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Buckelbrut und Schwänzeltänze

Schaprode Buckelbrut und Schwänzeltänze

Hans-Jürgen Scheel ist mit seinen Bienen das ganze Jahr gut beschäftigt

Schaprode. Wenn Hans-Jürgen Scheel etwas nicht leiden kann, dann ist es die Varroa-Milbe: „Die nistet sich in der Brut ein und frisst den Bienenembryonen die Flügel ab“, sagt er und schiebt sich dabei gelassen einen Stachel aus dem Daumen. Der 76 Jahre alte Rentner wird lebhaft, wenn er von seinen Bienen erzählt. An die 20 Völker leben in seinem Garten. „Die haben sogar die Mammuts überlebt“, schwärmt er, „weil jede Biene weiß, was sie zu tun hat.“

 

OZ-Bild

Hans-Jürgen Scheel aus Schaprode und seine fleißigen Bienen.

Quelle: Fotos: Susanna Gilbert

Meine Bienen sind ganz närrisch auf die Hiddenseer Heide.“Hans Joachim Scheel,

Imker

Seit 1988 hat sich der gelernte Forstfacharbeiter und Diplomlandwirt der Imkerei verschrieben. Genauso lange lebt er mit seiner Frau Erika wieder in Schap-

rode, in jenem Haus, in dem er aufgewachsen ist. Lange Jahre seines Berufslebens hatte er mit seiner Familie in Neubrandenburg gewohnt. Doch als die betagte Mutter das Haus in Schaprode verkaufen wollte, entschieden sich die Scheels, nach Rügen zu ziehen.

An dem Haus hängen viele Erinnerungen. Hans-Jürgen Scheel war neun Jahre alt, als er dort einzog. Es war das Haus seines Stiefvaters Kurt Zitzwitz, den die Mutter am 7. Oktober 1949 – dem „Tag der Republik“ – geehelicht hatte. „Hansi, wollen wir den Herrn Zitzwitz heiraten?“, hatte sie den Filius vorher gefragt. „Mutti, mach das mal“, hatte der Junge ganz pragmatisch erwidert, „dann haben wir jedenfalls genug Holz“.

Der Krieg, der Soldatentod des Vaters und die Flucht aus Hinterpommern hatten das Kind früh erwachsen werden lassen. In Schaprode lebte er sich schnell ein, ging bis 1954 zur Schule und ließ sich zum Forstfacharbeiter ausbilden. Danach studierte der junge Mann drei Jahre an der Fachschule für Pflanzenschutz in Halle.

Während dieser Zeit lernte er Erika aus Burg Stargard kennen und lieben. In den ersten Jahren führten sie eine Fernbeziehung, doch 1961 wurde geheiratet, wenig später kamen Tochter Britta und Sohn Torsten zur Welt. Nach dem Studium zum Diplom-Landwirt war er in Neubrandenburg als Produktionsleiter im Agrochemischen Zentrum tätig.

Nach dem Umzug auf die Insel Rügen leitete er noch zwei Jahre die LPG Poggenhof, deren Auflösung ihn als einen der Liquidatoren zehn Jahre lang beschäftigen sollte. Bis zur Rente 2003 beriet Hans-Jürgen Scheel „Wiedereinrichter“ von landwirtschaftlichen Betrieben.

Ausgleich für den Stress bei der Arbeit fand er in der Imkerei. Drei Mal im Jahr schleudert er hunderte Kilo süßen Nektars aus den Waben: erst gewinnt er Honig aus den Rapsblüten, dann aus der Blüte der lilafarbenen Phacelia (Bienenweide) und schließlich aus Lindenblüten. Gewaltig aufpassen muss Scheel, wenn auf Hiddensee die Heide blüht. Denn Heidehonig mag er nicht, der ist ihm zu zäh.

Zwar versucht er mit Zuckerwasser, die Immen zu überlisten. Dennoch, seine Bienen „sind ganz närrisch auf Heide“ und fliegen manchmal hinüber, um sich am Heide-Nektar zu ergötzen. Wenn sie müde werden, legen sie auf der Fähre eine kleine Pause ein.

Mit einem Bienenvolk hat Scheel vor knapp 30 Jahren angefangen, jetzt sind es mehr als 20 Völker mit jeweils bis zu 45000 Bienen. Seine Begeisterung scheint trotz des großen Aufwandes mit den Jahren gewachsen zu sein. Er erzählt vom Ausschwärmen, von Buckelbrut, Schwänzeltänzen und Reinigungsflügen, bei denen der im Winter gesammelte Kot entleert wird. Er berichtet vom Drohnenkrieg, bei dem die nur zur Befruchtung benötigten Bienenmänner von den Arbeitsbienen tot gestochen und als Abfall entsorgt werden, oder vom Fiepton, den eine junge Königin von sich gibt, um ihrer Vorgängerin zu signalisieren, dass es Zeit ist zu gehen.

In der warmen Jahreszeit, so der Bienenexperte, holen sich die Insekten ihre Nahrung vom reich gedeckten Tisch der Natur. Im Winter füttert er seine Bienen mit Zuckersirup. „Da kommen bis zu 14 Kilo Sirup pro Volk zusammen.“ Denn nur so können die Immen die Wärme im Stock halten und die kalte Jahreszeit überleben. Das schaffen immerhin rund 10000 pro Volk.

Susanna Gilbert

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