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Rügen Brexit? So what! Dieser Mann hat auf Rügen sein kleines englisches Königreich
Vorpommern Rügen Brexit? So what! Dieser Mann hat auf Rügen sein kleines englisches Königreich
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06:51 20.03.2019
Malcolm Wood mit Tochter Ella in Putgarten auf Rügen Quelle: C. Rödel
Putgarten

Ein Insel-Hopper im wahrsten Sinne des Wortes ist dieser auf Rügen lebende Brite Malcom Wood. Kurz vor Kap Arkona hat er sich mit seiner Familie ein kleines englisches Königreich aufgebaut. „Woody´s little Britain“ heißt das urgemütliche Gasthaus in Putgarten, in dem sich manche Gäste wie in einem Pub fühlen, aber andere wie in einer Teestube, wo es feinstes englisches Gebäck gibt.

Also: Irisches Bier einer weltberühmten Dubliner Brauerei gehören bei Familie Wood genauso zum Angebot dazu wie 60 verschiedene Teesorten unterschiedlicher Provenienz. Bei einer Tasse five o`clock tea können die Gäste britische Lebensart genießen und sich dazu täglich frisch hergestellte Scones und Cakes auf dem Gaumen zergehen lassen.

Alles handgemacht

„Alles homemade (hausgemacht)“, betont Malcom Wood immer wieder gerne. Mit dem ihm eigenen britischen Humor verkündet der Brite verschmitzt lachend: „Das sonnengereifte Obst für unsere Crumbles wird natürlich frisch geklaut in Nachbars Garten“. Damit er nicht falsch verstanden wird, sagt er dann aber doch die Wahrheit: „Unsere liebe Nachbarschaft liefert körbeweise Obst aus ihren Biogärten, und deshalb ist es kein Wunder, dass unser Kuchen so lecker schmeckt. Probieren Sie unsere frisch gebackenen Scones mit Clotted Cream und Orangenmarmelade“.

Das Sortiment hat Malcom Wood vor kurzem auch um den Bereich „Nonfood“ erweitert und bietet unter anderem hochwertige Schals und Hüte aus dem schottischen Hochland an. Der Urheber des Gasthausnamens ist übrigens die englische Bulldogge „Woody“, deren Konterfei im Wappen von „Woody´s little Britain“ zu sehen ist. Woody zieht sich meistens als gelegentlich knurrende Eminenz diskret in den Hintergrund zurück und macht es sich auf der Ledercouch im benachbarten Privathaus der Familie bequem. „Bis zu fünf Mal im Jahr fahre ich mit meinem Transporter von Rügen rüber auf die britischen Inseln bis nach Schottland, um Waren zu holen“, so der 1956 in Sheffield geborene Engländer.

England vor 37 Jahren den Rücken gekehrt

Bereits vor 37 Jahren kam der gelernte Stuckateur nach Deutschland, weil England in den 70-er Jahren wirtschaftlich als kranker Mann Europas galt: Hohe Arbeitslosigkeit, Inflationsraten bis 20 Prozent und Schulden in Milliardenhöhe lasteten auf dem Königreich. Als Premierministerin Maggi Thatcher 1979 an die Macht kam, hegten nicht wenige Briten die Hoffnung auf eine ökonomische Besserung ihrer Lebenssituation. Doch es erfolgte wenig später ein Ausverkauf der britischen Industrie, und der Falkland-Konflikt ließ die „Eiserne Lady“ in den Augen vieler britischer Wähler gar als Kriegsherrin dastehen.

Der bevorstehende Brexit stellt Großbritannien abermals vor große wirtschaftspolitische Herausforderungen. Da liegt die Frage nahe: „Herr Wood, wie sehen Sie die Situation in Ihrer einstigen Heimat?“. Lapidare Antwort des Engländers, der gerade mal noch heimatlich-patriotische Gefühle für seinen alten Fußball-Club Sheffield United hegt: „Wir leben in einer Demokratie, und das ist auch gut so“. Einen Satz muss Malcolm Wood aber noch hinter her schieben: „Das Volk hat sich, wenn auch knapp, für diesen EU-Austritt entschieden, und das haben wir zu akzeptieren“. Punkt!

„Ich gehe nicht wieder zurück nach England

Es ihm anzumerken, dass er die Diskussionen ermüdend findet. Weitere Nachfragen, wie er das politische Lavieren der britischen Regierungschefin Theresa May empfindet, möchte er nicht beantworten. Er will nach vorne schauen und sprüht geradezu vor neuen Geschäftsideen auf Deutschlands größter Insel.

Eine deutsche, von Rügen stammende Mitarbeiterin von Malcom Wood hinterm Tresen meint: „Der Chef fragt mich manchmal schon gleich am frühen Morgen, was ich von bestimmten neuen Ideen halte“. Von Familie Wood wird man auch zukünftig auf Rügen noch einiges Neues hören und sehen. „Ich gehe nicht wieder zurück nach England, weil es uns auf Rügen gut geht“, so der vitale Engländer. Darin ist er sich mit seiner deutschen Frau und den beiden Töchtern einig.

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Christian Rödel