feuerwehr Glutnester in Matratzen.

Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung

Ursache für das Feuer könnten ersten Informationen zufolge rauchende Teenager gewesen sein. Der Sohn der Familie, in deren Haushälfte der Brand entstanden war, soll am Wochenende unter Aufsicht eines Bekannten der Familie gestanden und sich mit zwei Freunden in dem Haus aufgehalten haben. Der Mann soll Zeugen zufolge noch versucht haben, die Flammen mit einem Feuerlöscher zu bändigen, was sich schnell als aussichtslos erwiesen habe. Die Kriminalpolizei ermittelt nun wegen fahrlässiger Brandstiftung. Den Schaden hatte die Polizei zunächst auf rund 200 000 Euro geschätzt.

„Wir hoffen, dass die Behörden zuvorkommend sind und unseren Notfall zügig bearbeiten, damit meine Eltern vielleicht schon zu Weihnachten in ein neues Zuhause einziehen können“, wünscht sich Sohn Roland. „Der einzige Wunsch, den wir haben, ist, dass wir noch einmal ein kleines Haus bekommen“, sagt Ilse Sommer unter Tränen. „Dafür haben wir unser ganzes Leben gearbeitet und auf Urlaub verzichtet.“ Wer der Familie helfen möchte, kann das unter dem Stichwort „Spende für Volsvitz“ über das Konto des Feuerwehrfördervereins Gingst (Iban: DE28 1309 1054 0003 8131 50) tun.

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