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Rügen Schluss nach fast 25 Jahren: Bündnis für Rügen aufgelöst
Vorpommern Rügen Schluss nach fast 25 Jahren: Bündnis für Rügen aufgelöst
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07:33 12.01.2019
Das Bündnis für Rügen hat sich auch für den Erhalt der Allee zwischen Strüssendorf und Ralswiek eingesetzt – vergeblich. Quelle: BUND
Bergen

Fast ein Vierteljahrhundert lang gestaltete das Bündnis für Rügen (BfR) Politik auf der Insel mit. Hatten sich in Spitzenzeiten bis zu 400 Mitglieder eingetragen, war zuletzt nicht einmal mehr die Auflösungsversammlung beschlussfähig. Die musste Ende vergangenen Jahres wiederholt werden. Inzwischen hat Liquidator Hubertus Rabe den letzten Gang zum Notar hinter sich und auch das Konto ist aufgelöst. Denn das BfR war ein eingetragener Verein, eine Organisationsform, die sich laut Torsten Schäfer als äußerst unflexibel erwiesen habe. Schäfer ist der letzte von insgesamt nur drei Vorsitzenden, welche die Wählervereinigung leiteten. Je zehn Jahre lang standen der Gründungsvorsitzende Albrecht (Alex) Kind und nach dessen Tod im Jahr 2004 Karin Giesel dem Bündnis vor. „Es gab ja mal eine breite Basis, als das Bündnis aus Bauern und Naturschützern entstanden war“, so Giesel. „Wir haben seinerzeit dabei geholfen, den Prozess um die Einrichtung des Biosphärenreservats zu moderieren und mit Karin Timmel immerhin auch eine Landrätin gestellt.“ Dass die Verbindung der beiden Interessengruppen überhaupt gelang, war allein dem charismatischen Gründungsvorsitzenden zuzuschreiben. Vertreter des Bauernverbandes wie Kind oder Karl-Walter Böttcher fanden sich darin mit ausgewiesenen Naturschützern wie Jochen Kleinke und Marlies Preller zusammen und gewannen aus dem Stand sieben Sitze im Kreistag.

Seine Kandidatur hatte das BfR im Wahlprogramm so begründet: „Auf die Zuversicht des Wahljahres 1990 folgte vielfach Enttäuschung. Der politisch motivierte Tatendrang der Rügener wich der Politikverdrossenheit. Sie ist der Tod der Demokratie.“ Zur Kommunalwahl 1999 erreichte das BfR immer noch zehn Prozent und damit fünf Sitze. „Dem bundesweit einmaligen Versuch einer Zusammenarbeit von Bauern und Naturschützern wurde von vielen Seiten ein schnelles Ende prophezeit. Aber Totgesagte leben länger“, kommentierte seinerzeit Albrecht Kind.

Heute stellt das BfR mit Karin Wodrich zwar nur noch eine Abgeordnete im Kreistag, die Samtenser Bürgermeisterin ist aber immer noch eine von insgesamt sieben Gemeindeoberhäuptern, welche das BfR in Buschvitz (Malte Preuhs), Glowe (Tomas Mielke), Altenkirchen (Jutta Sill), Sehlen (Manfred Keller), Sagard (Sandro Wenzel) und Parchtitz (Wilfried Schuldt) stellt. „Außerdem ist das BfR immer noch in mehr als der Hälfte der kommunalen Parlamente der Insel mit rund 45 Sitzen vertreten“, weiß Hubertus Rabe. „Das Bündnis hat bis zur Kreisreform im Jahr 2011 Politik für Rügen machen können“, sagt Torsten Schäfer. Danach habe das nicht mehr viel Sinn gemacht, weil die Große Koalition auf Kreisebene die kleinen Wählergemeinschaften erdrückt habe. Nicht zuletzt seien die Bemühungen der Wählervereinigung, Mitglieder auf Gemeindeebene und dem Festland zu vernetzen, fehlgeschlagen.

Das hat auch Wolfgang Kannengießer beobachtet. „Mitglieder erschienen zuletzt nur noch vor Wahlen, um sich die Bürokratie der Kandidaturen zu erleichtern. Wenn die vorbei war, ließ sich keiner mehr blicken“, so der stellvertretende Vorsitzende. „Aber man braucht eben auch Leute, die mitarbeiten.“ Gab es früher regelmäßige Treffen zu inhaltlichen Themen wie Gentechnologie im Agrarbereich, zum Kohlekraftwerk Lubmin oder fragen des Baurechts, bröckelte der inhaltliche Konsens zusehends. So hätten Mitglieder des Bündnis’ beispielsweise in der Frage eines geplanten Delfinariums in Glowe öffentlich kontroverse Positionen eingenommen“, beklagt Schäfer. Nach der Aufbruchstimmung Anfang der Neunziger habe sich der Anspruch, gemeinsam etwas für Rügen zu erreichen, offenbar überlebt. Auch Nabu-Geschäftsführerin Marlies Preller findet den Entschluss „bedauerlich, aber die enge Verbindung zwischen Bauern und Naturschützern erwies sich schon nach dem Tod von Alex Kind nicht mehr als tragfähig“. Die Mandate der Gemeindevertreter des BfR gelten trotz dessen Auflösung fort. Zur kommenden Kommunalwahl müssen sich Kandidaten für Kreistag, Stadt- und Gemeindevertretungen nun aber selbstständig um die Gründung von Wählergemeinschaften kümmern.

Uwe Driest

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